G20-Gipfel in Hamburg : "Journalisten sind keine Krawallmacher"

Mehrere Journalisten werden vom G20-Gipfel ausgeschlossen. Es könnte darum gehen, unliebsame Berichterstattung zu unterbinden, sagt die Gewerkschaft.

Polizisten nehmen am Freitag nahe der Landungsbrücken einen Aktivisten fest - Journalisten beobachten das Geschehen.
Polizisten nehmen am Freitag nahe der Landungsbrücken einen Aktivisten fest - Journalisten beobachten das Geschehen.Foto: Bodo Marks/dpa

Mehrere Journalisten sind vom Hamburger G20-Gipfel ausgeschlossen worden. Das Bundeskriminalamt bestätigte am Freitagnachmittag per Twitter-Meldung, dass das Bundespresseamt gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden über einen möglichen Entzug der Akkreditierung entscheide. „Das war in einigen Fällen gegeben.“ Es gehe dabei um „sicherheitsrelevante Erkenntnisse“, die gegen eine Akkreditierung sprächen. Die Journalisten können jetzt nur noch außerhalb gesperrter Bereiche ihrer Arbeit nachgehen.

Betroffen ist unter anderem ein freier Fotograf des Bremer „Weser-Kuriers“ (WK). Der 1990 geborene Rafael Heygster, der in Hannover und Bremen lebt, hatte in Hamburg unter anderem die Krawalle fotografiert. Als er am Freitagmittag in das Pressezentrum zurückkehren wollte, wurde ihm nach Angaben des WK mitgeteilt, dass ihm seine Akkreditierung entzogen worden sei. „Auch auf Nachfrage erhielt Heygster keine Begründung“, so die WK-Redaktion in einer Presseerklärung.

Die führende Lokalzeitung im Raum Bremen will jetzt anwaltlich gegen den Ausschluss vorgehen und bezeichnet den Vorgang als „unzulässige Beeinflussung der freien Pressearbeit“. Nach Darstellung der linken Tageszeitung „Junge Welt“ musste auch deren G20-Berichterstatter Willi Effenberger seine Akkreditierungspapiere abgeben.

Bereits vor dem Bekanntwerden der Reporter-Ausschlüsse hatte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall, die Einsatzleiter dazu aufgefordert, ihren Beamten „einzuschärfen, dass Journalisten keine Störenfriede seien, sondern den Auftrag zur freien und ungehinderten Berichterstattung wahrnähmen“. Journalisten seien Berichterstatter und nicht Krawallmacher. Überall verlangt vom Bundeskriminalamt, dass es keine weiteren Restriktionen gegen Journalisten verhängt. Die Deutsche Journalisten-Union (DJU) in Verdi legte Widerspruch für mehrere Mitglieder ein. Es dränge sich der Eindruck auf, dass unliebsame Berichterstattung unterbunden werden soll.

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