Gesplitterte Displays, schlappe Akkus : Operation am offenen Smartphone

Der Austausch von Displays und Akkus geht ins Geld – es muss jedoch nicht immer die autorisierte Fachwerkstatt sein. Worauf man beim Smartphone-Doktor achten sollte.

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Über 210 Euro beim iPhone 4S von Apple, sogar 250 Euro beim Samsung Galaxy S5 – so viel kostet der Austausch eines gesplitterten Displays. Bei freien Werkstätten zahlt man mitunter weniger als die Hälfte, allerdings lauern dort einige Risiken. Foto: pa/dpa
Über 210 Euro beim iPhone 4S von Apple, sogar 250 Euro beim Samsung Galaxy S5 – so viel kostet der Austausch eines gesplitterten...Foto: picture alliance / dpa-tmn

Da hilft auch kein Gorilla-Glas: Fällt das Smartphone mit einer Kante auf den harten Boden, ziert künftig ein Spinnennetz das zersprungene Display. Bei Apple ist vor allem die Reparatur beim iPhone 4 und 4S mit 160 beziehungsweise 210 Euro besonders teuer. Für Samsung-Smartphones ist der Austausch eines Displays durch einen autorisierten Händler nicht billiger: Beim Galaxy S4 und S5 werden sogar rund 250 Euro fällig, wenn man sie über eine von Samsung autorisierte Werkstatt reparieren lässt, hat die Fachzeitschrift „c’t“ ermittelt. Doch so teuer muss es nicht sein.

In dem Magazinbeitrag wird beschrieben, wie versierte Bastler gesplitterte Displays selbst austauschen oder andere Defekte in Eigenregie beheben können. Auch wenn es dazu inzwischen zahlreiche Bausätze im Internet zu kaufen gibt und auch die Suche nach Erklärvideos auf Youtube oder bei ifixit.com nicht weiter kompliziert ist, kommt die Do-it-yourself-Operation am offenen Smartphone wohl nur für einen kleinen Kreis von Verbrauchern infrage. Freie Werkstätten, wie es sie in jedem Berliner Bezirk gibt, oder Handy-Kliniken, die ihre Dienste über das Internet anbieten, können hingegen eine sinnvolle Alternative zur autorisierten Vertragswerkstatt oder zum Herstellerservice sein. Jedenfalls unter bestimmten Bedingungen, auf die wir in diesem Beitrag eingehen.

Welchen Weg man einschlägt, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: dem Alter des Smartphones und unter welchen Umständen der Schaden entstand. Die Verbraucher haben in der Europäischen Union einen zweijährigen Gewährleistungsanspruch. In dieser Zeit muss der Händler die ordnungsgemäße Funktion eines Produktes gewährleisten. In den ersten sechs Monaten muss der Händler zudem handfeste Gründe anführen, um zu beweisen, dass die Gewährleistung nicht greift. Unabhängig davon gibt es die Herstellergarantie, die länger, aber auch kürzer ausfallen kann. Für die iPhones von Apple gilt zum Beispiel eine auf ein Jahr beschränkte Garantie.

Während Garantie und Gewährleistung immer zur autorisierten Werkstatt

Während der Garantie- und Gewährleistungszeit sollten sämtliche Schäden über den Händler oder einen autorisierten Support-Partner des Herstellers repariert werden. Wichtig ist dies für den weiteren Garantieanspruch. Denn nach einer Reparatur durch eine freie Werkstatt oder einen Handy-Doktor werden Händler oder Hersteller bei einem weiteren Schaden die Gewährleistung oder Garantie ablehnen. Dies gilt auch nach einer Reparatur eines eindeutig selbst verursachten Display-Schadens oder einer Komplettwässerung des Smartphones, selbst wenn Händler und Hersteller dafür keine Haftung übernehmen. Allerdings gibt es eine Ausnahme, warum selbst während der Garantiezeit oder der Gewährleistung auch gleich eine freie Werkstatt aufgesucht werden kann: Wurde das Smartphone per Jailbreak entsperrt, um beispielsweise eine aktuellere Variante des Smartphone-Betriebssystems zu installieren oder um Apps aus anderen als den offiziellen Quellen zu nutzen, erlischt zumeist der Garantieanspruch. Und Händler, die defekte Smartphones zur Reparatur an den Hersteller schicken, verweisen dann ebenfalls oft darauf, dass durch die Entsperrung die Gewährleistung erlischt. Der Verbraucher muss dann die vollen Reparaturkosten übernehmen. Selbst wenn er dann auf die Reparatur verzichtet, kann ihm die Bearbeitung des Vorfalls in Rechnung gestellt werden. Sind Garantie und Gewährleistung jedoch abgelaufen, kann unabhängig davon über Alternativen zur autorisierten Werkstatt nachgedacht werden. Denn freie Werkstätten erledigen zum Beispiel den Display-Tausch beim iPhone 4S für 89 statt 210 Euro.

Eine Garantie, dass bei der Reparatur Originalteile verbaut werden, gibt es außerhalb der autorisierten Werkstätten allerdings nicht. „Von Apple gibt es definitiv keine Originalteile auf dem freien Markt, bei anderen Herstellern schon eher“, sagt „c’t“-Autor Christian Wölbert. Oftmals handelt es sich bei den sogenannten Original-Austauschdisplays um reparierte Bildschirme. Bei einem durch Sturz beschädigten Display wird dabei nur die Glasscheibe ausgetauscht. Kleberückstände können dabei zu störenden grauen Balken auf dem reparierten LCD-Display führen. In Fernost werden zudem massenhaft Nachbauten von Originalkomponenten produziert. Die von der „c’t“ getesteten Akkus und Displays hätten zwar funktioniert, aber nicht immer in Originalqualität, sagte Wölbert dem Tagesspiegel. Die Akkus bauen schneller ab als die Original-Stromspeicher, und die Nachbau-Displays sind mitunter weniger hell, die Farben nicht so brillant. Immerhin gingen von den getesteten Komponenten keine Gefahren aus.

Woran erkennt man seriöse Werkstätten?

Auf der Apple-Webseite kann man sich die autorisierten Apple-Händler und Servicepartner zu den jeweiligen Produkten passend zum Wohnort anzeigen lassen. Das gilt auch für Samsung. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren zudem in Deutschland sieben Samsung Customer Service Plazas aufgebaut, zwei befinden sich in Berlin. Sollte man sich für die Reparatur in einer freien Werkstatt entscheiden, steht die Frage nach der Herkunft der Ersatzteile ganz weit oben. Reparaturbetriebe mit mehreren Filialen, die mit Zertifikaten von Kammern oder Verbänden sowie mit Qualifikationen ihres Personals werben können, sind dabei vertrauenswürdiger als Bastelwerkstätten – in denen das Chaos herrscht –, die das Risiko auf den Kunden abwälzen wollen. Der Betreiber einer von der „c’t“ überprüften Werkstatt „repariert“ Smartphones mit einer äußerst obskuren Methode. Dabei werden Smartphones durch Stromschläge „geschockt“. Geschockt sollten davon jedoch eher die Kunden sein.

Wie bei allen Reparaturbetrieben sollten Preislimits gesetzt werden, damit höhere Kosten nur nach Absprache mit dem Kunden in Rechnung gestellt werden können. Bei bundesweit agierenden Anbietern im Internet können Qualitätssiegel wie „Trusted Shops“ sicherstellen, dass bei der Geschäftsabwicklung und der Bezahlung keine Fallen lauern.

Bevor man sein Smartphone zur Reparatur gibt, sollten unbedingt die darauf gespeicherten Daten gesichert werden. Bei Apples iPhone wird dazu ein frisches Back-up entweder über iTunes oder die iCloud angefertigt, bei Android-Smartphones hängt die Art der Datensicherung vom Hersteller ab. Bei Samsung-Smartphones lassen sich die Daten zum Beispiel umfassend mit der Kies-Software sichern.

Einige Reparaturen können versierte Bastler auch selbst ausführen

Dies entfällt, wenn man sich dafür entscheidet, eine verhältnismäßig einfache Reparatur wie den Akkutausch selbst auszuführen. Sets mitsamt Werkzeug sind deutlich billiger als der autorisierte Servicepartner – Apple verlangt dafür pauschal 75 Euro. Gefragt seien dafür vor allem Geduld, eine ruhige Hand und ein gutes Ordnungsprinzip für demontierte Schrauben, Elektronikkenntnisse seien hingegen nicht erforderlich, sagte Wölbert. Allerdings besteht immer die Gefahr eines Totalausfalls. Ob man die für eine Preisersparnis von 30 oder 40 Euro eingehen will, muss jeder selbst entscheiden. Zumal es gehörige Unterschiede gibt, wie einfach die Smartphone-Reparatur ist. Besonders kompliziert wird es demnach beim iPhone-Konkurrenten HTC One. Dagegen ist der Austausch des Displays beim Samsung Galaxy S3, das dafür komplett zerlegt werden muss, vor allem eine Fleißaufgabe.

Die Preise für Smartphone-Reparaturen beginnen infolge des zunehmenden Wettbewerbs inzwischen auch bei den offiziellen Werkstätten zu bröckeln. Der Display-Austausch bei den iPhones 5 und 5S kostet bei Apple nur noch 140 Euro. Mutwillig wird man sein iPhone zwar auch bei diesem Preis nicht auf den Boden werfen, aber die Wahl zwischen Hersteller-Service und Handy-Doktor kann anders ausfallen.

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