#hatespeech : Facebook lässt Hasskommentare von Team in Berlin löschen

Facebook lässt Hasskommentare künftig auch von Deutschland aus löschen. In Berlin wird dafür ein neues Team aufgebaut - versprochen wird Bewerbern ein "interessanter und aufregender" Job.

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Hass und Hetze sollen künftig innerhalb von 24 Stunden von Seiten wie Facebook und Google verschwinden.
Hass und Hetze sollen künftig innerhalb von 24 Stunden von Seiten wie Facebook und Google verschwinden.Foto: imago/Christian Ohde

Nach massiver Kritik lässt Facebook Hasskommentare jetzt auch von Deutschland aus löschen. Im Auftrag des US-Unternehmens baut Bertelsmann-Tochter Arvato derzeit in Berlin-Wilmersdorf ein Team von so genannten „Customer Care Agents“ auf, sie sollen die gemeldeten Nutzerbeiträge prüfen und gegebenenfalls entfernen. Bisher waren dafür deutschsprachige Mitarbeiter in Irland zuständig – doch weil diese auch eindeutig rechtswidrige Beiträge nicht immer löschten, wurde am Umsetzungswillen des US-Unternehmens gezweifelt.

Ein "interessanter und aufregender Job"


Rund 150 Mitarbeiter sind in dem neuen Team beschäftigt, heißt es aus Kreisen des Netzwerks. Eine offizielle Zahl teilt das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien aber ebenso so wenig mit, wie die Summe, die in den Aufbau der neuen Löschtruppe investiert werden soll.
Das Team in Berlin wird aber nicht nur für deutschsprachige Beiträge zuständig sein. Gesucht werden von Arvato derzeit auch Mitarbeiter, die Arabisch, Französisch, Niederländisch, Schwedisch oder Norwegisch können. Versprochen wird ihnen ein „interessanter und aufregender Job“, dazu „große Karrieremöglichkeiten“. Gefordert sind unter anderem „Liebe zum Detail“, „Flexibilität“, „Problemlösungsfähigkeiten“ sowie Erfahrung mit sozialen Netzwerken. Die Verdienstmöglichkeiten dürften sich allerdings im Rahmen halten, der Job ist im Bereich „Einsteigerlevel“ angesiedelt.

Hasskommentare sollen innerhalb von 24 Stunden verschwinden


Das Berliner Team wird aber vor allem wohl den Kollegen in Dublin zuarbeiten. Denn die finale Entscheidung darüber, ob ein Kommentar gelöscht wird oder nicht, will Facebook offenbar im Zweifel nicht einem Dienstleister überlassen.
Mit der neuen Löschtruppe in Berlin reagiert Facebook auch auf die Ermahnungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), Hasskommentare schneller zu entfernen. Vor allem gegen Flüchtlinge wird auf den Seiten zunehmend gehetzt.

Maas hatte im Herbst 2015 eine „Taskforce“ gegründet, um mit Facebook, Twitter und Google Maßnahmen für einen effektiveren Umgang mit solchen Beiträgen zu erarbeiten. Künftig sollen Hasskommentare unter anderem innerhalb von 24 Stunden geprüft und gegebenenfalls gelöscht werden, als Grundlage dafür sollen deutsche Gesetze gelten. Bisher hatte sich Facebook lediglich nach seinen „Community Standards“ gerichtet.

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