Medien : Frau als Chef? Nein, danke

Die ARD setzt Waldemar Hartmann auf die Strafbank. Unumstritten war er nie. Eine Chronik

Joachim Huber

Mai 1998: Jahrelang hatten sich Waldemar Hartmann und Berti Vogts geduzt, plötzlich, während eines TV-Interviews, fängt Berti Vogts an zu siezen, Hartmann siezt zurück. Hartmann in „Bild“: „Ich will eine klare Linie. Und dabei ist es auch okay, wenn wir zum Sie zurückkehren.“

Herbst 2000 : Marianne Kreuzer, Sportchefin beim Bayerischen Rundfunk und 38, lässt durchblicken, Waldemar Hartmann, damals 52, sei zu alt für den Bildschirm. Hartmann im „Spiegel“-Interview: „Ich halte es grundsätzlich für schwierig, wenn ein Mann eine Frau als Vorgesetzte hat.“ Maybrit Illner, Moderatorin der ZDF-Talkshow „Berlin Mitte“ schreibt dazu im Tagesspiegel: Waldi Hartmann, Sie kleiner Turnbeutelvergesser, wovor haben Sie eigentlich Angst?“ Im August 2001 heiratet Hartmann zum dritten Mal, Braut Petra Pöllmann ist 24 Jahre jünger.

Juni 2003: Die neue „Sportschau“ wird geplant. Reinhold Beckmann und Gerhard Delling sollen moderieren, der Bayerische Rundfunk will zudem Hartmann durchsetzen. Hartmann wird Außenmoderator für das „Spiel des Tages“.

Juli 2003: Die Reporter-Kollegen Oliver Welke (Sat 1) und Jörg Thadeusz (WDR) kritisieren in „TV-Spielfilm“, dass Hartmann schon seit Jahren mit den Spielern saufe – und diese ewige Duzerei. Hartmann schlägt in „Bild“ zurück: Welke sei gefrustet, Thadeusz nur „Regionalliga“.

September 2003: Hartmann ist der Held des Tages. Von Teamchef Rudi Völler nach dem Island-Spiel als „Weißbier-Trinker“ und schlimmer beschimpft, bleibt Hartmann ganz cool, bringt Völler auf normale Temperatur, stellt nie gehörte, kritische Fragen. Zwei Werbeverträge, einer für Weißbier, sind der Lohn.

August 2004: Die „Sportschau“-Spitze reduziert das wöchentliche „Topspiel“ eines Bundesliga-Tages auf wenige Termine. Hartmann beklagt sich derarüber in „Bild“. Jetzt werden die ARD und ihr Sport-Koordinator Hagen Boßdorf richtig sauer. ARD-Programmdirektor Günter Struve trennt die Streithähne. Boßdorf fährt nach Athen, Hartmann muss für einige Wochen auf die Ersatzbank. Struve: „In der Zusammenarbeit mit Waldemar Hartmann haben sich in letzter Zeit so viele Spannungen aufgebaut, dass wir einige Zeit für kollegiale Gespräche brauchen.“ Struve ist sich sicher, „dass wir nach den notwendigen Klärungen die Zusammenarbeit fortsetzen können.“ Hartmann zum Tagesspiegel: „Ich sage nichts, wir haben Stillschweigen vereinbart.“ Der Journalist ist freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk, durch die Denkpause verliert er Geld. Für das Bayerische Fernsehen kann Hartmann weiter moderieren.

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