Fußball im Free-TV : Bundesliga ja, Champions League nein

Superquote für die Bundesliga-"Sportschau" provoziert die Frage: Wie viel Fußball gehört ins Free-TV?

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Stets auf Ballhöhe: Die Fußball-Bundesliga in der ARD-„Sportschau“. Foto: picture alliance / dpa
Stets auf Ballhöhe: Die Fußball-Bundesliga in der ARD-„Sportschau“.Foto: picture alliance / dpa

Die ARD-„Sportschau“ am Samstag bleibt das Zentralorgan der TV-Berichterstattung zur Fußball-Bundesliga. Im Schnitt verfolgten 5,25 Millionen Fans die zweistündige Berichterstattung vom letzten Spieltag der Saison, was einem durchschnittlichen Marktanteil von 28,7 Prozent entspricht und der „Sportschau“nach der „Tagesschau“ die zweithöchste Einschaltquote des Samstags verschaffte.

Die Werte vom Samstag passen sich ein ins Quotenbild der gesamten Saison. Die Bundesliga-„Sportschau“ erreichte laut WDR in der abgelaufenen Spielzeit im Schnitt 5,40 Millionen Zuschauer und gewann im Vergleich zur Saison 2015/2016 durchschnittlich 160 000 Zuschauer hinzu. 5,40 Millionen Zuschauer bedeuten den höchsten Wert in den vergangenen sechs Jahren. Nur in der Saison 2010/11 hat der Durchschnitt mit 5,62 Millionen darüber gelegen. „Sportschau“-Chef Steffen Simon sagte, die Sendung sei eines der letzten Lagerfeuer des deutschen Fernsehens. „Hier sitzen Familien auf dem Sofa und schauen sich gemeinsam eine TV-Sendung an.“

Auch das „Aktuelle Sportstudio“, am Samstag von 23 Uhr 02 an im Zweiten, konnte mit 2,46 Millionen Zuschauern erneut seine Attraktivität beim (Fußball-)Publikum unter Beweis stellen.

Uefa vergibt Champions-League-Rechte

Die starken Zahlen für das Bundesliga-TV werfen mit neuer Wucht die Frage auf: Wie viel Fußball gehört ins Free-TV? Sehr bald wird die Uefa entscheiden, wohin sie Fernsehrechte an der Champions League von der Saison 2018/19 vergeben wird: Nur noch ans Pay-TV aus Sky und dem Streamingdienst Dazn – oder bleibt der bisherige CL-Sender ZDF an der Verteilung beteiligt?

Es ist klar, dass das ZDF die angeblich 54 Millionen Euro, die der Sender Saison für Saison an den europäischen Fußballverband überweist, deutlich wird steigern müssen, von bis zu 70 Millionen Euro geht die Spekulation aus. Das sind Summen, die über die Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag bezahlt werden. Schon heute ist der Livefußball das teuerste Programm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, und die dafür eingekauften Lizenzen kennen nur eine Richtung: nach oben.

Die respektablen Quoten suggerieren, dass das Gros der Fernsehzuschauer aus Fußballfans besteht. Tut es nicht. Aber viele Millionen sind es, Millionen, die wie andere auch den monatlichen Runkfunkbeitrag bezahlen. Sie dürfen eine Fußballberichterstattung erwarten. Der Streit kann immer nur über den Umfang ausbrechen: Bundesligen plus Champions League plus EM plus WM?

Bundesliga ist Business, Champions League Big Business

Der Rundfunkbeitrag kann nur einmal ausgegeben werden. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten müssen auswählen. Die Verbände und Vereine werden ihnen nicht beispringen. Bundesliga ist Business, Champions League ist Big Business, der Ball rollt nur, wenn das Geld stimmt. Die Vereine sind gieriger denn je.

Die Bundesliga, genauer: die Bundesligen sind der Nährboden, trotz der zutiefst kapitalistischen Struktur findet sich hier ein Surplus, ein Nationalsport, eine Attraktion über die Altersgruppen, über die Geschlechter, über die Einkommensklassen hinweg, von Norden nach Süden, von Westen nach Osten. Bundesliga-TV ist Grundversorgung wie die „Tagesschau“.

Champions-League-TV ist das nicht. Hier findet von Saison zu Saison eine Privilegierung bestimmter Klubs und ihrer Fans statt. Champions League im ZDF ist ein individuelles Vergnügen zulasten der beitragszahlenden Allgemeinheit. Der komplette Abgang ins Pay-Segment wäre kein Verlust, er wäre ein Akt der TV-Gerechtigkeit. Joachim Huber

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