Für einen reibungslosen Straßenverkehr : Mehr Fahrräder ins Fernsehen!

Das Fernsehen ist Schuld daran, dass es sowohl für Autofahrer als auch Radfahrer im Straßenverkehr so schlecht läuft. Fahrräder sind nämlich unterrepräsentiert.

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Würde es im Fernsehen mehr Radfahrer geben, wäre der Straßenverkehr nicht so suboptimal für alle - denkt unser Autor Matthias Kalle.
Würde es im Fernsehen mehr Radfahrer geben, wäre der Straßenverkehr nicht so suboptimal für alle - denkt unser Autor Matthias...Foto: dpa

Ach, hätte ich doch eine Mobilitätskolumne und keine Medienkolumne, dann wäre ich mehr an der frischen Luft, und könnte von den irrsten Dingen berichten, die tatsächlich passieren, wenn man zum Beispiel mit dem Fahrrad fährt. Aber weil ich seit 35 Jahren fernsehschaue und erst seit kurzem wieder regelmäßig mit dem Fahrrad fahre, ist die Themenaufteilung wohl besser so.

Obwohl: Wenn man als Quereinsteiger in eine Branche kommt, dann fallen einem mitunter Dinge auf, die von Altgedienten vielleicht eher ignoriert werden. So habe ich mir zum Beispiel den Kopf zerbrochen, ob ich einen Helm tragen sollte oder nicht, und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich keinen tragen werde. Natürlich habe ich Verständnis für jeden, der diese Entscheidung dumm findet und missbilligt. So wie ich Verständnis für jeden habe, der einen Helm trägt. Nach meiner Beobachtung tragen mehr Frauen einen Helm als Männer. Frauen, die mit Helm Fahrrad fahren, haben sehr oft einen Kindersitz auf dem Gepäckträger, in dem allerdings nie ein Kind sitzt. Frauen, die mit Helm und kinderlosen Kindersitz Fahrrad fahren, sind meistens so langsam, dass sie beinahe umfallen. Außer, wenn sie eine rote Ampel sehen. Dann treten sie in die Pedale, wie nichts Gutes, denn rote Ampeln scheinen, sobald man auf einem Rad sitzt, die Funktion von grünen Ampeln zu haben, wenn man im Auto sitzt. So etwas verblüfft mich mitunter mehr, als bayrische Innenminister in Talkshows.

Bei Pablo Escobar gibt es keine Fahrräder

Über solche Sachen würde ich in meiner Mobilitätskolumne schreiben. Oder darüber, dass für die meisten Menschen Autofahren die anspruchsvollste Tätigkeit in ihrem Leben ist – weshalb man sich nicht wundern muss, dass die immer so ausflippen, wenn es mal nicht so läuft, wie sie sich das vorstellen. Oder darüber, dass es kein Anrecht darauf gibt, die volle Breite des Bürgersteiges auszunutzen, wenn man zu dritt unterwegs ist.

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Anstrengend, diese Senserei! Da braucht man mal eine Pause ... Brigitte Siegfried begegnete diesem Stillleben an der Jafféstraße in Westend.Weitere Bilder anzeigen
1 von 475Foto: Brigitte Siegfried
25.07.2017 12:14Anstrengend, diese Senserei! Da braucht man mal eine Pause ... Brigitte Siegfried begegnete diesem Stillleben an der Jafféstraße...

Ich glaube, das Fernsehen ist Schuld daran, dass es im Straßenverkehr für alle Teilnehmer suboptimal läuft. Ich glaube, ich kann das erklären: Wie jeder andere, schaue auch ich gerade „Narcos“ auf Netflix – diese Serie über Pablo Escobar, den größten Drogenschmuggler der Welt. Es gibt einige kritische Stimmen zu dieser Serie, zum Beispiel, dass einige Kolumbianer in der Serie von Mexikanern oder Argentiniern gespielt werden würden. Oder auch, dass die Serie gar nicht so spektakulär sei, wie einem das versprochen wurde. Ich bin in diesem Fall nicht so pingelig, mir fiel nur eine Sache negativ auf: in „Narcos“ fährt kein Mensch Fahrrad. Ich habe in der Serie nicht einmal ein Fahrrad in einer Ecke stehen sehen (und das, obwohl die Kolumbianer doch durchaus radsportaffin sind, man denke nur an erfolgreiche Kolumbianer bei der Tour de France, neben „Narcos“ die andere große Drogenserie im Fernsehen). Die Menschen in „Narcos“ bewegen sich in Autos fort, in Hubschraubern, in Flugzeugen. So ist das übrigens in vielen Fernsehserien – das Fahrrad ist deutlich unterrepräsentiert.

Mehr Fahrräder ins Fernsehen

Eigentlich bin ich das Gegenteil eines Verschwörungstheoretikers, weil ich zum Beispiel weiß, dass mir meine Fernsehkritiken nicht diktiert werden, weder von Washington, noch von Moskau. Aber dass sich die Menschen in modernen Fernsehserien fast ausschließlich mit dem Auto fortbewegen – dass irritiert mich dann doch.

Wenn einer im Fernsehen Fahrrad fährt, dann tut er das, um seine Kauzigkeit zu unterstreichen. Axel Prahl ist zum Beispiel in seiner Kommissar-Rolle im „Tatort“ Fahrradfahrer (was wohl gut passt zu seinen St-Pauli-T-Shirts). Aber tatsächlich sitzt er meistens mit Jan Josef Liefers in einem Auto. Manchmal sieht man noch Kinder auf Fahrrädern – oder ältere Mitbürger; Helden, Kämpfer, Detektive, Weltenretter – sie alle bewegen sich motorisiert vor, eigentlich ohne Ausnahme.

Ich glaube, das ist nicht gut. Ich glaube, das wirkt sich negativ auf den Straßenverkehr aus. Ich glaube, in Fernsehserien müssen Fahrräder in Zukunft eine größere Rolle spielen.

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