Honorare im öffentlich-rechtlichen Rundfunk : Ignoranz plus Arroganz

Was Experten und Moderatoren bei ARD und ZDF verdienen, muss öffentlich sein.

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Transparenz ist im Rundfunkbeitrag bislang nicht inbegriffen.
Transparenz ist im Rundfunkbeitrag bislang nicht inbegriffen.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Also echauffierte sich ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky: „Es gleicht beinahe schon vorsätzlicher Bösartigkeit, welche Zahlen im Zusammenhang mit dem Expertenvertrag von Mehmet Scholl geschrieben werden.“ Dann schwieg er. Also dekretierte ZDF-Intendant Thomas Bellut: „Oliver Kahn ist jeden Euro wert, den er bei uns verdient hat.“ Dann schwieg er.

Anfragen zu den Honoraren der Fußballexperten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen werden von den Sendern nie beantwortet; sind Summen genannt, läuft die Dementimaschine – falsch, zu hoch, unerhört. Was Scholl und Kahn verdienen, ist top secret, die vertraglich vereinbarte Verschwiegenheit wird zur Verschweigeklausel.

Eine Haltung mit überschrittenem Haltbarkeitsdatum. Spätestens mit dem Wechsel von der empfangsbezogenen Rundfunkgebühr zum Rundfunkbeitrag: Seit 2013 muss ganz Deutschland den öffentlich-rechtlichen Rundfunk finanzieren, mehr als 8,1 Milliarden Euro fließen jährlich auf die Senderkonten.

ARD und ZDF gehen davon aus, dass dieses Privileg mit der Produktion und Ausstrahlung von Programm abgegolten ist.

Eine Ignoranz, weil der entscheidende dritte Faktor fehlt: Transparenz. Der Begriff ist den Öffentlich-Rechtlichen nicht unbekannt. In Legionen von Kommentaren werden Politik und Wirtschaft, Verwaltung und Bürger aufgefordert, sich ehrlich zu machen. Macht ihr mal, wir machen nicht mit. Ignoranz steigert sich zur Arroganz.

Wer die Pflicht zum Beitrag hat, hat das Recht zu erfahren, was ARD und ZDF mit seinem Beitrag machen. Was eine Talkshow „Anne Will“ kostet, was Til Schweiger für seinen „Tatort“ verdient, in welcher Höhe Mehmet Scholl und Oliver Kahn für ihre WM- und EM- Expertisen entlohnt werden.

Es gibt Gründe, warum Scholl, Schweiger, Will gut bezahlt werden

Glaubt wirklich einer, die hofierten Stars würden ARD und ZDF in Scharen verlassen, sobald deren Honorare bekannt werden? Scholl und Kahn vergolden ihre Bildschirmpopularität mit Werbung und weiteren Auftritten.

Und dass sich die TV-Konkurrenz von RTL bis Sat 1 nach dem Scheckschreiben für die Bestverdiener von ARD und ZDF sehnt? Zahlreiche öffentlich-rechtliche Formate existieren bei den Privaten gar nicht.

Jeder Vertrag ist auch ein Vertragswerk, hinter jeder Bildschirmpräsenz stecken zahlreiche Aufwandsfaktoren. Und hinter jeder Prominenz steht die Gefahr, dass das Publikum den Daumen senkt. Das RTL-„Dschungelcamp“ als Abklingbecken nachlassender Massenattraktivität hat was vom TV-Strafbataillon.

Es gibt Gründe, warum Scholl, Schweiger, Will gut bezahlt werden. Aber sind diese Gründe nicht gut genug, um die offengelegten Honorare zu vertreten und zu verteidigen? Es scheint, als ob die Sender zu faul oder zu feige dafür sind.

Transparenz hat den Vorteil und den Nachteil der Ehrlichkeit. Bei jeder „öffentlichen“ Summe für einen Star droht eine Neiddebatte plus die Aufregung, dass die Öffentlich-Rechtlichen das Geld der Beitragszahler verprassen würden. Da müssen sie durch.

Wer Milliarden im Zwangsverfahren einnimmt, aber verschweigt, wie er die Millionen ausgibt, der handelt zwanghaft falsch. Es geht um Geld, mehr noch, es geht um Glaubwürdigkeit.

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