• Gedenk-TV und wenig Publikum: Wenig Zuschauerinteresse an Auschwitz-Gedenken in ARD und ZDF
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Gedenk-TV und wenig Publikum : Wenig Zuschauerinteresse an Auschwitz-Gedenken in ARD und ZDF

Die TV-Anstrengung zum 70. Jahrestag der KZ-Befreiung von Auschwitz findet nicht die große Aufmerksamkeit - aber ein "Tagesthemen"-Kommentar stößt auf große Zustimmung

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Das KZ Auschwitz, 70 Jahre nach der Befreiung.
Das KZ Auschwitz, 70 Jahre nach der Befreiung.Foto: dpa

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen steht oft in der Kritik. Kritik, die sich daran entzündet, dass zu viel Unterhaltung und zu wenig Information geboten wird. Gerade zur besten Sendezeit. Die Kritik mündet in den Vorwurf, ARD und ZDF würden den öffentlich-rechtlichen Kernauftrag vergessen. Zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz waren erstes und zweites Programm voll mit entsprechender, ansprechender und notwendiger Berichterstattung. Allein, das Publikum ist dieser Anstrengung in nur geringem, für die Sender enttäuschendem Maße gefolgt.

Eine Aufstellung von epd zeigt, dass die Live-Übertragung der Feierstunde im Bundestag am Dienstag von 9 Uhr an im ZDF 270.000 Zuschauer verfolgten - das entspricht einem Marktanteil von 5,7 Prozent. Die
Zusammenfassung der Veranstaltungen zum Auschwitz-Gedenken im Ersten sahen um 22 Uhr 45 am Dienstagabend 1,4 Millionen Zuschauer (6,6 Prozent Marktanteil).

Die ARD beschäftigte sich von Sonntag bis Dienstag in mehreren Programmschwerpunkten mit dem Holocaust und den Vernichtungslagern. Am Sonntagabend waren bei „Günther Jauch“ zwei Frauen zu Gast, die den Holocaust überlebt haben. Diese Sendung verfolgten 3,49 Millionen Zuschauer (20,1 Prozent), ein magerer Wert für die zuschauerträchtigste Talkshow im deutschen Fernsehen.

Am Montagabend zeigte das Erste ab 23 Uhr drei Dokumentationen über Auschwitz und den Holocaust. Den Film „Ich fahre nach Auschwitz“ verfolgten 1,04 Millionen (Marktanteil 5,8 Prozent). Für die anschließende Dokumentation „Night Will Fall“, die erschütternde Bilder zeigte, die britische, amerikanische und russische Kamerateams 1945 in den befreiten KZs gedreht hatten, interessierten sich 760.000 Zuschauer (Marktanteil 7,3 Prozent). Die anschließende Dokumentation „7 Tage...in Auschwitz“ fand noch bei 380. 000 Zuschauern Interesse (Marktanteil 6,1 Prozent). Das ZDF zeigte am Dienstagabend um 22 Uhr 15 die Dokumentation „Mit dem Mut der Verzweiflung“ über die Mutter des Fernsehmoderators Hugo Egon Balder, die die Lagerhaft in Theresienstadt überlebte. Dafür interessierten sich 1,75 Millionen Zuschauer (Marktanteil 7,9 Prozent).

ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte am Mittwoch: "Mit unserem Programm haben wir an diesem wichtigen Tag ein Zeichen für die Bedeutung des kollektiven Erinnerns gesetzt." Die Frage nach der Quote trete in
den Hintergrund, erreicht habe man gleichwohl ein Millionenpublikum mit einer wichtigen Botschaft.

"Tagesthemen"-Kommentar stößt auf Zustimmung

Aber nur grämen müssen sich die Sender eben auch nicht. Wie epd berichtet, ist NDR-Moderatorin Anja Reschke mit einem starken Kommentar zur Erinnerung an den Holocaust ist die NDR-Moderatorin Anja Reschke auf große Zustimmung in den sozialen Medien gestoßen. Reschke sagte während der „Tagesthemen“ am Dienstagabend, es gebe in der Geschichte keinen Schlussstrich. „Klar, lieber erinnern wir uns an Karl den Großen, Bismarck oder die Wiedervereinigung - aber Auschwitz ist nun mal passiert“, sagte sie. „Wieso sollten wir ausgerechnet das Kapitel der Judenverfolgung hinter uns lassen? Dieser Teil unserer Geschichte ist in seiner Abartigkeit so einzigartig, dass er gar nicht vergessen werden kann.“ Reschke sagte, sie habe am Abend zuvor die Dokumentation „Night Will Fall“ über die Befreiung von Auschwitz gesehen. Sie habe sich angesichts der Bilder geschämt, weil der Holocaust zu ihrer Identität als Deutsche gehöre, ob sie wolle oder nicht. „Nach diesem Film konnte ich nicht schlafen, also habe ich umgeschaltet. Und was sehe ich? Pegida-Demonstranten in Dresden,
die sich aufregen über die vielen Ausländer in Deutschland. Ganz ehrlich: Da ist mir dann wirklich schlecht geworden.“

Reschkes Kommentar wurde auf der Facebook-Seite der ARD bis zum Mittwochnachmittag mehr als 1,3 Millionen Mal aufgerufen. Fast 38 000 Facebook-Mitglieder gaben dem Beitrag ein „Like“. Auf der
Facebook-Seite der „Tagesschau“ wurden im gleichen Zeitraum fast 600 000 Aufrufe und gut 16 000 „Likes“ registriert. (mit epd)

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