Götz von Berlichingen : Mad Götz

Hatte Götz von Berlichingen eine Affäre? RTL macht aus dem berühmten Ritter-Drama ein Kunstblut- und Busenspektakel.

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Götz von Berlichingen (Henning Baum) gelingt es, die skrupellose Fürstin Adelheid von Walldorf (Natalia Wörner) zu entführen.
Götz von Berlichingen (Henning Baum) gelingt es, die skrupellose Fürstin Adelheid von Walldorf (Natalia Wörner) zu entführen.Foto: RTL

Götz von Berlichingen, 1480 bis 1562, der „Ritter mit der eisernen Hand“, dürfte hierzulande der bekannteste Mensch mit Behinderung sein. Die historische Figur, die bei der Belagerung Landshuts durch einen Schuss aus einer Feldschlange die rechte Hand verlor und sich später eine eiserne Hand anfertigen ließ, inspirierte Ende des 18. Jahrhunderts Johann Wolfgang von Goethe zu seinem berühmten Theaterstück. Nun, 200 Jahre später, zieht der Kölner Privatsender RTL mit einem Filmevent nach, das im besten Falle ein bisschen Geschichtsunterricht und Zitateforschung – welcher RTL-Zuschauer weiß schon, woher das mit dem „Leck mich am A.....“ kommt? – liefert, zumeist aber doch wie eine Mischung aus „Mad Max“ und „Die Wanderhure“ aussieht.

Ballern, saufen, vögeln, hauen. So lässt sich das Ergebnis der Bemühungen von RTL und UfaFiction zusammenfassen, eine Handvoll deutscher Stars im tschechischen Wald aufeinander loszulassen. Ritter oder Burgfräulein möchte man auch nach diesem Film nicht unbedingt sein. Der Faszination vorm Bildschirm folgen vielleicht schon. Mittelalter sells. Das weiß Guido Knopp im ZDF (dem Sender wurde dieser Stoff in gehobener Form auch angeboten), das weiß auch RTL. Und schickt Henning Baum ins 16. Jahrhundert, wo er als Götz von Berlichingen munter durch die Wälder streift, plündert und raubt, bevor der fränkische Reichsritter angesichts einer Intrige um den jungen Reform-Kaiser Karl sein Herz für das Heilige Römische Reich deutscher Nation entdeckt.

Ein echter Kerl, der surft auch im Winter

Henning Baum gibt dem Haudegen Stimme und Gestalt. Ein echter Kerl, der surft auch im Winter. Wüsste man es nicht aus Interviews und Talkshow-Auftritten besser, könnte man meinen, dieser hünenhafte Schauspieler, der bei Sat1 recht erfolgreich den „letzten Bullen“ verkörpert, wolle nie aus diesem Macho-Macho-Image raus. Sagt am liebsten Sätze wie „Ho, ho“ oder eben „...er kann mich am Arsche lecken“, dem Bischof von Bamberg mit Verve vor die Füße geschleudert, als dieser mit seinen kriegerischen Vasallen Berlichingens Burg kampflos übergeben haben möchte.

Was passiert noch um Baum herum? Bei einem Überfall auf eine schwer bewachte Kutsche fallen Raubritter Götz drei Kisten mit französischen Goldmünzen und dem Siegel des Königs in die Hände. Auf seiner Burg wird Götz klar, dass es sich um eine brisante Beute handelt. Adelbert von Weislingen (Johann von Bülow), ein Kindheitsfreund, rät, den Schatz zurückzugeben. In Wahrheit führt er Böses im Schilde. Auf Geheiß seiner Geliebten Adelheid von Walldorf (Natalia Wörner) soll er Götz in eine Falle locken und den Schatz an sich reißen. Dieser verliert bei einem heimtückischen Angriff die rechte Hand. Die Heilerin Saleema (Dennenesch Zoudé) wird herbeigeschafft, um Götz zu helfen. Und weicht, meist sehr spärlich bekleidet, nicht mehr von seiner Seite. Später bekommt der Ritter die eiserne Hand.

Der Rest ist viel blanker Busen

Diese Heilerin hat es weder im Leben des Götz von Berlichingen noch in Goethes Stück (da war er glücklich mit seiner Elisabeth verheiratet) gegeben. Spätestens hier also ist mit der historisch-literarischen Aufarbeitung Schluss. Der Rest ist viel blanker Busen und jede Menge Kunstblut, Gelage und Orgien. RTL will über zwei Stunden bei Laune halten. Für Regisseur Carlo Rola eine Pflichtübung. Immerhin, Drehbuchautor Christian Schnalke hat die Balance zwischen altmodischem Sprachgebrauch und heutigem Jargon ganz gut hinbekommen.

Was lernen wir aus diesem „Götz von Berlichingen“? Henning Baum hat seine Rolle so beschrieben: „Er ist ein Vorbild in seiner Kraft, sich aufzulehnen gegen Bedingungen, die ihm nicht passen. Ich glaube schon, dass dieser Charakter auch richtungweisend für junge Menschen sein kann. Ich hätte als junger Mensch auch so sein wollen wie der junge Götz. Der hatte überall seine Händel, der hätte tausendmal abgestochen werden können, und dann ist der Kerl über 80 Jahre alt geworden. Unglaublich, ein Wahnsinnstyp!“ Ein Wahnsinnsfilm.

„Götz von Berlichingen“, Donnerstag, RTL, 20 Uhr 15

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