Großprojekt "Why Poverty?" : Das Geld der Welt

Woher kommt Armut, wie kann man sie beseitigen? Eine achtteilige Dokureihe sucht nach Antworten. 70 Sendeanstalten weltweit machen mit.

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Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Why Poverty – warum Armut? Eine Frage, die eigentlich klar zu beantworten ist. „Armut ist ebenso wenig naturgegeben wie Sklaverei und Apartheid“, sagt der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela. „Sie ist von Menschen gemacht und kann von Menschen überwunden werden.“ Für die achtteilige Dokumentarfilmreihe „Why Poverty“ sind Regisseure aus der ganzen Welt den Ursachen der Armut rund um den Globus auf den Grund gegangen und haben nach Lösungsansätzen gesucht. Ihre Filme werden derzeit von über 70 Sendeanstalten auf fünf Kontinenten ausgestrahlt. In Deutschland wird das außergewöhnliche Projekt in dieser Woche auf Arte gezeigt.

Den Auftakt macht Bosse Lindquists Dokumentation „Geld für die Welt“, die das Engagement Prominenter gegen die weltweite Armut unter die Lupe nimmt. Ihre Kampagnen heißen „Live Aid“, „Make Poverty History“ oder „Deine Stimme gegen Armut“. Zu den bekanntesten Aktivsten gehören die Musiker Bob Geldof und Bono von der Band U2, aber auch Bill Gates mit seiner milliardenschweren Stiftung. Aber haben ihre Konzerte und Aktionen tatsächlich Millionen Menschen aus der Armut befreit? Die drei sprechen freimütig über ihre 30-jährige Lobbyarbeit und über die Art und Weise, in der sie sich das Faible vieler Politiker für Prominenz und Medienrummel zunutze machten. Dabei kommen auch ihre Kritiker zu Wort. So fragt etwa die Ökonomin Dambisa Moyo, die das Buch „Dead Aid“ geschrieben hat: „Warum wählen wir denn afrikanische Staatschefs, wenn deren Job bereits andere machen?“ Der Film „Gemachte Armut“ zeigt, dass auch Europa direkt betroffen ist. Er porträtiert Kinder und Jugendliche in Barcelona, Marseille und Dortmund, denen der Zugang zur reichen europäischen Gesellschaft für immer verstellt ist, während die dortigen Banken, die einer der Auslöser der Krise sind, mit Milliarden gestützt werden.

Dass es sich bei der Armut aber vor allem um ein strukturelles Problem handelt, macht der Film „Afrika – der ausgeraubte Kontinent“ am Mittwoch (22 Uhr 20) deutlich. Er erklärt, warum etwa Sambia nicht viel von den Profiten der Kupferminen sieht, weil das Betreiberunternehmen seine Gewinne am Stammsitz in der Schweiz versteuert. Um die Beziehung zwischen Reichtum und Armut geht es in dem Film „704 Park Avenue“ am Donnerstag (23 Uhr 10). Die faktenreiche Reportage macht deutlich, dass der Amerikanische Traum nur noch für diejenigen gilt, die genug Geld haben, um Politiker zu schmieren.

Der herausragendste Film ist aber „Solar Mamas“ am späten Donnerstagabend (0 Uhr 05) von Mona Eldaief und Jehane Noujaim. Er erzählt die Geschichte einer 32-jährigen Mutter von vier Kindern aus einem ärmlichen Beduinendorf in Jordanien, die die Einladung einer Entwicklungshilfeorganisation in ein „Barfuß“- College nach Indien annimmt, um dort ein halbes Jahr lang mit zwanzig Frauen aus aller Welt die Konstruktion von Solarmodulen zu lernen. Eine äußerst inspirierende, zum Teil auch dramatische Geschichte, die zu Recht in diesem Jahr vom Sundance Filminstitut mit einem Preis ausgezeichnet wurde.Simone Schellhammer

„Geld für die Welt – Bob Geldof und Bono“, 20 Uhr 15; „Gemachte Armut“, 22 Uhr 05, beide Arte

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