Interview : „Irgendwann fällt bei jedem die Maske“

Ab Freitag ist es wieder so weit: „Dschungelkönig“ Peer Kusmagk über das neue „Dschungelcamp“, Schlagzeilensucht und Inszenierungen.

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Seine Krone ist inzwischen verwelkt, aber sein Zepter bewahrt Peer Kusmagk, „Dschungelkönig“ 2011, in seiner Kreuzberger Bar auf.
Seine Krone ist inzwischen verwelkt, aber sein Zepter bewahrt Peer Kusmagk, „Dschungelkönig“ 2011, in seiner Kreuzberger Bar auf.Foto: RTL

Herr Kusmagk, mussten Sie Ihre Krone schon abgeben?

Nein, die ist inzwischen auch ziemlich verwelkt, denn sie besteht nur aus Blumen und anderen Dschungelgewächsen. Aber das Zepter steht in meiner Bar in Kreuzberg und über den Titel „Dschungelkönig“ freue ich mich weiterhin. Als Gewinner ist man für die Zuschauer eine Mischung aus Bundespräsident und Karnevalsprinz.

Um den Titel des „Dschungelkönigs“ kämpfen ab heute in der neuen Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ elf Prominente. Sie essen dafür Känguru-Hoden, campieren im australischen Dschungel und lassen sich 24 Stunden lang filmen. Warum tun die sich das an?

Viele machen kein Hehl daraus, dass sie das aus einer finanziellen Notsituation heraus machen. Ich fand aber vor allem das Experiment spannend: Was macht es psychisch mit einem Menschen, zwei Wochen lang in Isolationshaft mit zehn Unbekannten und unter Mangelernährung zu leben und dabei auch noch gefilmt zu werden. Dazu auf SMS, Twitter, Facebook zu verzichten.

Das können Sie auch in den Brandenburger Wäldern haben.

Sicher, aber das macht man natürlich nicht von alleine. Und am Ende wäre es natürlich gelogen, wenn man sagt, dass das Geld keine Rolle spielt. Viele Prominente nutzen die Show sicher auch, um sich wieder ins Gespräch zu bringen.

Macht Scheinwerferlicht so süchtig, dass am Ende selbst ein Format wie das „Dschungelcamp“ wie ein Segen erscheint, um in die Schlagzeilen zu kommen?

Ich habe am Lee Strasberg Institute in Los Angeles Schauspiel studiert, weil ich gerne auf der Bühne stehe und Leute unterhalte – hat man dazu keine Möglichkeit mehr, dann vermisst man das natürlich.

Bei Strasberg zu starten und im „Dschungelcamp“ zu stranden, das muss schmerzen.

Auf der Schauspielschule denkt man, dass man später Shakespeare und Ibsen spielt, wenn’s mal nicht so läuft, einen Brecht oder einen Heiner Müller. Aber die Fernsehrealität sieht ganz anders aus. Bekommt man durch Formate wie das „Dschungelcamp“ die Möglichkeit, wieder in der Öffentlichkeit zu stehen und sich zu präsentieren, ist das für viele Prominente sicher verlockend.

Dieses Jahr sind besonders viele „Ex“-Teilnehmer irgendwelcher Shows dabei. Das „Dschungelcamp“ scheint der perfekte Recyclinghof fürs Privatfernsehen zu sein.

Ich hab das nie so gesehen. Und Teilnehmer wie Mathieu Carrière, Rainer Langhans und Katy Karrenbauer aus dem vergangenen Jahr gehören sicher nicht in diese Kategorie. Aber dieses Jahr sind tatsächlich viele „Ex“-Leute dabei.

Es entsteht der Eindruck, dass viele Szenen im „Dschungelcamp“ abgesprochen sind. Wie echt ist das Affentheater, das die Zuschauer zu sehen bekommen?

Es gibt vorher weder ein Script noch während der Sendung Regieanweisungen. Alles, was vermeintlich inszeniert aussieht, passiert aus der Situation heraus. Und selbst wenn man sich vornehmen würde, eine bestimmte Rolle zu spielen, könnte man das nicht durchhalten, weil die Bedingungen dort so extrem sind. Irgendwann fällt bei jedem die Maske.

„Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ erzielt stets Rekordquoten. Was fasziniert Millionen Zuschauer so sehr an diesem Trash-TV?

Ich glaube, es ist eine Mischung. Einerseits die Lust daran, andere Menschen in ganz privaten Situationen zu beobachten und Mäuschen spielen zu dürfen. Anderseits sind die Zuschauer sicher auch schadenfroh, wenn Prominente in ein Kakerlakenbecken reingeschmissen werden.

Was hat Ihnen das „Dschungelcamp“ außer der Antrittsprämie von 50 000 Euro und dem Preisgeld von 80 000 Euro gebracht?

Meine Großmutter hat gesagt, man spricht nicht über Geld. Am meisten haben sich die Erfahrungen gelohnt, die ich unter den Extrembedingungen gemacht habe. Dazu habe ich neue berufliche Angebote bekommen, ich drehe beispielsweise eine Krimiserie fürs ZDF und stehe bald wieder als Moderator vor der Kamera.

Werden Sie auch dann nicht immer nur als der „Dschungelkönig“ wahrgenommen?

Ich habe zweieinhalb Jahre bei der RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ mitgespielt und da hat auch jeder gesagt: Machst du einmal „GZSZ“, bleibst du immer der Ex-„GZSZ“-Star. Auch das ist nicht passiert. Es ist immer wichtig, sich nicht abstempeln zu lassen – und sicher auch, nicht alles mitzumachen.

Das können Sie dann ja auch Ihrem Nachfolger raten.

Mein Liebling ist Ailton. Ich bin großer Fußballfan und er wird da sicher einen großen Unterhaltungswert mit reinbringen. Nur weiß man bei ihm nicht, ob er nur mitmacht, um mal wieder abzunehmen.

Das Interview führte Sonja Pohlmann.

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