Geburtstag von Harald Schmidt : Rampensau auch mit 60

Da muss doch nur der richtige Sender anrufen: Harald Schmidt wird am Freitag 60 Jahre. Das Fernsehen hat er aber hinter sich.

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Mit Smartphone: Harald Schmidt
Mit Smartphone: Harald SchmidtFoto: dpa

Normalerweise sind 60 Jahre kein Alter, über dass es sich in der Medienbranche besonders zu schreiben lohnt. In Sachen Harald Schmidt sieht das ein bisschen anders aus. Zwar scheint die Medienwelt längst nicht mehr für den Menschen gemacht, der seine größte Fernsehzeit in den 1990ern hatte, aber so richtig gegen Harald Schmidt ist das Fernsehen ja auch nicht. So wundert man sich, wenn man den Entertainer, Schauspieler, Moderator und Kabarettisten in diesen Tagen auf dem Flughafen sieht, wo er sich im Gehen filmt und ins Smartphone spricht.

Schmidt, der im vergangenen Jahr sagte, er besäße gar kein Smartphone, ist im digitalen Zeitalter angekommen: als Kolumnist für die digitale Abendzeitung „Spiegel Daily“. Seit Mitte Mai produziert er mehrfach wöchentlich ein kurzes Handy-Video. „Eine sensationelle Form für mich: keine Redaktion, kein Team, Handy, zack, ab nach Hamburg“, sagte Schmidt dem Magazin „Profil“.

Das klingt selbstbewusst, aber irgendwie auch ein bisschen traurig. Wirklich interessiert scheinen die wenigsten an dem, was Schmidt jeden Tag online von sich gibt. Darüber geredet wird jedenfalls kaum. Der Spiegel-Verlag ist zugeknüpft, was die Preisgabe von Schmidt-Abfrage-Zahlen betrifft. Was meist ein schlechtes Zeichen ist. Es ist jammerschade, dass einer der größten Unterhaltungskünstler hierzulande, der mit seiner Late-Night-Show das deutsche Fernsehen in den vergangenen 30, 40 Jahren geprägt hatte, sich im Online-Nirwana zu versenden droht.

Ja, er wolle kein Fernsehen mehr machen, das habe er hinter sich, sagt Schmidt immer. Er hat ja auch seine Rolle im SWR-„Tatort“ wieder abgesagt, dreht lieber Herzkino oder „Traumschiff“. Jede Wette: Wenn der richtige Sender anruft, es wieder an die Themen des Tages ginge, denen der Narren-Spiegel vorzuhalten ist, dann wäre Rampensau Schmidt dabei, ähnlich wie David Letterman. In dem Sinne, herzlichen Glückwunsch, Dirty Harry!

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