Im iFieber : ARD beendet „Markencheck“ mit Apple

Bei Technikprodukten mit dem Apfel-Logo schalten viele Zeitgenossen schon mal ihr Hirn aus, vermuteten die Autoren des ARD-"Markenchecks". Ganz gradlinig ist aber auch deren Beweisführung nicht.

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Das Gehirn des Menschen tut, was es will. Erblicken wir ein Apple-Gerät, wird unser Temporallappen ganz unruhig – als wäre das iPhone ein emotionales Gesicht, das wir ergründen wollen. Sehen wir Bilder von der Konkurrenz, von Samsung, rührt sich der präfrontale Cortex – also die Region, mit der wir planen und entscheiden. Das hat der Berliner Neurowissenschaftler Jürgen Gallinat nach Tests mit 25 Probanden herausgefunden. Apple-Produkte sprechen uns Konsumenten also emotionaler an, im Guten wie im Bösen. Design-Studentin Simone zum Beispiel schwärmt und strahlt und berichtet von „Glücksgefühlen“, während Mediengestalter Tim von „Diktatur“ und „Gleichschaltung“ spricht: „Ich muss mich nicht einreihen in die große Schlange der iPod-Zombies.“
Dem i-Fieber widmet sich heute Abend der vierte und letzte Teil der dritten „Markencheck“-Staffel im Ersten. Es spricht ja vieles dafür, dass die ARD mit der ganzen auch in den dritten Programmen um sich greifenden Checkerei mehr auf unseren Temporallappen als auf den präfrontalen Cortex zielt. Zum Beispiel versenken Simone und Tim ihre Smartphones irgendwann in zwei Biergläsern – wir sehen zwei emotionale Gesichter, hören ihr Schmerzens- und Jubelgeheul und beobachten, wie zwei Menschen auf Geheiß des Fernsehens in einer Kneipe etwas sehr Kindisches tun. Und hinterher analysiert ein Techniker ganz kühl, wie gut Smartphones eigentlich Bier vertragen. Das Ergebnis, grob zusammengefasst: Man lässt es besser.
Der Informationswert der „Markencheck“-Filme ist eher begrenzt, das ist auch in diesem Fall so. Die vier Urteile, die nach jedem Kapitel gesprochen werden, sind ohnehin verwirrend. Apple „infiziert stark“, heißt es da, womit übrigens nicht Computer-Viren, sondern die emotionale Markenbindung gemeint ist, und erhält dafür drei von drei möglichen Äpfeln. Was soll das nun sein, Lob oder Tadel? Und wenn man, wie in beinahe jedem Film der Reihe, Preis und Fairness beurteilt, ohne dabei einen Zusammenhang herzustellen, wird es geradezu heikel: Dass die Arbeiterinnen in China bei den Apple-Zulieferern schlecht bezahlt werden und in Wohnheimen menschenunwürdig leben, belegt der Film am Ende. Aber zuvor die zu hohen Preise der Apple-Produkte zu beklagen, wirkt seltsam. Oder heuchlerisch. Was soll das bedeuten: Es soll schon fair zugehen, aber für uns im Westen, bitteschön, auch nicht zu teuer werden?
In der Primetime werden ohnehin keine unternehmensstrategischen Hintergründe analysiert. Nichts über Prozesse gegen Konkurrenten, nichts über Software-Monopole, nichts über den Umgang mit Kundendaten. Dafür gibt es Ratespiele mit Passanten. Ziemlich simpel ist es auch, einen Redakteur von „Stiftung Warentest“ die jüngsten Test-Ergebnisse referieren zu lassen. Anschaulicher wird es immerhin, wenn Professor Jan Borchers von der RWTH Aachen drei Tablets verschiedener Anbieter auf den Zahn fühlt. Man kann hier auch als Laie verstehen, was mit intuitiver Bedienung gemeint ist. Wobei die stoisch und stumm um den Professor herumsitzenden Studenten allerdings keinen sehr intuitiven Eindruck machen – was nun auch wieder lustig ist.
Ein paar Szenen bleiben eben doch hängen. Wenn selbst Arbeiter herumdrucksen, weil sie nicht verraten dürfen, dass sie am Bau eines neuen Apple-Stores beteiligt sind, sagt das über die Macht des Konzerns einiges aus. Und wenn Rentner Dieter Gripp, der vergeblich auf fachkundige Beratung im Apple-Store hoffte, schließlich beim Mann vom WDR-Mac-Support glücklich wird, ist das zwar ein nichtssagender Einzelfall. Aber wenn sich beide dann über Gripps Urlaubsbilder unterhalten („Das sind Rochen, die können sie streicheln.“ „Verrückt“), wirkt das irgendwie berührend – und auch das macht eben Fernsehen aus. Fragen Sie Ihren Temporallappen.
Dank des mit 5,89 Millionen Zuschauern (17,0 Prozent Marktanteil) erfolgreichen „Edeka/Rewe-Checks“ hat sich die dritte „Markencheck“-Staffel gegenüber der zweiten im Mai des vergangenen Jahres von einem Marktanteil von 10,9 auf bisher 11,7 Prozent verbessert. Allerdings waren am „ADAC-Check“ (3,54 Millionen/10,3 Prozent Marktanteil) und am „TUI-Check“ (2,83/8,0) deutlich weniger Zuschauer interessiert. Der „Edeka/Rewe-Check“ liegt damit insgesamt auf Rang zwei – hinter dem im Januar 2012 ausgestrahlten „Lidl-Check“ (6,31/18,5).

Thomas Gehringer

„Der Apple-Check“; ARD, 20 Uhr 15

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