Medien : Fernsehmuseum: TV-Koch Clemens Wilmenrod

Harald Martenstein

Das erste Menü, das der erste deutsche Fernsehkoch seinem Publikum vorkochte, ging so: Fruchtsaft im Glas, italienisches Omelette, Kalbsniere gebraten mit Mischgemüse aus der Dose, Mokka. Es war der 20. Februar 1953: An diesem Tag ging Carl Clemens Hahn auf Sendung, und aus einem erfolglosen Schauspieler wurde der Urahn von Alfred Biolek. Er trug ein Menjoubärtchen und hatte sich für seine neue Aufgabe einen weltmännisch klingenden Künstlernamen zugelegt: Clemens Wilmenrod. Seine Zuschauer begrüßte er mit den historischen Worten: "Ihr lieben, goldigen Menschen! Liebe Brüder und Schwestern in Lucullus!" Die Profiköche verachteten ihn, weil er nicht einmal Geflügel korrekt tranchieren konnte. Die deutschen Hausfrauen dagegen schlossen ihn zahlreich ins Herz, Wilmenrod galt schon bald als einer der größten Schwerenöter seiner Epoche. Faszinierend war sein noch völlig unbefangener Umgang mit Ketchup und Konserven, kombiniert mit einem beachtlichen Erfindungsreichtum, was die Namen seiner schlichten Gerichte betraf. Ein paniertes Schnitzel taufte er "Venezianischer Weihnachtssschmaus", die gewöhnliche Boulette verkaufte er seinen Zuschauern als "Arabisches Reiterfleisch".

Die größte kulturhistorische Tat dieses Mannes war die Durchsetzung des Rumtopfs. Vor Wilmenrod nämlich war der Rumtopf den Deutschen nahezu unbekannt. Eines Tages aber schloss der Flensburger Rumhersteller Pott einen Vertrag mit Wilmenrod ab. Von da an propagierte er unermüdlich und letztlich erfolgreich die Kunst, reifes Obst in Rum einzulegen. Sein Ende war tragisch: 1964 setzte der NDR die Sendung ab, Wilmenrod verfiel in Depression und Krankheit, drei Jahre später nahm er sich das Leben.

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