Medien : Fernsehmuseum: Tammy

Jörn Wöbse

Träge glucksen die schlammig-braunen Wasser des großen Flusses an die morschen Planken des alten Hausbootes. Silbrig-helle Stimmen erklingen: "Hörst du den Südwind, er flüstert dir zu: Ta-ham-my, Ta-ham-my, dein Glück bist du." Wir sind im Süden der USA. Irgendwo in Georgia oder Mississippi oder Louisiana. Hillbilly-Country, Hinterwäldler-Land. Die süße Tammy Tarleton (gespielt von der damals 16-jährigen Debbie Watson) lebt bei ihrem Großvater Mordecai (unvergessen: Denver Pyle), einem knorrigen, aber gütigen Sonderling auf dem Boot. Immer adrett in karierter Bluse und Caprihosen führt sie den schwankenden Haushalt, zu dem noch der kauzige Onkel Lucius gehört, dessen Lebensmittelpunkt das Schwarzbrennen eines whisky-ähnlichen Gesöffs von fragwürdiger Qualität ist. Ansonsten wird den lieben langen Tag auf Katzenwels geangelt. Eine amerikanische Idylle: arm, aber reinlich.

Doch die Lichter der nahen Stadt ziehen auch Tammy in ihren Bann. Der erfolgreiche Unternehmer John Brent gibt dem Mädchen einen Posten als Sekretärin. Dies ruft Lavinia Tate auf den Plan, die diese Stellung ihrer schönen, aber dämlichen Tochter Rose zugedacht hatte; zumal es ja auch noch einen Brent jr. in heiratsfähigem Alter gibt. Die Tates stellen den Gegenentwurf zu den Tarletons dar: Arroganter Konföderierten-Adel mit Antebellum-Villa, aber ohne jede Herzensbildung. Natürlich prallen alle Versuche der Tate-Sippe, Tammy und die Ihren in Misskredit zu bringen, an deren Natürlichkeit und frischem Charme ab.

Moonshine-Whisky und Katzenwels, "southern hospitality" und säulenbestandene Herrenhäuser - das war der alte Süden, 1967 im ZDF. 1971 wurde "Tammy" noch einmal wiederholt. Wer immer die Rechte an dieser Serie hat: Wiederholen! 30 Jahre ohne "Tammy" sind zuviel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben