Filmkritik : ARD zeigt neuen "Rommel"-Film

Nach der großen Aufregung um die Teamworx-Produktion zeigt die ARD nun den neuen Film "Rommel". Es geht auch um Hitlers General, aber Ulrich Tukur will nicht den Mythos, er will den Menschen und Militär zeigen.

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Schon im Vorfeld von „Rommel“ gab es jede Menge Trouble. Die Enkelin des Generalfeldmarschalls, Catherine Rommel, befürchtete eine zu kritische Sichtweise auf ihren Großvater. Drehbuchfassungen kursierten in der Öffentlichkeit.Alle Bilder anzeigen
Foto: ARD
30.10.2012 15:20Schon im Vorfeld von „Rommel“ gab es jede Menge Trouble. Die Enkelin des Generalfeldmarschalls, Catherine Rommel, befürchtete eine...

Viel Verkehr herrscht auf der Straße vom Dritten Reich zum heutigen Bildschirm. „Rommel“ marschiert gerade auf, „Unsere Mütter, unsere Väter“ (ein Dreiteiler über Lebensläufe um die Stunde null) folgt im Frühjahr, das Leben des verführten Theatergenies Heinrich George ist bald abgedreht. An einer achtteiligen Serie über Hitler im Ersten Weltkrieg wird ebenso gearbeitet wie am Biopic über Leni Riefenstahl, Hitlers blonden Propagandaengel. Was für ein Triumph des Produzentenwillens von Nico Hofmanns, dem Chef der führenden Fernsehfabrik für deutsche Geschichte (Teamworx).
Also „Rommel“. Ungeniert selbstverständlich prangen die Schauspieleruniformen, glänzen die Ritterkreuze, stimmen die militärischen Rituale. Die alte Doku-Gretchenfrage, O-Ton oder Fiktion oder eine Mischung ist gelöst: Der Mime flicht der Nachwelt die Erinnerungskränze. Zu Deutsch: Reenactment fast auf der gesamten Linie.
Vielleicht, wenn wir könnten, bliebe die Glotze kalt. Doch ironisches Einigeln nützt nichts. Vorab-Überdruss an den ewigen Nazifestspielen im Fernsehen ist zwar verständlich, aber barbarisch. „Rommel“ (der Regisseur Niki Stein hat das Buch geschrieben und Regie geführt) muss man trotzdem sehen und spüren, was da geschieht. Macht man ja sonst auch immer.

Die Wüstenfuchsdämmerung
Schon im Vorfeld von „Rommel“ gab es jede Menge Trouble. Die Enkelin des Generalfeldmarschalls, Catherine Rommel, befürchtete eine zu kritische Sichtweise auf ihren Großvater. Drehbuchfassungen kursierten in der Öffentlichkeit.Alle Bilder anzeigen
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30.10.2012 15:20Schon im Vorfeld von „Rommel“ gab es jede Menge Trouble. Die Enkelin des Generalfeldmarschalls, Catherine Rommel, befürchtete eine...

Zu sehen ist das Ende eines gefeierten Helden. Der wagemutige Frontdurchbrecher in Hitlers Frankreichfeldzug, der listige Wüstenfuchs bei der Afrika-Korps-Unternehmung gegen die Engländer, sitzt nun als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B fest in einem aussichtslosen Kampf gegen die anglo-amerikanische Invasion. Wir sehen von März bis Oktober 1944 einen Wüstenfuchs, für den die Wüste im militärischen Herzen des Hitler-Regimes fürchterlicher ist als jede reale in Nordafrika. Er, gegen den einen Verratsprozess zu führen, sich selbst Hitler nicht traut, wird in den Selbstmord getrieben.

Geklärt werden soll die Frage, wie weit der zum Hitler-Zweifler gewordene Rommel gegangen wäre. Ob er beim 20. Juli aktiv mitgemacht hätte, wenn die Umstände andere gewesen wären und er nicht schwer verletzt im Lazarett gelegen hätte. Eine heikle Frage. Die Warnschilder sind aufgestellt.
Schon im Vorfeld von „Rommel“ gab es jede Menge Trouble. Die Enkelin des Generalfeldmarschalls, Catherine Rommel, befürchtete eine zu kritische Sichtweise auf ihren Großvater. Drehbuchfassungen kursierten in der Öffentlichkeit. Der Holocaust-Leugner und britische Historiker David Irving, ein ausgewiesener Rommel-Kenner, machte Autorenrechte vor Gericht geltend. Die alten „Afrikaner“, wie sich die Kämpfer unter dem verehrten Kommandeur nennen, versuchten, in Treue fest, mit Ratschlägen bei den Dreharbeiten mitzumischen.
Totaler Fehlalarm. Ein Sieg schwärmerischer Fernsehdichtung über die Wahrheit findet nicht statt. „Rommel“ zeigt, wie schon die Rettungsrekonstruktion „Mogadischu“ zuvor, eine veränderte Darstellungsstrategie der Geschichtenmaschine Teamworx. Es hat sich ausfabuliert.

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