• Griechenland-Krise: Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf samplen "Bild", "Spiegel", "Faz"

Griechenland-Krise : Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf samplen "Bild", "Spiegel", "Faz"

Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf haben die schlimmsten Schlagzeilen zur Griechenland-Debatte gemixt. Ein geniales Video mit ernster Botschaft.

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"Unseren schönen deutschen Euros": Jan Böhmermann motzt in dem Videoclip auf "Bild"-Niveau über die Griechenland-Debatte.
"Unseren schönen deutschen Euros": Jan Böhmermann motzt in dem Videoclip auf "Bild"-Niveau über die Griechenland-Debatte.Screenshot: Tsp

Seit Wochen ist Griechenlands Schuldenkrise bestimmendes Thema in den Medien. Immer wieder versuchen sich Zeitungen wie die "Bild" dabei in Stimmungsmache. In einem Video üben die beiden Entertainer Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf nun Medienkritik auf außergewöhnliche Art und Weise: In dem knapp drei Minuten langen Clip führen sie ein Gespräch, das nahezu komplett aus den schlimmsten Schlagzeilen und Aussagen besteht - und bei allem Witz am Ende eine ernste Botschaft hat.

Als Szene haben Böhmermann und Heufer-Umlauf zwei Luxus-Hotelzimmer gewählt, in weißen Bademänteln fläzen sie auf dem Bett beziehungsweise Sofa rum, der eine schlägt die "Bild"-Zeitung mit Merkel als "Eiserne Kanzlerin" auf, der andere bestellt noch schnell eine Portion Tatar für sich und seinen Hund. Dann greift Böhmermann zum Hörer, ruft seinen Kumpel "Klaasi" an - und schon sind sie mitten drin der Motzerei über "das ganze Griechenland-Drama" auf schönstem Stammtisch-Niveau.

"Ich finde, wir Deutschen sollten gefragt werden, ob wir weiter zahlen wollen", erregt sich Böhmermann und spielt damit auf die "Bild" an, die Anfang Juli ihre Leser in einem "Referendum" über weitere Hilfen für Griechenland abstimmen ließ. "Die Schummel-Griechen, die machen unseren Euro kaputt", erwidert Heufer-Umlauf und zitiert damit einen "Bild"-Artikel vom März 2010. "Und weißt Du, was das Schlimmste ist: In Wahrheit sind die Griechen doppelt so reich wie die Deutschen", empört sich Böhmermann mit einer "Bild"-Schlagzeile vom Februar 2014, fordert weiter wie die "Bild" im Oktober 2010: "Verkauft doch Eure Inseln, ihr Pleite-Griechen" und fragt sich besorgt: "Russen oder Griechen? Wer ist eigentlich gefährlicher?" ("Bild", 18. 2. 2012)

"Pleite Griechen", "Schummel-Griechen", das ist "Bild"-Tenor

"Pleite Griechen", "Schummel-Griechen", das ist "Bild"-Tenor - doch auch "Spiegel", Stern und "FAZ" bekommen ihr Fett weg. "Ganz ehrlich, der Euro ist kein Geschenk der Götter", zitiert Heufer-Umlauf beispielsweise die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 7. Juli 2015. Ebenso werden Aussagen von Kanzlerin Angela Merkel und Kabarettist Dieter Nuhr gesamplet.

Unterbrochen wird die Motzerei im Bademantel plötzlich von einer eigenen, eingeblendeten Schlagzeilen: "In diesem Sommer haben wir Deutschen eine entscheidende Chance", lautet der Text. "Die Chance, uns ausnahmsweise mal nicht wie Arschlöcher zu benehmen. Denn es geht um etwas, über das wir schon lange nicht mehr reden. Europa."

Mehr als 100 000 Mal ist das Video bereits abgerufen worden. Böhmermann und Heufer-Umlauf haben den Clip per Twitter auch an Politiker wie den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel und CDU-Generalsekretär Peter Tauber geschickt. Gabriel bedankte sich über seine Facebook-Seite für die "gute Idee" und schlug ein gemeinsames Treffen vor - woraufhin Böhmermann klarstellte, dass es sich dabei offenbar um "ein kleines Missverständnis" handelt: "Wir würden SIE eigentlich gerne in dieser Sache instrumentalisieren, nicht andersrum". Er und Heufer-Umlauf wollten sich deshalb wieder melden, "wenn wir uns für die unangenehm-volkstümliche Griechenland-Rhetorik von Bundesregierung und - huch - SPD-Vorsitzendem nicht mehr ganz so sehr schämen wie gerade." "Wann wäre das ungefähr?", fragte Böhmermann.

Kurz bevor die EU-Finanzminister an diesem Wochenende über den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone entscheiden wollen, ist den beiden Medien-Profis mit dem Video Eines bereits gelungen: Das Niveau vieler "Grexit"-Diskussionen auf einen traurigen Punkt zu bringen. Sonja Álvarez

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