Günther Jauch : Schlichter Populismus in der Flüchtlingsdebatte

Im Rahmen ihrer Themenwoche "Heimat" lässt die ARD Günther Jauch erneut über Flüchtlinge diskutieren. Die Sendung zeigt, dass Prominente in solchen Debatten oft keine Bereicherung sind.

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Günther Jauch
Günther JauchFoto: dpa

Angela Merkel, die humanitäre Retterin? Angela Merkel, die Planlose? Seehofer, der verbale Brandstifter? Seehofer, der warnende Pragmatiker? Deutschland überfordert? Schaffen wir das? Willkommenskultur am Ende? Obergrenze für Asyl? Flüchtlinge überschwemmen Städte und Kommunen? Europäische Quotenregelung? Themen. Diskussionspunkte. Meinungen. Äußerungen. In den letzten Tagen in diversen Talkshows, Gesprächsrunden, Interviews besprochen, betrachtet, beratschlagt. Keine Notwenigkeit, diese verbalen Problemstoffe bei Günther Jauch einer weiteren Recycling-Runde auszusetzen. Gefühlte oder wirkliche Wiederverwendung auch bei den Gästen. Der Politiker Peter Altmaier (CDU). Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt. Die Leiterin des Sozialamts Fürth Michaela Vogelreuther. Der Musiker Herbert Grönemeyer. Der Moderator und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar.

Die ARD schmückt sich mit der Themenwoche „Heimat“. Vom 4. bis zum 10. Oktober. Klar, dass da Jauch als quotentechnischer Star-Talker auch ran muss. Im Titel „Flüchtlingsrepublik Deutschland – wo liegen unsere Grenzen?“ kommt „Heimat“ schon mal nicht vor. Immerhin, eine inhaltliche Verbindung gibt es. Herbert Grönemeyer ist Pate der Themenwoche. Ist Gast bei Jauch. Und der Beweis, dass Promis mit eher losem Themenbezug keine wirkliche Bereicherung sind. Seehofers rustikale Meinungsäußerungen zur Flüchtlingsproblematik. Mit gutem Gewissen kaum zu genießen. Aber sie als „Unverschämtheit“ und „verbale Brandstiftung“ abzutun? Typische Unart von Prominenten, in populistischen, niveaulosen Pfützen zu fischen und sich schnellen und leichten Beifall abzuholen.

Günther Jauch hinterfragt das Engagement Prominenter

Grönemeyer versucht noch mehr. Zum Beispiel Weltpolitik zu analysieren. Seine Thesen: Amerika und England sind schuld an der schlimmen Situation im Nahen Osten. Amerika und England sind schuld am IS. Intellektuelle Schlichtheit. Als Liedzeilen gerade noch zu verwenden. Aber umstrittene und gewählte Politiker wie Bush und Blair vor ein Kriegsgericht zu stellen, da schleudert es den Sänger weit übers Ziel hinaus.

Im Lauf der Sendung formuliert Jauch den Vorwurf, dass das Flüchtlingsengagement von Prominenten meistens nur sprachlicher Natur sei. Gegenbeispiel Ranga Yogeshwar. Der Moderator verbringt viele Stunden in Flüchtlingsheimen. Und ist an einem Projekt beteiligt, mit sozialen Netzwerken Flüchtlingen ganz direkt und pragmatisch zu helfen. Grönemeyer findet den Vorwurf nur weit hergeholt.

Zum Schluss soll die Gesprächsrunde abschätzen, was die Deutschen als größere Herausforderung sehen - die Wiedervereinigung oder die Aufnahme von Flüchtlingen. Peter Altmaier glaubt, dass Grönemeyer die Frage falsch verstanden hat. Und verbessert ihn. Die eher unsouveräne Reaktion: “Sie müssen mich nicht korrigieren. Ich glaub, ich weiß, was ich sage. Also wirklich!“ Fazit: Der Talk zur Themenwoche hat so viel mit “Heimat“ zu tun, wie die Filmschmonzetten „Nach Regen folgt Sonne“, „Der Meineidbauer“ oder „Rosen blühen auf dem Heidegrab“. Es naht das Ende von Jauchs Talkshow. Pragmatische Entscheidung von Moderator und Redaktion, jetzt ist es auch zu spät, sich noch ein Bein auszureißen.  

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