Griechenland, Deutschland und die Medien : Ein Krieg, der immer noch tobt

40 Interviews in 30 Tagen: Yanis Varoufakis ist jeden Abend in griechischen Wohnstuben zu Gast. Da wundert man sich auch nicht mehr über einen Stinkefinger.

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40 Interviews in 30 Tagen: Yanis Varoufakis ist jeden Abend in griechischen Wohnstuben zu Gast, manchmal auf mehreren Kanälen gleichzeitig. Das Gastspiel bei „Günther Jauch“ war für die Griechen ein Varoufakis-Auftritt von vielen. Wäre da nicht die Sache mit dem erhobenen Mittelfinger. Bei einer Konferenz in Zagreb soll Varoufakis die obszöne Geste gemacht haben – 2013, lange bevor er Finanzminister wurde.

Das bei Jauch eingespielte Video ist seit Montag auf vielen griechischen Internetportalen zu sehen. Varoufakis sagt: Eine Fälschung, er habe den Finger nie gezeigt. Die Griechen kennen ihren Finanzminister allerdings als einen impulsiven, konfliktfreudigen Mann. Pikant ist der Vorgang aus griechischer Sicht, weil ein solcher „Stinkefinger“ schon zu Beginn der Krise für viel Aufregung sorgte. Am 22. Februar 2010 erschien das deutsche Nachrichtenmagazin „Focus“ mit einem Titelbild, das eine Statue der Aphrodite zeigte. Die griechische Liebesgöttin ballt die Faust und streckt den Mittelfinger aus – eine Geste, die wohl sagen sollte: Europa kann mich mal!

Die Titelschlagzeile des Magazins lautete: „Betrüger in der Euro-Familie“. Die „Fokus-Story“ markierte seinerzeit den Beginn eines deutsch-griechischen Medienkrieges, der immer noch tobt. Während man sich in Deutschland über Varoufakis‘ Mittelfinger erregt, zeichnen sich neue Irritationen im griechisch-deutschen Verhältnis ab. Arbeitsminister Panos Skourletis erhob am Montag in einem Interview des TV-Sender „Skai“ den Vorwurf, es gebe in Europa „Kreise“, die Griechenlands Regierung stürzen wollten, indem sie dem Land den Geldhahn zudrehen. Er dürfte Deutschland gemeint haben. Dann nahm Skourletis den Finanzminister ins Fadenkreuz: Wenn Schäubles Politik zu einer Auslösung der Eurozone führe, dann werde er sich damit in den Geschichtsbüchern verewigen.

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