Im RADIO : Ein Hund schreibt einen Liebesbrief

Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

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Auch China hat seinen Sherlock Holmes gehabt. Er hieß Richter Di, lebte im 7. Jahrhundert und war nicht nur scharfsinnig und unerschrocken, sondern auch gerecht und gütig. Eine legendäre Figur aus alten chinesischen Chroniken, die in Robert van Guliks Hörspielkrimi „Mord in Kanton“ wieder lebendig wird. Richter Di sucht in der Hafenstadt Kanton nach einem verschwundenen Zensor und stößt dabei auf eine politische Verschwörung (SWR 2, 2. März, 22 Uhr 03; Teil 2. am 9. März; Kabel UKW 107,85 MHz).

In den Romanen des Amerikaners Philip K. Dick sind die Grenzen zwischen erster und zweiter Natur durchlässig. Maschinen werden menschenähnlich, und Menschen verlieben sich in Roboter. Berühmt geworden sind „Blade Runner“ und „Minority Report“ durch ihre Hollywood-Verfilmungen. Im Feature „The Dick Files“ erzählen Markus Metz und Georg Seeßlen von Leben und Werk eines Autors, der unter Science-Fiction-Lesern schon lange Kultstatus hat (Deutschlandradio Kultur, 3. März, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Ein Büroangestellter wird mit Glatze geboren, ein Hund schreibt einen Liebesbrief, eine Nase verschwindet aus dem Gesicht eines braven Beamten, Gespenster rauben in Petersburg die Mäntel der Passanten. So geht es zu in den skurrilen Geschichten von Nikolai Gogol. Ein großer Avantgardist der russischen Literatur, bizarrer Romantiker, eine zu Lebzeiten sehr umstrittene Figur. „Alle halten mich für ein Rätsel“ heißt ein Feature von Antje und Michael Leetz, das Gogols fantastischen Erfindungen nachgeht und der Fülle von Interpretationen (Kulturradio RBB, 4. März, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Eine Stimme berichtet von lange zurückliegenden medizinischen Experimenten an Kindern. Es ging um ein Mittel gegen eine tödliche Krankheit, wahrscheinlich ging es um das Überleben älterer Personen, das die Kinder mit ihrem Leiden ermöglichen sollten. Mark Ravenhills Hörspiel „Das Experiment“ ist ein eindrucksvolles Spiel mit sozialen Horrorfantasien. Im abstrakten Kunstraum pochen und wühlen die Erinnerungen, die Grenze zwischen Gedächtnisverlust und Lüge sind schwer auszumachen. Mit seinen Metaphern umkreist das Hörspiel alle Grauen der Welt, die Fähigkeit des Menschen, Böses zu tun und seine Taten danach zu verdrängen, ohne sie vergessen zu können (Deutschlandradio Kultur, 4. März, um 18

Uhr 30).

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