Freitagskrimi : Sie ist hier der Boss

Katharina Böhm spielt „Die Chefin“ im ZDF. Die US-Serie "The Closer" hatte vorgemacht, wie man eine Ermittlerin in der Führungsposition inszeniert.

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Schauspielerin Katharina Böhm.
Schauspielerin Katharina Böhm.Foto: dpa

Eine Chefin auf dem Revier ist noch nicht ganz so üblich. Im Freitagskrimi des ZDF gab es sie bislang nicht. Das ändert sich heute mit Hauptkommissarin Vera Lanz. Sie ist in „Die Chefin“ eine Frau, die sich in einer Männerdomäne durchsetzt und dort auch auch noch das Sagen hat. Zwar ist eine Frau als Boss im Fernsehen nicht neu, aber es bleibt noch immer eine Herausforderung, sie in dieser Rolle so zu inszenieren, dass sie nicht krampfhaft oder uncool rüberkommt.

Hat das bei Lanz, die der Münchener Mordkommission vorsteht, geklappt? Katharina Böhm bringt zweifellos Standfestigkeit mit, Entschlossenheit, einen Schuss Verwegenheit, aber auch Herz. Dabei ist sie mit blonder Mähne und jugendlichem Outfit ein weibliches Wesen, das sich seiner Reize bewusst ist und den Assi (Stefan Rudolf) schon mal anherrscht: „Gucken Sie mir etwa auf den Hintern?“

Das Drehbuch (Ortun Ertener) hat Hauptkommissarin Lanz zudem eine bewegte Vorgeschichte mitgegeben. Ihr Ehemann, auch er Polizist, wurde vor vier Jahren erschossen. Die Umstände blieben unklar. War er korrupt? Ein Verräter? Es wird, wenn der Reihe Erfolg und damit weitere Staffeln beschieden sein werden, noch dauern, bis wir dahinterkommen.

Bei der Inszenierung einer Chefermittlerin taucht immer das Problem auf, dass die weibliche Autoritätsfigur keinesfalls wie ein Quasi-Mann auftreten darf. Weiblichkeit muss mit Durchsetzungsfähigkeit gepaart werden. Wie macht man das? Im Falle Vera Lanz/Katharina Böhm hat man sich damit begnügt, den Sex-Appeal der Figur und ihre berufliche Kompetenz gleichermaßen zu betonen – was nicht ohne einen Rest Angestrengtheit gelingt.

Der Königsweg sieht anders aus, er wurde in der US-Serie „The Closer“ erfolgreich beschritten. Deutsche Serienentwickler lassen sich doch gerne vom Ausland inspirieren. Mit „The Closer“ hätten sie mal ein echtes Vorbild. Kyra Sedgwick spielt darin als Chief Brenda Lee Johnson eine Chefin, die alle Vorurteile einer eingeschworenen Männergesellschaft bestätigt. Sie ist hysterisch, overdressed, verplant und zappelig – wer will schon „unter“ so einer arbeiten. Doch gibt es auf der Welt keine Verhörspezialistin, die so einfalls- und fintenreich, so hinterlistig und gnadenlos agierte wie sie. Kein leugnender Verdächtiger ist ihr je durch die Lappen gegangen.

Die Lösung im Falle „The Closer“ also lautet: Inszeniere die Chefin von ihrer Professionalität, ihrer absoluten Könnerschaft her. Die überzeugt nämlich auch die Männer. Als Weib kann sie dann so verrückt oder gar blöd sein, wie sie will. Da ist es dann egal, ob sie sich mal wieder einen Absatz abbricht oder ihre Handtasche mit der Dienstmarke drin verliert.

Vera Lanz’ berufliche Fähigkeiten sind vorderhand noch mehr Versprechen als eingelöst. Sie macht ihre Sache ganz gut, aber Polizeiarbeit ist Teamarbeit, und sie ragt nicht heraus. In der ersten Folge „Enthüllung“ (Regie: Maris Pfeiffer) wird die Kommissarin als Charakter erst mal vorgestellt. Die Vergangenheitslastigkeit der Geschichte – der tote Mann wird immer wieder durch die Folgen geistern – lässt allerdings befürchten, dass uns Vera Lanz mehr als Frau mit Schicksal, die zufällig ein Ermittlerteam leitet, nahegebracht wird denn als Frau mit Fähigkeiten, die es alles andere als zufällig erscheinen lassen, dass sie den Posten hat, den sie hat. So aber sollte es sein mit den Chefinnen – in der Wirklichkeit wie im TV. Na, warten wir’s ab.

„Die Chefin“, 20 Uhr 15, ZDF

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