Funkstille : Aus für Touri-Station

Auf den Kanarischen Inseln bekommen deutschsprachige Radiosender keine Lizenz. Für die bisherigen Radiobetreiber eine klare Fehlentscheidung.

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Gleich morgens geht es los mit Sportübungen, es folgt das Horoskop, anschließend Tipps zu Wanderstrecken auf der Insel. Zwischendurch gibt es Musik von Tina Turner, Lionel Richie und Mika. Rund um die Uhr sendet Radio Megawelle für die Lang- und Kurzzeiturlauber auf Teneriffa. Doch jetzt soll Schluss sein mit dem Touri-Funk.

Obwohl der Sender, der von dem Berliner Hans-Georg Scholz betrieben wird, bereits seit rund 15 Jahren auf der Insel zu hören ist, ging er jetzt bei der Vergabe der Lizenzen leer aus. Auch der deutschsprachige Sender Express FM und andere fremdsprachige Programme haben keine Genehmigung von der kanarischen Regionalregierung erhalten. „Das ist eine Fehlentscheidung. Gerade auf einer Urlaubsinsel wie Teneriffa muss es doch auch fremdsprachige Programme für Residenten und Urlauber geben“, sagt Dietmar Hennig, Redaktionsleiter der Zeitung "Kanaren Express", zu der auch Express FM gehört. Der Sender bietet ebenfalls ein 24-Stunden-Programm, die Musikschiene wird auf Teneriffa gestaltet, die deutschsprachigen Nachrichten vom Anbieter radiodienst.de zugeliefert. Hennig sieht in der Entscheidung sogar einen Eingriff in die Pressefreiheit. „Die Vielstimmigkeit der Medienlandschaft wird erheblich eingeschränkt.“ Zudem dürfe nicht eine staatliche Behörde entscheiden, welche Stationen eine Sendeerlaubnis bekommen. „Solche Entscheidungen sollten von staatlich unabhängigen Instanzen getroffen werden“, sagt Hennig.

Weil es bisher kein richtiges Lizenzierungsverfahren auf den Kanaren gab, hatten die Stationen auf der Basis einer Art Duldungs- und Gewohnheitsrecht gesendet. Im Laufe der Jahre hatten sich deshalb immer mehr Sender auf der Insel ausgebreitet, so viele, dass sie sich am Ende in den Frequenzen gegenseitig störten, sogar der Funkverkehr der Flugzeuge soll behindert worden sein. In dieses Rauschen hatte die Regionalregierung nun Ordnung bringen wollen.

Anhand eines Fragebogens, in dem beispielsweise Angaben zur Gestaltung des Programms, der Wirtschaftlichkeit, technischen Aspekten und Arbeitsplätzen gemacht werden mussten, konnten sich die Sender bewerben. 694 Anträge von 90 Firmen gingen bei der Regionalregierung ein, doch nur 156 UKW-Frequenzen wurden verteilt – offenbar ausschließlich an spanische Unternehmen.

So erhielt das Lokalradio 7.7 nach Angaben der Website radiowoche.de 32 Frequenzen und steigt damit zum Regionalsender auf, 29 Frequenzen gingen an den spanienweit aktiven Musiksender Kiss FM, der auf den Kanaren bisher nicht gesendet hat. Und Miguel Concepcíon, der Präsident des Fußballclubs CD Teneriffa und Betreiber des TV-Senders Canal 4, erhielt 16 Frequenzen. Dagegen gingen zahlreiche kleine Lokalsender, die teilweise mehr als 20 Jahre auf den Kanaren senden, leer aus.

Welche Kriterien ausschlaggebend für die Vergabe waren und warum die fremdsprachigen Programme nicht berücksichtigt wurden, dazu hat sich die kanarische Regionalregierung auf Anfrage nicht geäußert. Hennig hofft, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Bis es ein offizielles Verbot gibt, will er mit Express FM weiter senden. Sonja Pohlmann

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