Im Berliner Stellwerk : ZDF-Hauptstadtstudio unter Druck

Das ZDF muss sparen. Doch ausgerechnet kurz vor der Bundestagswahl wird im Hauptstadtstudio über die Maßen gekürzt, klagen Mitarbeiter aus Berlin. Jetzt gab es eine Krisensitzung.

von
Berichten im ZDF über die Bundestagswahl: Bettina Schausten, Marietta Slomka, Mitri Sirin, Peter Frey und Maybrit Illner.
Berichten im ZDF über die Bundestagswahl: Bettina Schausten, Marietta Slomka, Mitri Sirin, Peter Frey und Maybrit Illner.Foto: dpa

Die Zentrale der Deutschen Bahn sitzt in Berlin und sie hat ein mächtiges Problem am Bahnhof in Mainz. In Mainz sitzt die Zentrale des ZDF und sie hat ein mächtiges Problem mit dem Studio in Berlin. Ähnlich, wie die Mainzer vom Zugverkehr abgehängt werden, fühlen sich die Mitarbeiter in der ZDF-Dependance Unter den Linden vom Lerchenberg verlassen. Einer schrieb empört: „Wir sind das Mainzer Stellwerk.“ Heißt: Im Hauptstadtstudio werde über die Maßen am Personal gespart, besonders die freien Mitarbeiter seien betroffen, die Qualität der Produktion gefährdet. Am Montag gab es eine erste Krisenversammlung.

Die Vorgabe: 75 Millionen Euro bis 2016

Im Zollernhof sind aktuell 470 feste und freie Mitarbeiter beschäftigt. Über das „Morgenmagazin“, „aspekte“, „Frontal 21“, die politische Berichterstattung wie „berlin direkt“ liefert das Hauptstadtstudio in der Regel zehn Prozent des ZDF-Programms. Jetzt, im Vorfeld der Bundestagswahl am 22. September, erhöht sich die Marge. Die Arbeit unter Hochdruck in Berlin wird vom Spardruck aus Mainz überlagert. Das ZDF muss sparen, 75 Millionen Euro beim Personal bis 2016, so lautet die unmissverständliche Ansage der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs von ARD und ZDF (KEF).


Das sind nach Angaben eines Sendersprechers 400 Vollzeitstellen, da manche Stelle auch gesplittet ist, können bis zu 800 Mitarbeiter der ursprünglich 6000 im In- und Ausland betroffen sein. Die Trennungsrate bei den freien und festen freien Mitarbeitern soll höher sein als bei den festangestellten, die dagegen klagen können. Das trifft die Redaktionen wie „Frontal 21“ und „aspekte“ und deren Autorenschaft wie auch die Bereiche von Produktion und Technik härter. Im Zollernhof hat sich die Meinung verbreitet, dass der Personalabbau im Hauptstadtstudio proportional mehr Mitarbeiter erwischt als in der Zentrale. Das wird dort heftig bestritten. Joachim Huber

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben