Geben und Nehmen : Welchen Rabatt hätten’s gern?

Warum so viele Unternehmen Journalisten begünstigen. Und warum die Deutsche Bahn damit aufhört, ermäßigte Bahncards anzubieten.

Jana Gioia Baurmann
Keine Bange, Zugausfälle treffen Journalisten genauso wie übrige Bahnkunden. Foto: dapd
Keine Bange, Zugausfälle treffen Journalisten genauso wie übrige Bahnkunden. Foto: dapdFoto: dapd

„Vollständige Transparenz“ hatten die Medien von Bundespräsident Christian Wulff gefordert, über Vergünstigungen und Geschenke, die er bekommen haben soll, wurde im Akkord berichtet. Eine Schlagzeile lautete: „VW gab Wulff Rabatt beim Skoda-Leasing.“ Auch Journalisten gewährt Volkswagen Rabatte: 15 Prozent auf das Grundmodell und 30 Prozent auf die Sonderausstattung. Davon schrieben die meisten Journalisten nichts.

Die Beziehung zwischen Journalismus und PR ist wieder ein Thema. Der Grund ist nicht nur Wulff, sondern vor allem die Deutsche Bahn. Jüngst hat das Unternehmen angekündigt, den Journalistenrabatt für die Bahncard abzuschaffen. Von Mitte April an wird die Ermäßigung von 50 Prozent nicht mehr gewährt. Solch ein Rabatt sei nicht mehr „zeitgemäß“, schrieb das Unternehmen. Die Organisation Transparency International, die gegen Korruption kämpft, hat die Entscheidung der Bahn gelobt und ein Ende der Journalistenrabatte verlangt. Jürgen Marten, Vorstandsmitglied von Transparency, sagte, dass Journalistenrabatte „anachronistisch“ seien. „Unternehmen sollten nicht auf bessere Berichterstattung schielen, indem sie Journalisten potenziellen Interessenkonflikten aussetzen.“

Wie viele Journalisten im Besitz einer Bahncard sind, möchte die Deutsche Bahn nicht sagen. Zahlen „besonderer Kundengruppen“, zu denen Journalisten zählen, würden nicht veröffentlicht, heißt es. Mehrere Tausend seien es, konkreter wird die Bahn nicht. Dazu kommen die Partnerkarten, ebenfalls im vierstelligen Bereich, denn die (Ehe-) Partner von Journalisten durften auch vergünstigt fahren.

Journalistenrabatte gibt es in nahezu allen Bereichen: Flüge, Autos, Computer, Handytarife, Flatscreens, Waschmaschinen und vieles mehr. Welche Vergünstigungen am beliebtesten sind, zeigt das Ranking „Die Top-100-Journalistenrabatte des Jahres 2011“. Die Deutsche Bahn ist auch dabei, auf Platz drei. Unter den erstplatzierten Pressekonditionen sind außerdem Air Berlin, die Deutsche Telekom, Condor sowie Tuifly. Auf Anfrage erklärten Sprecher von Air Berlin, der Deutschen Telekom und von Tuifly, dass man derzeit nicht darüber nachdenke, Journalistenrabatte abzuschaffen. Condor hingegen „beobachtet die Diskussion aufmerksam“. Eine Entscheidung über die Einstellung sei jedoch bislang nicht gefällt. Zur Begründung, weshalb solche Rabatte überhaupt angeboten werden und was sich ein Unternehmen davon verspricht, sagte ein Sprecher von der Deutschen Telekom: „Rabatte sind in zahlreichen Branchen fester Bestandteil von Programmen zur Kundengewinnung und Kundenbindung“, auch andere Kunden bekämen Rabatte. Von Tuifly heißt es, „Journalistenrabatte sind für Unternehmen natürlich ein probates Mittel, um wichtige Meinungsmultiplikatoren von den Vorzügen der eigenen Produkte zu überzeugen.“ Dass das überhaupt möglich ist, liegt an dem 2001 gefallenen Rabattgesetz. Seit der Liberalisierung können Kunden und Händler in Deutschland in fast allen Bereichen Rabatte aushandeln.

Peter Diesler war früher Redakteur beim Computermagazin „Chip“, seit 1997 betreibt er die Internetseite journalismus.com. Wo Journalismus draufsteht, steckt jedoch keiner drin. Anfangs habe er versucht, sich als Journalist zu vermarkten, sagt Diesler. So wirklich erfolgreich war er damit nicht. „Radikal gut“ lief hingegen die Sache mit den Presserabatten. Genaue Klickzahlen möchte Diesler nicht nennen, nur so viel: „Wenn geklickt wird, dann im Bereich Presserabatte.“

Aktuell beziehen rund 25 000 User den Rabatt-Newsletter, bei etwa 50 000 Journalisten in Deutschland ist das jeder zweite. An ein Ende der Presserabatte glaubt Diesler nicht. Regelmäßig bieten Unternehmen ihre neuesten Presserabatte an und auch Kollegen schreiben ihm, wenn sie irgendwo einen neuen Rabatt entdeckt haben. Diesler sieht darin nichts Verwerfliches. Zwar bedauert er es, dass auf seiner Internetseite ausgerechnet Presserabatte so gut laufen, aber „wir spiegeln das ab, was es gibt“. Nämlich 1700 Presserabatte und nochmal 8000 Rabatthinweise. „Die Rabatte werden nicht verschwinden, nur der Weg wird vielleicht ein anderer, an sie zu gelangen“, sagte Diesler.

Klaus-Dieter Altmeppen, Journalistikprofessor an der Universität Eichstätt-Ingolstadt, glaubt nicht, dass andere Unternehmen der Deutschen Bahn folgen werden. Er sagt: „Solange die PR eines Unternehmens tatsächlichen oder vermeintlichen Einfluss in Rabatten sieht, wird sie ihre Unternehmensleitungen nicht zum Rabattboykott aufrufen.“ Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sieht den einzelnen Journalisten in der Verantwortung, jeder müsse selbst entscheiden, ob er einen Rabatt annimmt oder nicht. Eine klare Position gegen Rabatte gibt es nicht, schließlich handelt die DJV-Verlag & Service-GmbH selbst solche Vergünstigungen aus.

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