Hauptstadflughafen bei Minecraft : Harmonie beim BER-Bau – im Computerspiel

Der Flughafen Berlin Brandenburg taumelt von einer Krise in die nächste. In Minecraft, einem Computerspiel, kommt der Bau des BER dagegen sehr gut voran. Ein Gespräch mit Patrick Walde, dem Projektleiter von „Project.BER”.

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Sieht doch schon gut aus. Der BER in Minecraft. Foto: Patrick Walde
Sieht doch schon gut aus. Der BER in Minecraft.Foto: Patrick Walde

Minecraft ist das derzeit erfolgreichste Computerspiel der Welt: Gerade erst hat es die Schallmauer von 100 Millionen registrierten Spielern durchbrochen. In Minecraft entstehen aus würfelförmigen Blöcken gigantische Werke, zum Beispiel die USS Enterprise aus Star Trek oder der Kontinent Westeros, Schauplatz der TV-Serie Game of Thrones. Auch reale Vorbilder wie New York, der Eiffelturm oder die Pyramiden von Gizeh wurden schon in Minecraft nachgebaut, oft in Teamwork von mehreren hundert Spielern.
Wer aber hätte damit gerechnet, dass auch der Pannen-Flughafen Berlin Brandenburg einmal zu Minecraft-Berühmtheit kommt? Denn während der echte BER von einer Krise in die nächste taumelt, macht sein digitales Pendant gute Fortschritte. Hinter Project.BER, einer Karte für Minecraft, steht ein gerade mal dreiköpfiges Team. Wir haben mit dem Projektleiter Patrick Walde (24) gesprochen.

Warum habt ihr euch gerade den BER als Vorlage ausgesucht?
Wir sind große Luftfahrt-Fans und verfolgen den Bau des BER seit dem Spatenstich. 2012 gab es auf dem Flughafen einen Probebetriebstag, an dem wir als Tester teilnehmen durften. Dabei kam uns spontan die Idee, den BER in Minecraft nachzubauen. Wir haben dann einfach mal losgelegt.

Der Krisenflughafen im Computerspiel
Erkennen Sie ihn wieder? Richtig, das ist der Flughafen Berlin Brandenburg... Foto: WaldeWeitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Walde
28.02.2014 22:28Erkennen Sie ihn wieder? Richtig, das ist der Flughafen Berlin Brandenburg...



Was reizt euch an dem Projekt?
Minecraft ist Lego für Große. Man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen, seine eigene Welt errichten. Mit Project.BER erschaffen wir etwas Außergewöhnliches, etwas, das nicht jeder zustande bringt. Außerdem sind wir gerne auf Flughäfen – und da kann es nicht schaden, einen zuhause zu haben. (lacht)

Wie weit seid mit den Bauarbeiten?
Das Terminal steht bereits, genau wie das Kongress-Zentrum, die Parkhäuser und das Hotel Steigenberger. Auch den unterirdischen Bahnhof, die Start-und Landebahnen und den Tower haben wir schon gebaut. Sogar die ersten Flugzeuge stehen schon am Terminal. Was noch fehlt, sind die Taxiways und jede Menge Straßen. Auch bei den existierenden Bauten gibt es noch jede Menge zu verbessern. Unser Ziel ist eine möglichst detailgetreue Kopie des Flughafens.

Wie geht ihr beim Bauen vor?
Als Muster dient der Flughafen-Grundriss, den gibt es ja ganz offiziell auf der BER-Homepage. Außerdem verwenden wir Satellitenaufnahmen von Bing Maps und Google Maps, wobei Bing die aktuelleren Bilder hat.  Während des Probebetriebs konnten wir auch Fotos vor Ort machen, zum Beispiel von den Außenwänden und von der Holzvertäfelung der Check-In-Schalter. Diese Fotos nutzen wir als Textur für die Minecraft-Bausteine. Wenn wir aktuelles Bildmaterial benötigen, fährt mein Kollege Chris zum Flughafen, er wohnt ganz in der Nähe.

Auf echten Baustellen ist es oft laut und dreckig. Wie geht es auf der Minecraft-Baustelle zu?
Wenn wir bauen, herrscht meist absolute Stille. Man hört höchstens mal, wie einer von uns flüsternd seine Blöcke abzählt. (lacht)

Auf welchen Teil des Modells seid ihr besonders stolz?
Unser Schmuckstück ist definitiv das Terminal. Allein das Dach besteht zum jetzigen Zeitpunkt aus mehr als 300.000 Blöcken. Den größten Teil des Daches haben wir Block für Block gebaut zusammengebaut. Bei manchen Gebäuden arbeiten wir mit einem Hilfsprogramm namens WorldEdit, weil das Ganze sonst zu lange dauern würde. Von Hand zu bauen ist aber natürlich präziser.

Was ist die größte Herausforderung?
Mit das Schwierigste ist, die Dimensionen der Gebäude richtig einzuschätzen. Wenn man da einen Fehler macht, muss man alles abreißen und neu bauen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Sichtweite in Minecraft nicht besonders hoch ist. Weit entfernte Gebäude werden nicht dargestellt, weil das zu viel Rechenkapazität benötigen würde.

Wie kommt ihr mit den Widrigkeiten klar?
Die Satellitenaufnahmen sind eine gute Basis. Ich mache Screenshots von Bing und lege ein paar Orientierungslinien darüber. In Minecraft ziehe ich diese Linien mit goldenen Blöcken nach. Wenn der jeweilige Bauabschnitt fertig ist, lösche ich die Hilfsblöcke wieder. Am schwierigsten ist der Bau des hinteren Flughafenteils, also Hangar und ILA-Gelände, weil da die Orientierungspunkte fehlen.
An manchen Stellen müssen wir bei der Umsetzung aber auch Abstriche machen. Die Minecraft-Blöcke haben eine bestimmte Kantenlänge, die sich nicht ändern lässt. Bei unserem Low-Cost-Pier sinkt das Gelände deshalb stärker ab als in der Realität.

Klingt alles ziemlich anstrengend...
Ja, fürs Bauen braucht man schon ziemlich gute Nerven. Wenn etwas einmal nicht funktioniert, denkt man sich: egal, macht nix. Wenn es aber mehrmals nicht hinhaut, nervt es schon gewaltig. Das Terminal mussten wir dreimal neu bauen, weil immer irgend etwas nicht gestimmt hat. Mit WorldEdit kann man zwar auch größere Gebäudeteile kopieren oder verschieben. Unser Server läuft aber leider nicht hundertprozentig stabil. Gerade wenn man größere Objekte verschiebt, kann es passieren, dass der Server abstürzt. Das ist dann schon sehr ärgerlich, wenn die Arbeit von Stunden auf einen Schlag vernichtet wird.

Wie hoch ist der Zeitaufwand für das Projekt?
Bei mir sind es vier bis fünf Stunden pro Woche, weil ich in die Berufsschule gehe und nebenbei jobbe. Bei meinen Kollegen dürfte der Zeitaufwand in etwa gleich groß sein. Also insgesamt vielleicht 15 Stunden pro Woche.

Wird das Bauen nicht manchmal langweilig?
Kann schon vorkommen. Wir schalten dann den Minecraft-Server ab und machen für ein paar Tage oder Wochen Pause. Man muss das ja nicht kontinuierlich betreiben. Bevor ich komplett die Lust an dem Projekt verliere, widme ich mich lieber anderen Dingen.

Was sagen Minecraft-Fans zu eurem Projekt?
Bis jetzt ist das Feedback durchweg positiv. Wir versuchen die Nutzer einzubinden, indem wir sie über unsere Facebook-Seite und unsere Smartphone-App mit Neuigkeiten versorgen. Leider hatten wir aber auch schon ein Problem mit Nachahmern. Ein Facebook-User kontaktierte uns und fragte, wie lang unser Rollfeld ist und wie viele Stützen wir für den Terminal verwenden – das haben wir ihm natürlich nicht verraten. Plötzlich tauchte aber bei Youtube ein Video von dem Nachahmer-Projekt auf. Wir haben uns bei den Machern beschwert, weil wir finden, das so etwas gar nicht geht. Das Video wurde dann auch wieder entfernt.

Was sagst du zum Planungschaos um den echten Flughafen?
Ich finde, der BER ist ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Aber was sich die Verantwortlichen leisten, ist nur noch peinlich. Das hätte niemals so laufen dürfen.

Wann wird euer Flughafen fertig?
Das lässt sich noch nicht so genau sagen. Wir möchten keine falschen Versprechungen machen, so wie die Planer des echten Flughafens. Es wird auf jeden Fall noch eine Weile dauern, weil wir nur zu dritt daran arbeiten.

Kann man bei Project.BER noch mitmachen?
Na klar. Wer uns helfen will, sollte sich aber nicht nur gut in Minecraft auskennen, sondern auch in echter Architektur. Und er sollte natürlich Spaß an der Arbeit haben.

Wer wird Project.BER nutzen können?
Wir werden Project.BER zum Download anbieten, wenn die Karte vollständig ist. Sie wird dann Open Source sein – das heißt, jeder kann damit machen, was er will, zum Beispiel neue Gebäude hinzufügen oder Modifications wie PlaneCraft nutzen.

Das Gespräch führte Achim Fehrenbach.


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