Gruner+Jahr : „Financial Times Deutschland" soll eingestellt werden

Die Finanzkrise trifft auch die Wirtschaftspresse. Es ist ein Kampf um Anzeigen und Leser. Nun zieht der Verlag Gruner+Jahr Konsequenzen und stellt die „Financial Times Deutschland" ein. Aber nicht nur die FTD ist betroffen.

von
Vor dem Aus. Für 2012 soll der Hamburger Verlag Gruner + Jahr für die Wirtschaftstitel insgesamt einen Verlust von 15 Millionen Euro erwarten. Foto: dpad
Vor dem Aus. Für 2012 soll der Hamburger Verlag Gruner + Jahr für die Wirtschaftstitel insgesamt einen Verlust von 15 Millionen...Foto: dapd

Verschiedene Rettungsszenarien hat der Vorstand des Hamburger Verlags Gruner+Jahr in den vergangenen Wochen durchgespielt, doch am Ende blieb offenbar nur der radikalste Schritt: das Aus für die „Financial Times Deutschland“ („FTD“). Die Wirtschaftszeitung wird eingestellt, die Magazine „Impulse“ und „Börse Online“ sollen verkauft werden. Nur an dem Monatstitel „Capital“ will Gruner+Jahr (G + J) noch festhalten, wie der Tagesspiegel am Dienstag aus Verlagskreisen erfuhr.

Dieser Entscheidung muss der G+J-Aufsichtsrat in seiner Sitzung am heutigen Mittwoch noch zustimmen. Ebenso der Aufsichtsrat von G+J-Mehrheitsgesellschafter Bertelsmann, der am 30. November tagt. Widerspruch wird nicht erwartet, denn die Situation der G+J-Wirtschaftsmedien ist prekär. In diesem Jahr rechne G+J mit einem Verlust von insgesamt 15 Millionen Euro bei den Wirtschaftstiteln, berichtete die Agentur Reuters. Alleine zehn Millionen gingen davon auf die „FTD“ zurück. Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 ist die Zeitung defizitär und soll Verluste von mehr als 250 Millionen Euro gemacht haben.

Ihre verkaufte Auflage liegt derzeit bei 102 000 Exemplaren (IVW, 3. Quartal 2012), sowohl im Einzelverkauf als auch im Abonnement musste sie Verluste verzeichnen. Auch die Magazine „Impulse“ (81 000) und „Börse Online“ (57 700) haben unter Anzeigen- und Auflagenrückgängen zu leiden.

Von den rund 350 Mitarbeitern der G+J-Wirtschaftsmedien, davon 250 Redakteure, wird ein Großteil gehen müssen, viele von ihnen arbeiten bei der „FTD“. Bereits am Montag waren sie von Chefredakteur Steffen Klusmann auf das Aus vorbereitet worden. Noch im Sommer hatte es geheißen, dass die „FTD“ beispielsweise als gedruckte Wochenendausgabe und in digitaler Form überleben könnte. Probeausgaben waren entwickelt worden. Doch solche Modelle scheinen sich für den Vorstand am Ende nicht gerechnet zu haben. Bereits 2008 hatte der Verlag einen radikalen Schnitt bei seinen Wirtschaftsmedien vorgenommen und alle Titel in einer Gemeinschaftsredaktion in Hamburg zusammengefasst. Doch die damals erhofften Synergieeffekte haben sich offensichtlich nicht eingestellt.

Für die Magazine „Impulse“ und „Börse Online“ gibt es nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bereits Kaufinteressenten. Einzig den Monatstitel „Capital“, dessen verkaufte Auflage bei rund 165 000 Exemplaren liegt, will G+J behalten. Das bisher an der Elbe produzierte Heft soll künftig in Berlin gemacht werden. Die Fokussierung auf nur einen Titel sei eine sinnvolle Entscheidung des Vorstands, so ein Aufsichtsratsmitglied. Doch müsse sich „Capital“ neu positionieren, um sich besser zu Konkurrenzmagazinen wie der „Wirtschaftswoche“ und dem „Manager Magazin“ abzugrenzen.

Gruner + Jahr wollte sich am Dienstag nicht zum Aus für die „FTD“ und dem Verkauf der anderen Magazine äußern. Doch sind die Maßnahmen Teil der Umstrukturierung, die der Verlag unter seiner neuen Chefin für das Deutschland-Geschäft, Julia Jäkel, erfährt. Sie ist seit Anfang September im Amt und hat bereits bei anderen Magazinen wie der „Brigitte“ und der „Gala“ die Chefredakteure ausgetauscht. Wann die „FTD“ das letzte Mal erscheint, steht bisher noch nicht fest. Über eine Abschiedsausgabe wurde in der Redaktion bereits am Montag diskutiert.

23 Kommentare

Neuester Kommentar