Herbert Knaup im Interview : „Um jede Kurve herum ist Ausland“

Schauspieler Herbert Knaup ist am Donnerstag zum dritten Mal als Kult-Kommissar Kluftinger im Ersten zu sehen. Im Interview spricht er über das enge Weltbild des Allgäuers und den Columbo von Altusried.

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Herbert Knaup, 57, stammt aus Sonthofen. Als Kommissar Kluftinger darf er Allgäuer Dialekt hart an der Schmerzgrenze reden. Seinen Lebensmittelpunkt hat er in Berlin. Foto: ARD
Herbert Knaup, 57, stammt aus Sonthofen. Als Kommissar Kluftinger darf er Allgäuer Dialekt hart an der Schmerzgrenze reden. Seinen...Foto: ARD Degeto/BR/Hagen Keller

Der Allgäuer Kommissar Kluftinger ist ein liebenswert altmodischer Held wider Willen. Einer, dem Größenwahn und Eitelkeit verhasst sind, ein eigenwilliger Traditionalist, der seine Heimat liebt und sie so erhalten wissen will, wie sie ist. So hat der Bayerische Rundfunk die Figur 2009 eingeführt. Gilt Kluftinger bereits als der „Columbo von Altusried“?

So falsch ist das nicht. Columbo hatte eine sehr eigenwillige Art der Ermittlung, ein bisschen unorthodox, aber seine Fälle hat er immer gelöst. Und wie diesem Peter Falk traut man auch dem Kluftinger am Anfang nichts zu. Als Außenstehender fragt man sich, wie will denn der überhaupt mal einen Blumentopf gewinnen. Kluftinger hat Phobien und Vorurteile, poltert rum und schüchtert die Leute ein, weil er solche Ängste hat. Mit Frauen kann er auch nicht optimal umgehen. Kurz: Er eckt überall an. Das führt zu einem gewissen Amüsement und gehört zum Reiz dieser Figur.

Und was sind seine positiven Eigenschaften?

Das ist dieser Spürsinn. Zudem trägt er eine gewisse Moral in sich. Zu der gehört, dass er das Gesetz auf seiner Seite hat. Wenn etwas Schreckliches passiert ist, will er dem auf den Grund gehen. Er gibt nicht nach, bis der Fall gelöst und der Straftäter dingfest gemacht ist. Und dann hat er diese Leidenschaft, dass ihn der Fall nicht loslässt. Und mir gefällt an ihm, dass er dieser inneren Stimme auch folgt.

Würde es Ihnen gefallen, wenn Sie auf der Straße mit Herr Kluftinger angesprochen werden?

Verrückterweise passiert das sogar schon, wenn ich in Berlin oder Hamburg herumlaufe. „Das ist doch der Kluftinger“, sagen die Leute dann. Und das, obwohl ich doch ganz schlank bin. Mir gefällt das. In den Alpenregionen kommt das eher seltener vor. Mit anderen Rollen ist mir das nicht passiert, obwohl auch die Kluftinger-Reihe nur alle zwei Jahre mit einem neuen Film kommt.

Die beiden Autoren sind im Film mit kurzen Auftritten zu sehen. Haben Michael Kobr und Volker Klüpfel Ihnen eigentlich den Vornamen von Kluftinger verraten?

Ja, ich kenne den Vornamen. Die beiden haben mir einen versiegelten Brief geschrieben. Und ich musste Stein und Bein schwören, dass ich den Namen niemandem sage. Und das werde ich natürlich auch nie tun.

Der erste TV-Einsatz von Kommissar Kluftinger hatte mit Burgruinen, Sagen und Krähen etwas durchaus Mythologisches. Die dritte Folge „Seegrund“ scheint daran anzuknüpfen.

Beim letzten Kluftinger „Milchgeld“ hat es diese Meta-Ebene tatsächlich nicht gegeben. Nun hat Rainer Kaufmann als Regisseur dieses Mystische, diese Innenschau, dieses Tieftauchen in den See und in sich selber reingenommen. Mir hat das großen Spaß gemacht. Mit den Kameraeinstellungen, wenn Kluftinger im See taucht oder beim Kamillenbad, haben die sich viel einfallen lassen.

Sie werden da ja auch ziemlich hart rangenommen.

Das Wasser war vier Grad kalt. Zu Neoprenanzug und Bleigürtel kam noch eine Actionkamera, mit der ich mich unter Wasser selbst aufnehmen musste. Um mich schwammen Securitytaucher. Es sollte ja so aussehen, als ob ich beinahe ertrinke. Doch die Taucher konnten kaum erkennen, ob ich jetzt wirklich ertrinke oder das nur spiele.

Zudem leidet Kluftinger an Fieber.

Dieses Fiebrige und Stimmlose zu spielen, hat mir großen Spaß gemacht. Meine Lieblingsstelle ist, wenn Kluftinger im Dialekt sagt „Isch ess ihr Sinn?“, was eigentlich „Ist es ihr Sohn?“ heißt, aber nun wie „Ist es Irrsinn?“ klingt.

Kluftinger und Knaup, welche Parallelen gibt es?

Die Eigenwilligkeit zeichnet einen Allgäuer aus, der ich ja auch bin. Dass man in seinem Leben nicht die gängige Spur läuft, sondern der eigenen Stimme vertraut. Dass man vielleicht auch mal einen krummen Weg geht. Oftmals stellt sich dann doch heraus, dass dies doch richtig war.

Was heißt das für Herbert Knaup?

Bei mir gab es viele solcher Momente. Auf die Schauspielerei bezogen, bin ich am Theater groß geworden. Zum Film bin ich erst viel später gekommen. Dominik Graf fragte mich einmal: „Hab’ ich dich aus irgendeinem Traum geweckt?“ Auch jetzt noch bin ich ab und zu am Theater. Wenn du auf der Bühne eine Figur hinstellst, die über drei Stunden aus einem Guss gespielt wird, das sind andere Vorgänge. Aber das hat nichts mit krummen Wegen zu tun.

Altusried ist 50 Kilometer von ihrem Geburtsort Sonthofen entfernt. Ist das im Allgäu eher nah oder fern?

Ich bin Oberallgäuer, und die Reihe spielt im Unterallgäu. Also, das ist schon ziemlich fern, auch vom Dialekt her. Um jede Kurve herum ist schon Ausland. Altusried ist ja schon die Weite, das ist Prärie. Die sehen die Berge, der Sonthofener lebt in den Bergen.

Sie haben das Allgäu in jungen Jahren verlassen. Gehört der braune Janker noch zu Ihnen?

So einen Alpenjanker hatte ich, anders als mein Vater, nie. Ich kam aus der Hippiezeit. Da hat man das nicht angezogen, höchstens zum Oktoberfest und auch dann eher als Witz. Jetzt nehmen ja die Jungen die Tracht auch wieder ernst.

Und wie verhält sich der Exilallgäuer in Berlin?

Der trägt das auch nicht, auf keinen Fall.

Und wie lange brauchen Sie, wenn Sie von Berlin ins Allgäu zum Dreh fahren, bis Sie wieder in den heimischen Dialekt verfallen?

Zwanzig Sekunda. Da bin i do drin. Oderr itt amol. Des isch a Augazwinkere.

Das Interview führte Kurt Sagatz.

„Seegrund – ein Kluftinger-Krimi“, Donnerstag, 20 Uhr 15, ARD

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