Holocaust-PR? : Antisemitismusvorwurf gegen Fritz-Moderator Ken Jebsen

Der RBB setzt die Sendung KenFM aus, aber nicht ab. Auslöser ist eine wirre Mail von Moderator Ken Jebsen, die in Henryk M. Broders Blog "Die Achse des Guten" für viel Aufregung sorgt.

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Ken Jebsen.
Ken Jebsen.Foto: RBB

Dem Sender blieb am Sonntag nur ein Ausweg: „Eine umfassende Klärung der Vorgänge war nicht möglich, darum haben wir uns dazu entschieden, die Radio-Fritz-Sendung KenFM vorerst auszusetzen“, sagte Sendersprecher Volker Schreck dem Tagesspiegel und fügte hinzu: „Das ist aber keine Absetzung.“ Zuvor war Ken Jebsen, Moderator von KenFM, vorgeworfen worden, einem Hörer als Reaktion auf dessen Kritik eine Mail mit antisemitischem Inhalt geschrieben zu haben. „Bei solchen Vorwürfen ist der Sender sehr sensibilisiert“, sagte Schreck. Es werde nun senderinterne Diskussionen, aber auch Gespräche zwischen Jebsen und den Programmverantwortlichen geben.

Üblicherweise läuft die Sendung am Sonntag um 14 Uhr. „Gerade junge Hörerinnen und Hörer schätzen seine pointierte, oft auch eigenwillige Art“, umschreibt der Sender Jebsen. Im Programmschema wurde die Sendung indes bereits entfernt.

Die inkriminierte Mail war dem Blog „Die Achse des Guten“, das unter anderem vom Henryk M. Broder betrieben wird, zugeschickt geworden. Demnach soll Jebsen unter anderem geschrieben haben, er wisse, wer den Holocaust als PR erfunden und wie Goebbels die entsprechenden Kampagnen umgesetzt habe. In der von Rechtschreib- und Grammatikfehlern wimmelnden Mail, die Broder in Gänze wiedergibt, wird der Hörer aufgefordert, in seiner Ecke zu bleiben und sich hinter „geschichtlichen Tatsachen“ zu verschanzen. „Ich versuche lieber selber Geschichte neu zu schreiben indem ich meine Hand ausstrecke. Weniger Hass könnte auch Ihnen nicht schaden. Er vergiftet alles“, endet die Mail.

Via Youtube hat Ken Jebsen inzwischen Stellung bezogen. Broder habe ihn in einer Mail an die Programmverantwortlichen als „Irren und Antisemiten“ bezeichnet. „Ich bin vielleicht irre aber kein Antisemit“, erwiderte Jebsen. Dies zeigten seine vielen KenFM-Beiträge, die über Youtube nachzuhören seien, aber auch die Reaktionen vieler Hörer auf die Absetzung der Sendung. Den Holocaust habe er in zahlreichen Sendungen als das schlimmste Verbrechen der Menschheit verurteilt. „Seit 545 Sendungen wird mit KenFM für Menschlichkeit und Gleichberechtigung geworben. Herr Broder, Sie treffen den Falschen“. Jebsen lädt Broder ein, mit ihm in der Sendung über Rassismus und Antisemitismus zu diskutieren. Jebsen bestreitet die Urheberschaft der Mail nicht.

Fest steht: Es gibt wenig Themen, zu denen Ken Jebsen keine Meinung hat. Auf der Homepage abzurufen sind: „Ken Jebsen über den 11. September 2011“. Für den Radio-Moderator stellt die offizielle Aufbereitung der Zerstörung des World Trade Centers („warmer Abriss“) zu weiten Teilen eine Theorie dar. „Eine Verschwörungstheorie.“ In der Sendung „Ken Jebsen über London Calling“ lässt sich Jebsen darüber aus, was die Krawalle in Großbritannien mit dem Zustand Europas und speziell Deutschlands zu tun haben. Auch mit dem PR-Thema hat sich Jebsen beschäftigt, genauer mit der „PR-Leistung von Al Qaida“. Verantwortlich für den „gefühlten Terror“ seien die Massenmedien, „die immer mehr zum Megafon entsprechender Regierungskreise verkommen sind“.

Ein ,Opfer‘ hat die Kontroverse bereits gefordert. Am Montagnachmittag war Broders Blog nach einer Hacking-Attacke nicht mehr erreichbar.

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