Frauen und Männer im TV : Der absolute Loser ist ein Mann

Frauen sind im Fernsehen unterrepräsentiert. Lang ist die Liste dessen, was ihnen damit erspart bleibt.

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So muss Kinderfernsehen sein! Maja ist eine total aufgeweckte Honigbiene, ihr Freund Willi dagegen ist ein lieber, aber nicht der hellste Bienerich.
So muss Kinderfernsehen sein! Maja ist eine total aufgeweckte Honigbiene, ihr Freund Willi dagegen ist ein lieber, aber nicht der...Foot: Kinderkanal

Es gibt viel mehr Männer im Fernsehen als Frauen! Zu allen Sendezeiten, auf allen Kanälen! Eine Studie hat es gezeigt (siehe Tagesspiegel vom 12. Juli). Und was die Fortschrittlichen im Geiste am meisten schockiert: Schon beim Kinderfernsehen fängt das an, ausgerechnet beim Kinderfernsehen, das doch mitverantwortlich ist für die Urbilder dessen, was die Jüngsten künftig für männlich und weiblich halten. Auf eine weibliche Tierfigur kommen neun männliche. Neun!

Definieren wir die „Fortschrittlichen“. Von der Benutzung der weiblichen Form „die Fortschrittlichinnen“ ist an dieser Stelle abzusehen, es klingt zu habituell unterbelichtet. Eine nicht-fortschrittliche Stellungnahme zu den Befunden der Studie „Audiovisuelle Diversität“, erstellt von der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock, klänge etwa so: „Von mir aus sollen sie eine Frauenquote von 100 Prozent einführen, von mir aus sollen sie den Terminator, Batman und Superman zu Frauen machen, Hauptsache, sie machen aus Lara Croft keinen Mann!“ Das ist nicht konstruktiv.

Die Tiere also. Nehmen wir die beliebtesten Zeichentrickserien. „Tom und Jerry“ etwa, Katze und Maus. Es heißt die Katze und die Maus, trotzdem spielen zwei Kerle die Hauptrollen. Oder nehmen wir die „Mutant Ninja Turtels“, das sind diese vier dicken Schildkröten, die so viel Pizza fressen und trotzdem Ninjutsu können – es heißt die Schildkröten – aber wer sind die? Raphael, Michelangelo, Leonardo und Donatello. Wir ehren die „Mutant Ninja Turtels“ für die Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses der Renaissance, aber als Frauenrechtlerinnen sind die Kröten ein Totalausfall. Über das Personal der „Muppet Show“ ist kein Wort zu sagen, aber es ist nicht nur Kermit, der Frosch, da ist auch der ruhmsüchtige Erpel „Darwin Duck“: „Ich bin der Schrecken, der die Nacht durchflattert, ich bin die Sechs auf deinem Abschlusszeugnis ...“ Das gibt keine Darwina Duck. Die sich bis zur Illusion der Weltherrschaft plusternde Ente ist definitiv ein Mann. Es gibt Mrs. Piggy, aber keine Darwina Duck.

"Königin der Löwin"?

Wagen wir eine Schlussfolgerung: Tiere haben im Kinderfernsehen nichts zu suchen. Es sei denn, die Sender, die die Rostocker Studie mitfinanziert haben, drehen gemeinsam eine „Königin der Löwen“. Bei den Löwen jagen nur die Frauen, der Pascha schaut zu, und was machen die Jägerinnen dann? Liefern die Beute bei ihm ab, er frisst zuerst und sie warten, was er übrig lässt. Mitlöwinnen, das ist miserabel! Ihr seid so was von absolut kein Vorbild!

Und warum heißt es der Löwe, der Bär, der Fuchs, der Wolf? All die starken mutigen Tiere sind männlich, aber es heißt die Ameise, die Biene. All die kleinen fleißigen Sammlerinnen ohne Individualität und Eigenwillen: weiblich. Aber halt, da ist die Biene Maja.

Schon 1912 erfunden, und von einem Mann! Und der hat keine Drohne Max aus der Biene gemacht, nein, ein Mädchen erkundet die Welt und ist viel klüger als der Käfer Kurt und oder Alois Siebenpunkt, der dichtende Marienkäfer. 1912! Hätte Maria Furtwängler doch rechtzeitig an die Biene Maja gedacht!

Maria Furtwängler kam die Studien-Idee, als sie in einem Flugzeug saß und eine akut aufsteigende Panik nach ihr griff: Der Pilot war eine Frau! Wahrscheinlich hat sie gedacht, wenn ich das hier überlebe, stifte ich eine Studie. Dabei weiß seit der Biene Maja jeder: Frauen können fliegen! Allerdings hat Maja auch ihre Schattenseiten, genau wie ihr Autor. Eine Biene ist nichts ohne ihr Volk. Eine völkische Biene, o mein Gott! Die Fortschrittlichinnen wie die verflossene Familienministerin Kristina Schröder sagen übrigens nicht mehr „der Gott“, sondern „das Gott!, das ist theologisch auch viel richtiger, denn Gott steht über dem Gegensatz von männlich und weiblich. Aber das Gott hat selbst dann noch einen unangenehm paternalistischen Zug, es muss also heißen: „Das Gott gibt es nicht.“

Aber es gibt höchstwahrscheinlich nicht nur keinen Gott, sondern wohl bald auch keine Tiere mehr im Kinderfernsehen. Oder haben die Macherinnen der Studie nicht direkt den Stein der Weisen gefunden? DER Stein der Weisen?

Wer in Quantitäten denkt, der denkt trivial

Dieses ewige missvergnügte Rechnen, Vorrechnen und Nachrechnen. Wer nur in Quantitäten denken kann, erliegt einem Trivialverständnis von Demokratie. Das Gute ist immer eine Qualität. Und es ist selten, vielleicht ist es so selten wie Frauen ab fünfzig im Fernsehen.

Andererseits: Sobald man den Fernseher einschaltet, sind da Frauen. Frauen in den Nachrichten, Frauen als Moderatorinnen der großen Magazine. Die Männer aller vergangenen Jahrhunderte hätten das für einen missglückten Scherz gehalten. Frauen, die Zeitung lasen, galten im 19. Jahrhundert als Kuriosum schlechthin, zu „Lesehallen“ in Kurbädern hatten sie gar keinen Zutritt. Ihr Fortschrittlichinnen, es ist viel erreicht! Niemand wird die Frauen wieder aus ihrem ureigenen Leben vertreiben können, und wir können doch nicht immer nur fortschreiten, und wohin denn eigentlich?

Müssen wir denn alles werden? Der absolute Verlierer, der ultimative Trottel ist auch meist ein Mann. Und der letzte Penner, der Alkoholiker! In jedem Mann steckt ein Darwin Duck; die Fallhöhe ist bei denen größer. Fernsehen ist Action. Männer sind schon als Baby aggressiver, die hauen statt zu streicheln. Sollten wir nicht dankbar dafür sein, was wir alles nicht werden müssen?

Das Fernsehen sieht manchmal aus wie ein großer, nie endender Kriminalfilm, einer folgt dem nächsten. Die Kommissarinnen, Maria Furtwängler eingeschlossen, geben zweifellos ihr Bestes. Aber die Täterseite! Ohne dass wir uns als Mörderinnen, Triebtäterinnen und Schwerkriminellinnen emanzipieren, ohne entschlossenen feministischen Ehrgeiz nach unten kommt die Statistik nie in Ordnung.

Vier Hauptschüler, keine Hauptschülerin

Dabei gibt es auch gute Nachrichten: Beim Liebesfilm und den Telenovelas, das ist unfassbar, sollen die Anteile des Männlichen und des Weiblichen fast ausgewogen sein.

Doch dürfen wir darüber die Probleme nicht vergessen. Was neben Tieren überhaupt nicht kindgerecht ist, ist die Vergangenheit. All die männlichen Archetypen, Ritter und Krieger! Schweigen wir von den Mangas und ihrem vollkommen fehlenden Gewissen angemessener audiovisueller Diversität. Aber Mädchen mögen Mangas. Manche mögen sogar Barbie-Häuser mit Geräuschen und viel Zubehör. Jede Kindheit durchmisst die magische, die archetypische Welt von Neuem, und letztlich auf eigenes Risiko.

In einer Welt, die Studien wie „Audiovisuelle Diversität“ erstellt, muss es auch Serien wie „South Park“ geben. Die Helden von „South Park“ sind die vier Hauptschüler Stan, Kyle, Kenny und Eric. Vier Hauptschüler, keine Hauptschülerin! Wahrscheinlich wurden sogar die Schlümpfe als Männer gezählt. Oder gehören die doch eher zum dritten Geschlecht, genau wie die Mainzelmännchen? „Audiovisuelle Diversität“ hat glatt das dritte Geschlecht vergessen. Das kann nur eine neue Studie klären, dieser Schlumpf unter den Erkenntnisformen.

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