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Griechenland : Athen empört sich über "Economist"-Titel

Mit seinem aktuellen Titel nimmt das britische Magazin "The Economist" das deutsch-griechische Verhältnis aufs Korn. Die Regierung in Athen findet das gar nicht lustig.

Angie Pohlers
Über dieses "Economist"-Cover kann die griechische Regierung gar nicht lachen.
Über dieses "Economist"-Cover kann die griechische Regierung gar nicht lachen.Foto: Screenshot / Twitter

Mit ausgestrecktem Arm, die Pistole fest in der Hand, zielt die Venus von Milo in die Ferne. Ein Zitat in Anlehnung an den Filmklassiker „Dirty Harry“ steht in fetten weißen Lettern darüber: „Go ahead, Angela, make my day“ („Na los, Angela, versüß’ mir den Tag“). Für diese Darstellung auf dem aktuellen Titelblatt hat das britische Magazin „The Economist“ nun harsche Kritik aus den Reihen der neuen griechischen Regierung bekommen.

Es sei „total widerlich und lächerlich zu suggerieren, wir würden Europa erpressen“, sagte ein Regierungsvertreter während eines Treffens der beiden Finanzminister Yanis Varoufakis und George Osborne am Montag zur Nachrichtenagentur AFP. Auf dem Titel des Magazins ist von „Forderungen“ Griechenlands an Deutschland und an den Euro-Raum die Rede.

Britische Medien gegen Syriza?

Die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras habe nicht damit gerechnet, dass „The Economist“ für seine „negative Botschaft ein antikes griechisches Denkmal missbrauchen“ würde. Britische Medien und insbesondere das Londoner Wirtschaftsblatt würden auf den Sieg der linken Syriza mit Ablehnung reagieren, betonte der Vertreter. Die Redaktion des Magazins war für Nachfragen am Dienstag nicht zu erreichen.

Regierungschef Alexis Tsipras hatte schon im Wahlkampf erklärt, sich für einen Schuldenschnitt einzusetzen und der von der Troika verordneten Sparpolitik ein Ende zu setzen. Mutmaßungen über einen möglichen EU-Ausstieg Griechenlands, sollten Tsipras Forderungen nicht erfüllt werden, wies dieser zuletzt aber deutlich zurück.

Venus mit Stinkefinger

Das Bundespresseamt wollte sich zu dem Titelbild, das sich auf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezieht, nicht äußern. Ein Sprecher der CDU-Zentrale sagte, dass die Partei grundsätzliche keine Titelseiten kommentiert.

Die Venus von Milo wurde nicht zum ersten Mal von Medien als satirisches Motiv eingesetzt. Griechische Anwälte hatten 2011 den „Focus“ verklagt, weil das Magazin die Statue mit gestrecktem Stinkefinger auf das Cover setzte. Dazu schrieb das Blatt: „Betrüger in der Euro-Familie“. Auch griechische Medien selbst waren mit ihren Darstellungen nicht immer zimperlich. So wurde Merkel 2012 auf der Titelseite der Zeitung „Democracy“ in einer Nazi-Uniform abgebildet.

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