Google-Alternative Qwant.com : Die Internetsuche wird bunter

Anders Suchen: die europäische Suchmaschine Qwant.com setzt auf mehr Privatsphäre und will auf das Speichern von Nutzerdaten verzichten. Noch erinnern die Ergebnisse aber stark an Bing von Microsoft.

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Die Suchmaschine Qwant kommt aus Frankreich. Am Dienstag startete sie nun auch offiziell in Deutschland.
Die Suchmaschine Qwant kommt aus Frankreich. Am Dienstag startete sie nun auch offiziell in Deutschland.Foto: Tsp

Die Internetsuche wird bunter, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Die europäische Suchmaschine Qwant.com präsentiert sich zum einen als Alternative zum US-Suchmaschinengiganten Google und will einen neuen Blick auf das Web bieten. Dazu gibt Qwant als Ergebnis der Suche neben den Fundstellen im World Wide Web auch Nachrichten, Faktenwissen, Social-Media-Aktivitäten und Shopping-Tipps aus. Bunter ist neben dem Logo der Suchmaschine aber auch die gesamte Ergebnisseite, da Qwant zu den Ergebnissen auch noch Fotos und Videos in der Standardansicht anzeigt.

Die neue Suchmaschine hat ihren Ursprung in Frankreich. Dort startete das kleine Unternehmen mit den inzwischen 25 Mitarbeitern um die Gründer Jean Manuel Rozan und Eric Leandri am 4. Juli des vergangenen Jahres mit seiner Google-Alternative. Am Dienstag fand nun in Berlin der offizielle Deutschlandstart von Qwant.com statt. Zur Zeit kann bei der Internetsuche zwischen 15 verschiedenen Sprachversionen gewählt werden.

Qwant verzichtet auf dauerhafte Cookies und Nutzertracking

Qwant.com unterscheidet sich von Google vor allen dadurch, dass die Suche nach den Worten ihrer Gründer keinerlei Nutzerdaten speichert. Selbst die Cookie-Datei, die während der Sitzung erstellt wird, werde nach Verlassen der Seite sofort gelöscht, betont der für die Technik zuständige Eric Leandri. Im Gegensatz zu den Konkurrenten werde auf das Tracking des Nutzerverhaltens verzichtet. Anders als Google gebe Qwant.com zudem neutrale Ergebnisse aus. „Wenn zwei Personen das gleiche Suchwort eingeben, erhalten sie auch das gleiche Ergebnis“, erläuterte Rozan in Berlin. Beim Aufbau des Web-Suchindex haben sich die Franzosen von Microsofts Suchmaschine Bing helfen lassen, wie mehrere zufällige Suchanfragen ergeben. Inzwischen werde aber ein eigener Algorithmus verwendet, betonen die Qwant-Gründer.

Anders als bei Google gibt es keine Werbung in den Suchergebnissen

Zur Finanzierung der Suchmaschine haben die Gründer bislang Investitionsmittel in Höhe von 3,5 Millionen Euro eingesammelt, weitere Gelder sollen folgen. Auf den Verkauf von Werbung in den Suchergebnissen will Qwant verzichten. Die Finanzierung soll unter anderem durch die Vermietung der Suchtechnologie an interessierte Firmen erfolgen. Zudem wird die Suchmaschine an den Erlösen beteiligt, die im Shopping-Bereich der Webseite entstehen.

Nach dem offiziellen Start in Frankreich und Deutschland plant Qwant.com in diesem Jahr den Launch in Großbritannien, Brasilien, den USA und anderen europäischen Ländern. In den kommenden zwei Jahren will die Suchmaschine Asien und Afrika ins Visier nehmen. Das B2B-Geschäft, das derzeit noch auf Frankreich beschränkt ist, soll in 2015 und 2016 auf Deutschland, Großbritannien und die USA ausgebaut werden. Ob in Deutschland ein eigenes Vermarktungsbüro eröffnet wird und in welcher Stadt steht noch nicht fest. Kurt Sagatz

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