Medien : Genauigkeit und Genuss

Der Medienökonomie-Professor Axel Zerdick ist gestorben

Klaus Goldhammer

Der Tod kam genauso, wie er es immer gewünscht hatte: Rasch, auf dem Flughafen. Er stand sozusagen mitten im Leben.

Axel Zerdick war ein ebenso herausragender wie begeisterter und fröhlicher Wissenschaftler. Er betreute, so hört man, mehr Studenten mit Magisterarbeiten und Dissertationen als wohl die meisten anderen und hat vielen jüngeren Forschern selbstlos zu wissenschaftlichen Karrieren verholfen. Zerdick publizierte eine Vielzahl von Büchern, darunter auch eine Reihe von Werken, die, wie die „Internet-Ökonomie“, als Standardwerke in seinem Fach gelten dürfen. Lieber als das Publizieren aber war ihm der direkte Austausch bei Vorträgen. Denn er war einer der wenigen Menschen, die sehr unterhaltsam gegen den Strich denken konnten: Er war in der Lage, ganzen Kongresssälen mit seinen lakonischen und pointierten Hinweisen die herrschende Meinung auszureden. Dies ging so gut, weil er autark war, im besten Sinne des Wortes. Was zählte, war die Stringenz der Idee, die Logik eines Konzeptes. Es ging nie für Axel Zerdick um Macht oder Ruhm. Diese Unabhängigkeit machte ihn frei, auch unpopuläre Positionen zu besetzen, wenn er sie für richtig befand.

Axel Zerdick rang schon lange um Atem und absolvierte dabei ein Pensum, das die meisten Kerngesunden wohl kaum hätten bewältigen können. Doch neben der Arbeit gab es auch Raum für Genuss: Architektur (wie die von Frank Gehry) war für ihn ebenso ein Punkt der Freude wie gutes Essen, anspruchsvolle Unterhaltungstechnik oder die Automobilbaukunst. Axel Zerdick war weltmännisch, bevor dieser Begriff zum Allgemeinplatz wurde: Sein Studium in Kanada in den 60er Jahren, seine zahlreichen Aufenthalte als Gastprofessor, zum Beispiel an der Uni Berkeley in den USA ebenso wie seine Leidenschaft für Japan. Axel Zerdick hat so nebenbei auch viel für das Bild der deutschen Wissenschaft im Ausland getan. Zerdick war dabei eine außergewöhnliche Erscheinung, sehr groß, sehr breit, zuletzt immer mit einem Borsalino-Hut und lebensfrohem Lächeln.

Axel Zerdick wurde nur 61 Jahre alt. Nicht nur die Medienwelt ist um einen außergewöhnlichen Menschen und viele neue Gedanken der fröhlich-kritischen Art ärmer geworden.

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