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Geschlagen und getreten : Pegida-Demonstranten greifen Journalisten an

Faustschlag und Tritt: Pegida-Anhänger haben am Montag in Dresden zwei Journalisten attackiert. Wie der MDR-Reporter den Angriff erlebte.

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Mehr Zulauf: Bis zu 7500 Pegida-Demonstranten versammelten sich in Dresden. Dabei wurde zwei Journalisten angegriffen.
Mehr Zulauf: Bis zu 7500 Pegida-Demonstranten versammelten sich in Dresden. Dabei wurde zwei Journalisten angegriffen.Foto: dpa

Die Pegida-Bewegung hat wieder mehr Zulauf und schreckt nach den „Lügenpresse“-Vorwürfen auch nicht vor Gewalt gegen Medienvertreter zurück. Am Rande der Pegida-Demonstration am Montag in Dresden mit bis zu 7500 Teilnehmern auf dem Theaterplatz vor der Semperoper wurden zwei Journalisten geschlagen und getreten. Ein Fotograf der „Dresdner Neuesten Nachrichten“ wurde dabei ins Gesicht geschlagen, ein Reporter vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) wurde im Verlauf getreten. Die Angriffe auf die Journalisten fanden direkt vor dem Landtag von Sachsen statt.

Journalisten-Verband kritisiert Polizei

Der Deutsche Journalisten-Verband DJV kritisierte, dass sich der Vorfall genau an der Stelle ereignen konnte, wo die Polizei mit dem größten Angebot vertreten war. „Das stellt sich die Frage, warum die Beamten ausgerechnet dort zu spät kommen“, sagte ein Verbandssprecher.

Nach einem Bericht auf der Webseite des MDR eilten den angegriffenen Journalisten etwa zehn Polizisten zur Hilfe, allerdings erst, nachdem die Reporter um Hilfe gerufen hatten. Die Täter konnten nicht ergriffen werden, weil sie nach Angabe der Polizei inzwischen in der Masse des Demonstrationszuges verschwunden waren. Die Reporter kündigten an, Anzeige erstatten zu wollen.

Vom Reporter des MDR gibt es eine Schilderung des Vorgangs, die auf der Webseite des Sender nachzulesen ist. Demnach befand er sich mit zwei Kollegen vor dem Landtag, als der Demonstrationszug vorbeizog. Die Reporter waren mit ihrer Technik beschäftigt und machten zu diesem Zeitpunkt keine Fotos. Zunächst näherte sich ein Demonstrant der Gruppe und stellte Fragen, die die Fotografen allerdings ignorierten. Daraufhin begann der Mann, einen der Journalisten zu schubsen. Weitere Demonstranten kamen hinzu und die Situation eskalierte: der Zeitungsjournalist wurde geschlagen, der MDR-Reporter getreten.

Bei der Kundgebung hatten Pegida-Chef Lutz Bachmann und der Schweizer Rechtspopulist Ignaz Bearth Stimmung gegen Journalisten sowie Ausländer und Politiker gemacht. Flüchtlinge seien von Pegida inzwischen auf T-Shirts als „Asyltouristen“ verhöhnt worden, berichten die „Dresdner Neuesten Nachrichten“. Das Bündnis verzeichnete kurz vor dem ersten Jahrestag seiner Gründung Mitte Oktober am Montagabend erneut Zulauf. Nach Angaben der Studenten-Initiative „Durchgezählt“ beteiligten sich bis zu 7500 Menschen an der Demonstration. Reporter der Deutschen Presse-Agentur schätzten sogar bis zu 10 000 Pegida-Anhänger. Polizei und Stadt geben seit Monaten keine Zahlen mehr bekannt. Im Anschluss an die Demonstration kam es zu einem weiteren Angriff. Nach MDR-Informationen ging am Postplatz eine Gruppe Rechtsextremer grundlos auf Flüchtlinge los. Ein Reporter rief daraufhin die Polizei, die die Angreifer zurückdrängte.

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