"Homeland" : Die CIA am Fernsehturm

Die US-Thrillerserie „Homeland“ soll in Berlin gedreht werden. Das weckt hohe Erwartungen - auf spannende Set-Besuche mit Claire Danes und Jobmaschinen in der Branche.

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Neustart. CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes) könnte in der deutschen Hauptstadt ermitteln.
Neustart. CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes) soll in der deutschen Hauptstadt ermitteln.Foto: picture alliance / landov

Brandenburger Tor, Gendarmenmarkt, Bundestag, Kanzleramt, Tempelhofer Feld, Potsdamer Platz, Prenzlauer Berg, Mauerfragmente, Fernsehturm, das Areal um den Ostbahnhof – im Grunde hat Berlin sie alle, die geeigneten Drehorte für eine US-amerikanische Thrillerserie vom Schlage „Homeland“. Die passende Umgebung für Claire Danes in ihrer Paraderolle als CIA-Agentin Carrie Mathison, die seit 2011 in vier Staffeln ihren Krieg gegen den Terror führt. Der Mitschöpfer der Serie, Alex Gansa, sagte neulich im Branchenblatt „Hollywood Reporter“, Berlin solle zum Schauplatz der fünften Staffel von „Homeland“ werden. Eine spektakuläre Nachricht für alle Fans und alle, die in der Hauptstadt mit Film und Fernsehen zu tun haben. Kommt „Homeland“ wirklich? Wenn ja, wohin? Was hat Berlin davon? Was die US-Produktion? Stimmen die Rahmenbedingungen für solche Projekte?

Die gute Stimmung für internationales Kino made in Berlin ist nicht neu. Vor ein paar Monaten wurde die Glienicker Brücke gesperrt, damit Steven Spielberg mit Tom Hanks seinen neuen Film drehen konnte. Tarantino, Spielberg, die Wachowski-Geschwister, die Macher von „Das Bourne Ultimatum“, sie kommen gerne nach Berlin und Babelsberg, zumal neben den Kulissen und historischen Orten die Filmförderung für Kinoproduktionen attraktiv ist.

Der Deutsche Filmförderfonds (DFFF) bringt Filme und Geld nach Deutschland, das sonst nicht käme, sagt Jens Steinbrenner von der Produzentenallianz. Die acht Projekte mit den größten DFFF-Zuwendungen 2013 waren internationale Koproduktionen, die rund 25 Millionen Euro bekommen haben. Der Zuschuss betrage 20 Prozent des in Deutschlands ausgegebenen Filmbudgets, er hat also durch diese acht Projekte ein ausländisches Investment von zusätzlichen 100 Millionen Euro ausgelöst.

Ihre eigene bipolare Störung verbirgt sie

Eine Geld- und Jobmaschine. Ähnliche Effekte verspricht man sich von „Homeland“, einer weltweit erfolgreichen TV-Produktion. Die Geschehnisse der Serie sind in die Rahmenhandlung des sogenannten „Krieg gegen den Terror“ eingebettet. Die oft unkonventionell operierende CIA-Analystin Mathison erhält im Irak Informationen, dass es Terroristen gelungen sei, einen gefangenen amerikanischen Soldaten namens Brody „umzudrehen“. Ihre eigene bipolare Störung verbirgt sie. Ein komplexer Stoff. Die Förderung solcher Serien stand bislang nicht im Fokus des 2007 gegründeten DFFF, obwohl diese Serien in den vergangenen Jahren eine Aufwertung erfahren haben. Früher wurden Fernsehserien in der Branche eher belächelt, jetzt sind Geschichten wie „Breaking Bad“, „Mad Men“ oder „Homeland“ produktionstechnisch „state of the art“. Dennoch: Es ist seitens des DFFF mit dem – von 2014 auf 2015 – von 70 auf 50 Millionen Euro gefallenen Budget nicht damit zu rechnen, dass sich an den Richtlinien des Fonds etwas ändern wird. Diese Linien werden Anfang 2016 novelliert, ohne Auswirkungen auf Fernsehserien, sagt DFFF-Projektleiterin Cornelia Hammelmann.

Umso erstaunlicher, wenn sich eine US-Produktionsfirma wie Fox21 trotzdem für Berlin als Drehort entscheidet. Die Firma hüllt sich auf Anfrage nach Kosten und konkreten Plänen für „Homeland“ in Schweigen. Hierzulande muss auch erst mal Staffel Vier ausgestrahlt werden. Zur Erinnerung: Der Tod von Mathisons Freund und Widersacher, dem Doppelagenten Brody (Damian Lewis), am Ende der dritten Staffel hat den Plot aufgerüttelt, es gibt einen Neustart. Dazu gehört neben einem Ortswechsel aus dem Nahen Osten in die deutsche Hauptstadt ein Zeitsprung, so Gansa, wonach Carrie nicht länger Teil der CIA sein wird. „Die Handlung wird in Deutschland spielen, in Berlin.“ So wie das die Serie mit dem Nahostkonflikt getan hat, soll sie auch bei der Umsiedlung nach Europa die aktuellen politischen Ereignisse aus der Region miteinbeziehen. Dazu gehören die Geschehnisse in der Ukraine, wobei Gansa zugibt, dass hier auf einem schmalen Grat balanciert wird. In dieser Zeit soll Carrie Mathison jedenfalls ihre Erlebnisse in der CIA verarbeiten, die Verachtung und Desillusion, die sie am Ende der letzten Staffel empfunden hat. Sie wird nicht länger Teil der CIA sein.

Berlin ist die Hauptstadt des Kalten Krieges gewesen

„Homeland“ in Berlin. Das schauen sich internationale Serienproduzenten wie Netflix („Better Call Saul“) natürlich genau an. Wenn denn diese Serie auch ohne staatliche Förderung in Deutschland gedreht werden sollte, sei das ja erst recht ein Beweis für die gute Infrastruktur des Medienstandortes Berlin, sagt Jens Steinbrenner von der Produzentenallianz. Für Benjamin Benedict, Produzent Ufa Fiction („Unsere Mütter, unsere Väter“), ist Berlin als Drehort mit seiner einzigartigen Geschichte hochattraktiv. „Zugleich ist Berlin in professioneller Hinsicht ein Zentrum für Film- und TV-Produktionen aus aller Welt mit allerhöchster Qualität bei allen Filmschaffenden vor und hinter der Kamera, von großartigen Schauspielern bis zu professionellen Teams. Berlin ist die Hauptstadt des Kalten Krieges gewesen, in keiner anderen Stadt sind sich Ost und West so direkt begegnet. Deswegen war Berlin für lange Zeit auch die Hauptstadt der Spione.“

Wo genau Schaulustige Claire Danes beim Spionieren zugucken können, weiß noch niemand. Studio Babelsberg, Stichwort Kulisse, und Medienboard Berlin-Brandenburg, Stichwort Standortmarketing, dürften interessiert sein, sagen aber nichts. Dass „Homeland“ hierherkommt, dazu könnte das Wirtschaftsministerium beitragen. In Rede stehen Förderbeträge im zweistelligen Millionenbereich, jährlich. Wie von Minister Sigmar Gabriel anlässlich der Berlinale verkündet, wird das Ministerium das Engagement für die Filmwirtschaft weiter verstärken und ein eigenes Förderinstrument ins Leben rufen. Neben der Förderung von international koproduzierten Filmen, so ein Sprecher, sehe das Konzept auch die Förderung hochkarätiger Serienformate vor. Es wird damit gerechnet, dass das Förderprogramm im Herbst 2015 startklar sein wird.

Für „Homeland“ dürfte das recht spät sein. Die Serienmacher haben einen ambitionierten Zeitplan. In den USA soll Staffel Fünf im September starten.

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