History-Dokumentation : Wen die Götter lieben

Von James Dean über Alexandra zu Amy Winehouse: Das Phoenix-Thema „Junger Ruhm und früher Tod“.

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Vor der Zeit gestorben. Der Freitod von Robert Enke im November 2009 bewegte die Menschen zutiefst.
Vor der Zeit gestorben. Der Freitod von Robert Enke im November 2009 bewegte die Menschen zutiefst.Foto: dpa

Der Tod der Sängerin Whitney Houston und ihre Beerdigung an diesem Samstag hatte für diese Programmplanung definitiv keine Rolle gespielt. Der Ereigniskanal Phoenix hatte lange zuvor entschieden, am Montag den Themenschwerpunkt „Echt Kult!?“ ins Programm zu heben. Dabei hätte auch ihr rätselhafter Tod im Alter von nur 48 Jahren gut hineingepasst in die Historydokumentation „Junger Ruhm und früher Tod“. „Nichts macht im Showgeschäft, im Spitzensport und manchmal auch in der Politik einen Menschen so unsterblich wie ein Tod vor der Zeit“, heißt es zu Anfang des Films, der eben nicht mit Whitney Houston sondern mit Amy Winehouse beginnt, die im Juli 2011 mit nur 27 Jahren starb.

Was macht den Erfolg dieser Legenden aus, und welche tragische Seite verbirgt sich möglicherweise hinter dem frühen Tod? Diese Fragen stellt der Film bei Winehouse genauso wie bei James Dean, bei der deutschen Sängerin Alexandra, der Jazzgröße Billie Holiday und bei Janis Joplin, aber auch bei Robert Enke und Florence Griffith Joyner, der Weltrekord-Sprinterin, die im Alter von 38 Jahren starb, aber wegen des Dopingverdachts eben nicht zur Legende wurde.

Beispiele für jungen Ruhm und frühen Tod gibt es genügend. Der Club der 27 ist legendär, jener Menschen besonders aus der Musikszene, die wie Brian Jones, Jimi Hendrix, Jim Morrison oder Janis Joplin und Amy Winehouse in diesem Alter gestorben sind. Mehr als Schlaglichter kann der 45-Minutenfilm darum auch nicht setzen. Kurzen Rückblicken auf die Kindheit folgen die wichtigsten Stationen der Bilderbuchkarrieren, dann häufig ein tiefer Absturz und der frühe Tod.

Ist diese Häufung der 27-Jährigen mehr als ein bloßer Zufall? In der Dokumentation versuchen sich Psychologen, Biografen, Journalisten und Experten wie der Musikmanager Thomas Stein an einer Einordnung. Von der erfolglosen Suche nach Liebe ist die Rede, aber auch von exzessiven Lebensentwürfen, die kein Morgen kennen. Dabei ist das vorzeitige Ableben häufig nicht nur mit einer Legenden- sondern auch mit der Bildung von Mythen verbunden. Anders können sich viele Fans den frühen Tod ihrer Idole wohl nicht erklären.

„Wen die Götter lieben, lassen sie jung sterben“, zitiert Guido Knopp ein bekanntes Sprichwort. Und auch für weniger gläubige Menschen hat der Film Weisheiten parat: Das Leben auf der Überholspur ist mitunter nur halb so lang.

„Junger Ruhm und früher Tod“, Phoenix, 21 Uhr

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