Harald Schmidt Show : Wiedersehen macht Freude

Kopulierende Häschen und Günter Grass: Seit Bekanntwerden der Absetzung seiner Show bei Sat 1 läuft Harald Schmidt zu Höchstform auf. Und er heizt die Gerüchteküche über ein Comeback an.

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Galt als Instanz im deutsche Unterhaltungsfernsehen: Harald Schmidt. Zum 3. Mai wird seine Show wegen schlechter Quoten eingestellt.
Galt als Instanz im deutsche Unterhaltungsfernsehen: Harald Schmidt. Zum 3. Mai wird seine Show wegen schlechter Quoten...Foto: dapd

„Wahre Größe! Mit 1,13 Meter durchs Leben.“ So der Titel der „24-Stunden“-Reportage am späten Dienstagabend auf Sat 1, dem angestammten Platz für die „Harald Schmidt Show“. Der Moderator ist in der Osterpause. Schmidt kehrt nächste Woche für noch genau neun Ausgaben zurück, bevor am 3. Mai der – vorerst – letzte Vorhang in Köln-Mülheim fällt. Umso bemerkenswerter, zu welcher Form, zu welcher Größe Schmidt in den vergangenen drei, vier Sendungen aufläuft, nach Bekanntwerden seiner Trennung von Sat 1 vor gut zwei Wochen.

Schmidt noch selbstironischer, entspannter, anarchistischer, herrlich böse, gemäß der Aussage von Schmidts Ex-Sidekick Manual Andrack: „Immer, wenn Harald sich richtig anstrengt, wirkt er lustlos. Wenn er sich keine Mühe gibt, sagen alle: ,Boah, ist der geil drauf!’ Dann ist er locker.“ Bereits am Tag vor Bekanntwerden seines Abschieds, am 27. März, hatte sich Schmidt mit einem kotzenden, auf dem Sofa liegenden dicken Sat-1-Männchen mit Halbglatze eine Spitze gegen seinen Arbeitgeber erlaubt. Seitdem weist er in seiner Show stets kurz nach dem Stand-up auf ein bald startendes „Ersatzprogramm“ hin. Es folgt ein Schnitt in ein Ministudio, in dem ein altes Sat-1-Logo an der Wand wackelt, vor der eine rauchende Moderatorin sitzt und Beiträge ankündigt. Es folgen wahlweise Montagen von „Titten“, „Schwänzen mit Niveau“, neu synchronisierten Zusammenschnitten aus einer Schwarz-Weiß-Serie der 60er Jahre, kopulierende Häschen. Merke wohl: Ohne Harald Schmidt ist Sat 1 das letzte Unterschichtenfernsehen und verliert jegliche Relevanz.

Harald Schmidt - Stationen seiner Karriere
Harald Schmidt gilt als Papst der Abendunterhaltung. Doch die Quoten sind schlecht. Deshalb läuft am 3. Mai die letzte Sendung seiner Show bei Sat. 1.Alle Bilder anzeigen
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14.10.2011 10:24Harald Schmidt gilt als Papst der Abendunterhaltung. Doch die Quoten sind schlecht. Deshalb läuft am 3. Mai die letzte Sendung...

Sicher, das wird weiterhin nicht jeder mögen. Das Schmidt’sche Prinzip, dieses notorische Abwiegeln mit beißender Ironie, darüber ist auch ein wenig der Zeitgeist gegangen. Zum Israel-Gedicht von Günter Grass wäre Schmidt vor zehn, 15 Jahren vielleicht noch ein bisschen mehr eingefallen. Dennoch ist das eben die „Auferstehung einer deutschen Fernsehshow“, von der die grandiosen Schmidt-Epigonen Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt in ihrer österlichen Ausgabe der ZDFneo-Show „neoParadise“ sprachen, wenn auch in anderem Zusammenhang.

Doch ob Schmidt oder „neoParadise“, das hat beides natürlich wieder keiner gesehen. Vor allem die Quote bei der „Harald Schmidt Show“ bewegt sich mit 500.000, 600.000 Zuschauern weiterhin auf niedrigstem Thomas-Gottschalk-Niveau. Wobei, liebe Leute von Sat 1 und Quotenermittler, zu fragen ist, ob denn nicht auch mal die Zehntausende von Abrufe in der Online-Mediathek hinzuzählen sind. Bisher wird sich gegen ein solches, eingedenk moderner Mediennutzung doch nur allzu logisch erscheinendes Verfahren gesperrt. Niemand schaut um Mitternacht „Harald Schmidt Show“.

Vergessen wir also das Quoten-Argument, und freuen uns auf ein Comeback der „Harald Schmidt Show“ nach der Sommerpause. Irgendwie, irgendwo. Der Moderator kriege im deutschen Fernsehen kein Bein mehr auf die Erde, glaubt Roger Schawinski, Schmidts Ex-Chef bei Sat, und wirft dem Moderator Geldgier vor. Late Night mit Harald Schmidt werde es nie wieder geben. Ganz unrecht hat er nicht, steht zu befürchten. Unterhalb der ersten fünf Tasten auf der Fernbedienung könne das kein weiterer Sender bezahlen, sagt Produzent Friedrich Küppersbusch.

Schmidt selber betont in seiner Sendung unablässig, dass „diese Show am 3. Mai zum letzten Mal in Sat 1“ läuft. Damit heizt er die Gerüchteküche an. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass doch Gespräche mit kleineren und/oder digitalen Sendern im Gange sind, wobei die Namen KabelEins, ZDFkultur oder ZDFneo öfter fallen. Schmidts Mitarbeiter intern wissen angeblich noch nichts. Der Meister kündigte vor Monaten an, dass er sich nichts anderes vorstellen könne als Late-Night. Wenn das vorbei ist, sagte er, „dann ist es aus mit dem Fernsehen, alles andere hatte ich schon“.

Wir auch. Dann wird Schmidt das Ganze eben ein bisschen billiger produzieren. Die „Harald Schmidt Show“ muss ja nicht gleich bei sonnenklar.tv landen, wie es eine gefakte Twitter-Meldung in diesen Tagen aussagt. Obwohl: Schmidt beim Verkaufssender für Urlaubsreisen? Das hätte wahre Größe.

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