Gender-TV : Ist Fragen nicht weiblich? Frauen machen zu 100 Prozent ZDF-Morgenmagazin

Ausschließlich Frauen produzierten das ZDF-Frühstücksfernsehen am Montag. Das ging gut - bis auf die Gespräche im Studio.

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Die weibliche Belegschaft der Moma-Ausgabe vom 13. Mai.
Die weibliche Belegschaft der Moma-Ausgabe vom 13. Mai.Foto: ZDF

Dunja Hayali merkte während der Sendung kurz an, dass hier kein „80er-Jahre-Fernsehen“ gemacht werde. Musste wohl sein, denn das „ZDF-Morgenmagazin“ am 13. Mai wurde vor und hinter der Kameras ausschließlich von Frauen moderiert und produziert. „100 Frauenquote – das ZDF macht’s vor“, wo sonst mehr als 50 Prozent Männer in der Redaktion arbeiten, bei der Technik sind es weit mehr.
Ein Morgenmagazin dauert von 5 Uhr 30 bis neun Uhr, das sind 210 Minuten Schlag-auf-Schlag-Fernsehen. Die Abläufe sind enorm kleinteilig, sehr vernetzt, Pannen, Fehler notwendigerweise inklusive. Am Montag kamen Einspielfilme nicht, wenn sie kommen sollten, dafür liefen Inserts, wenn sie nicht sollten. Lässliche Kleinigkeiten, Frühstücksfernsehen ist Live-Fernsehen. „Wir wollen zeigen, dass wir es alleine schaffen“, hatte Hayali gesagt. Sie haben gezeigt, dass sie es schaffen können.


Natürlich war das „ZDF-Morgenmagazin“ besonders facettiert, gewichtet. Frauen zeigten per Filmbeitrag mit Wir-Ton, dass sie renovieren können – das war schon in den 80ern so. Beim Sport war die Meisterschaft im Frauenfußball die Spitzenmeldung. Ging es um die Wahlen in Pakistan, dann ging es um Frauen, die wählen gehen. Die eigentliche Nachricht, demokratische Ablösung der Regierung, wurde nicht planiert, nur der Blickwinkel war ein anderer. Aus dem andauernden Perspektivenwechsel erwuchs hier kein schräger Ansatz. Auch bei den „heute“-Nachrichten aus Mainz, präsentiert von Christine von Ungern-Sternberg mit der sehr betonten Ansage „Liebe Zuschauerinnen und liebe Zuschauer“, regierte die News als News. Das Wetter, autonom wie es ist, lässt sich von keiner Gender-Sicht dirigieren. 100 Prozent weibliches Wetter ist nicht machbar, Katja Horneffer bewegte sich zwischen Hochs und Tiefs, wie sich Hochs und Tiefs bewegen. Das wäre in den dogmatischen 80ern anders gewesen.
Keine Zuschauerin, kein Zuschauer schaut sich ein Morgenmagazin über die volle Länge an. Eine halbe Stunde, vielleicht ein bisschen mehr, das ist bei der Mehrheit des Publikums die Regel. Die Sendung ist entsprechend in Schleifenform gebaut, selbst der Kurz-oder-nebenbei-Gucker soll irgendwie besser informiert in den Tag kommen.
Das Frauen-Moma hatte die Gesprächspartnerinnen, darunter natürlich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, zugleich das Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt, geschickt über die Strecke verteilt. Die Profis wussten, was sie auf die gar nicht überraschenden Fragen zu sagen hatten. Aber spätestens, als die Leichtathletin Ariane Friedrich zum zweiten Mal einvernommen wurde, musste das aufmerksame Publikum aufstöhnen. Weder Anja Heyde noch die Sportmoderatorin Jessy Wellmer konnten unfallfrei fragen. Sie stolperten durch die Satzkonstruktionen, dass es nur so eine Unart war. Das "Moma goes Maom" hörte in der Couch-Gruppe nicht auf. Wenn beim Moma das Gegenteil vom Sprechautomaten als Qualifikation gefragt ist, dann ist die ZDF-Sendung ganz vorne dran.
„100 Prozent Frauenquote – das ZDF macht’s vor“. Der Schlachtruf aus dem Hauptstadtstudio des Mainzer Senders kann in neuer Versform wieder ertönen: Ein Morgenmagazin nur von Ossis, nur von Schwulen und Lesben, nur von Brillenträgern? Alles gekauft, aber Fernsehen, das sich professionell gibt, das muss insbesondere in seinen Studio-Momenten professionell sein. Das Frauen-Moma war am Montag so, wie das deutsche Frühstücksfernsehen mit seinem moderierenden Personal auftritt: Ein Auf und Ab vom Durchschnitt zum Ausrutscher und wieder zurück, sauciert mit einer guten Laune, die sich von nichts, aber auch gar nichts irritieren lässt.
Es war allerhöchste Zeit, dass Olli Dittrich und Cordula Stratmann in ihrem neuen Parodieformat das Weck-TV durch die Kläranlage jagen. Denn das steht nach dem „ZDF-Morgenmagazin“ am 13. Mai fest: Ob Frauen, ob Männer, am Morgen kann es auf dem Bildschirm leicht bis heftig grauen.

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