Günther Jauch : Michael Schumacher und das wahre Verbrechen

Nach dem Tatort: Sabine Kehm, Managerin von Michael Schumacher, war bei Günther Jauch. Sie wollte keine Details über Schumachers Gesundheitszustand nennen - was völlig korrekt ist. Doch offenbar reicht das nicht für einen Fernseh-Talkshow.

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Illustre Runde: die Sendung zum Thema "Wie geht es Michael Schumacher" bei Günther Jauch. Foto: dpa
Illustre Runde: die Sendung zum Thema "Wie geht es Michael Schumacher" bei Günther Jauch.Foto: dpa

Der Tatort aus Münster war naturgemäß wieder eine Klamauk-Katastrophe – das wahre Verbrechen fand danach statt, bei Günther Jauch, der mal über Michael Schumacher reden wollte, über Prominente und das Private und über „die Medien“, und als es nach einer Stunde endlich vorbei war, konnte man immer noch nicht so ganz fassen, was man da miterleben musste.

Sabine Kehm war da, die Managerin von Michael Schumacher, ihr gehörten die ersten zehn Minuten, in denen Jauch mit ihr alleine sprach, und vielleicht hätte man die Sendung danach einfach beenden können (wenn man dann auch noch auf einen sehr pathetischen Einspieler verzichtet hätte). Kehm weigerte sich wie bisher Details über Michael Schumachers Gesundheitszustand zu benennen – was völlig korrekt ist, aber offensichtlich für eine öffentlich-rechtliche Talkshow nicht reicht: da müssen dann auch noch ein paar Krawallbrüder aufgefahren werden, und es war erschreckend, wie wenig Gegenwehr Jauch diesmal bot.

Paparazzo mit kuriosen Verstecken

Selbst ein deutscher Paparazzo, der stolz erzählte, wie er in Mülltonnen auf seine prominenten Opfer wartet und gleichzeitig darüber jammerte, dass auf Hochzeiten von Prominenten immer alles so verhangen wird, dass man die Braut nicht fotografieren kann, wurde von niemandem in die Schranken verwiesen oder wenigstens darauf aufmerksam gemacht, dass es auch anständige Berufe gibt.

Allerdings saß in der Runde kaum jemand mit einem anständigen Beruf – neben Jauch saß Alfred Draxler, Chefredakteur von „Sportbild“, ehemals in leitender Funktion bei „Bild“. Der Mann tat alles, um seriös zu erscheinen, den Vorstandsvorsitzenden der Axel-Springer-AG nannte er brav „Doktor Döpfner“ und er wies daraufhin, dass er niemals ein Foto von Schumacher im Krankenbett drucken würde, denn man prüfe alles auch „moralisch“. Leider sind niemandem die Bilder toter Kinder eingefallen, die „Bild“ druckt, zu sehr waren alle damit beschäftigt, dass „gute Verhältnis“ zu dem Blatt zu loben: Kehm lobte es und auch der Partner von Monica Lierhaus, der sehr waghalsig den gemeinsamen Auftritt bei der „Goldenen Kamera“ verteidigte und am Ende tatsächlich sagte, dass Menschen vor Lierhaus auf die Knie gehen würden und fragten, ob sie sie mal anfassen könnten.

Anwalt mit unklarer Rolle

Ähnlich merkwürdig war auch, was ein Anwalt beitrug, der sich offenbar sehr darin gefiel, bei Jauch eingeladen worden zu sein, und sich viele Gedanken über sein Outfit gemacht hat (hellblaue Socken, überdimensionales dunkelblaues Einstecktuch mit weißen Punkten). Bevor er Anwalt wurde, war der Mann Boulevardjournalist, manchmal wusste man nicht so genau, in welcher Rolle er sprach. Jedenfalls empörte auch er sich nicht darüber, als Draxler mal so nebenbei fallen ließ, was er alles über einen Fußballnationalspieler wisse und nicht schreiben würde – den sagenumwobenen „Giftschrank“ der „Bild“ bestätigte er zudem noch. Was man da alles drin liegen, dass diese Zeitung von der Runde als moralisch integer durchging und Draxler mit Blick auf die Regenbogenblätter tatsächlich sagen durfte: „Schweinepresse“? Vielleicht weil die immer auch mal was Falsches über Günther Jauch schreiben?

Es ging dann noch um „kontrollierte Abschüsse“ und um andere Dinge, aber eigentlich ging es um gar nichts. Und das ist noch das Beste, was man über diese Sendung behaupten kann.

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