Fußball : Stein des Anstoßes

Mehr Erholung für die Spieler oder mehr Zuschauer fürs Fernsehen? Bundestrainer Löw will den EM-Test gegen Israel um 18 Uhr beginnen, die ARD beharrt auf 20 Uhr 45.

von und
Klärungsbedarf. Bundestrainer Joachim Löw (Mitte), Moderator Gerd Delling (links) und Mehmet Scholl bei der obligatorischen Länderspiel-Analyse der ARD. Foto: WDR
Klärungsbedarf. Bundestrainer Joachim Löw (Mitte), Moderator Gerd Delling (links) und Mehmet Scholl bei der obligatorischen...Foto: WDR/Herby Sachs

Woran hat’s gelegen, ist immer noch die beliebteste Reporterfrage nach einem verlorenen Fußballspiel. Die Antwort von Joachim Löw könnte kurz und knapp lauten: „An der ARD“. Am 1. Juli will der Bundestrainer mit der deutschen Elf im Endspiel die Fußball-Europameisterschaft gewinnen. Durch einen – etwas bizarren Streit – ist die „högschde Konzentration“ auf dieses Ziel gefährdet.

Zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der ARD gibt es offenbar zwei Meinungen, was die Anstoßzeit für den letzten EM-Test der Nationalmannschaft betrifft. Bundestrainer Joachim Löw möchte einen Anpfiff der Partie gegen Israel am 1. Juni um 18 Uhr durchsetzen. Der DFB-Vertragspartner ARD beharrt hingegen darauf, dass die Partie in Leipzig frühestens um 20 Uhr 30 beginnt. Durch eine Vorverlegung will Löw seinen Spielern noch am gleichen Abend die Heimreise ermöglichen. Eine spätere Live-Übertragung bringt der ARD indes mehr Zuschauer.

Ein echter Interessenkonflikt. Die ARD zahlt 4,1 Millionen Euro pro Länderspiel der Nationalmannschaft an den DFB, und ist sicherlich nicht bereit, plötzlich frühere Anstoßzeiten einfach so abzunicken, wenn es zulasten der Einschaltquote geht. „Die Anstoßzeit wurde nach Abstimmung mit der sportlichen Führung der Nationalmannschaft um Manager Oliver Bierhoff bereits vor einiger Zeit vom DFB festgelegt und offiziell bekannt gegeben“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky am Dienstag. Wie die Erfahrung zeige, biete das Erste durch die spätere Übertragungszeit rund zwei Millionen Fans mehr die Möglichkeit zuzuschauen. „Zudem können wir den Zuschauern dadurch an diesem Tag einen spannenden Fußballabend bieten, der nicht nur die Live-Berichterstattung des letzten Testspiels der Deutschen vor der EM, sondern auch die Zusammenfassungen weiterer Paarungen beinhaltet.“

Mit diesem Statement sei im Grunde alles gesagt, lässt die ARD verlauten. Aus dem Kreis der Nationalmannschaft gab es am Dienstag keine offizielle Stellungnahme. Offenbar hat sich Joachim Löw zu spät in den Entscheidungsprozess eingemischt. DFB-Manager Oliver Bierhoff hatte in der „Bild“-Zeitung noch Verhandlungsbedarf angemeldet: „Das wird eine harte Angelegenheit. Wir wollen 18 Uhr, die ARD 20 Uhr 30 als Anstoßzeit. In den nächsten 14 Tagen fällt die Entscheidung.“ Auf der Internetseite des DFB ist als Anstoßzeit 20 Uhr 30 vermerkt.

Anders als die ARD hat sich das ZDF eingelassen, die EM-Vorbereitungspartie der deutschen Elf gegen die Schweiz am 26. Mai bereits von 18 Uhr an zu übertragen. ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz sagte dem Tagesspiegel, „natürlich ist 20 Uhr 45 eher die gesetzte Zeit, aber dem DFB war 18 Uhr deutlich lieber“. In den Gesprächen machte der Fußballbund seinem TV-Vertragspartner deutlich, dass die Spieler und Verantwortlichen nach der Begegnung in Basel noch nach Hause fahren wollten. Das ZDF ist darauf eingegangen, obwohl die Zuschauerzahl selbst an einem publikumsfreundlichen Tag wie Samstag, 26. Mai, um 18 Uhr niedriger ausfallen wird. Am Einkaufspreis von knapp mehr als vier Millionen Euro wird sich auch nichts ändern. Im Rahmenvertrag zwischen dem DFB und den öffentlich-rechtlichen Sendern, sagte Gruschwitz, setze der Fußballbund die Paarungen fest, dann würde zwischen ARD und ZDF aufgeteilt. „Über die Anstoßzeit des jeweiligen Spiels entscheidet letztlich der DFB.“

So ist das auch bei der (ARD-)Partie gegen Israel gewesen. Der DFB war schon mal mit 20 Uhr 45 einverstanden gewesen. Dann setzte Löw zur Grätsche an.

„Fußball-Länderspiel: Deutschland-Frankreich“, 20 Uhr 15, ZDF

Autoren

8 Kommentare

Neuester Kommentar