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Interview mit Günter Wallraff : "Die Medien mit Religions-Karikaturen überschwemmen"

21.09.2012 21:29 Uhrvon
Demonstrationen gegen den Mohammed-Schmähfilm. Viele Muslime fühlen sich durch ihn beleidigt.Bild vergrößern
Demonstrationen gegen den Mohammed-Schmähfilm. Viele Muslime fühlen sich durch ihn beleidigt. - Foto: dapd

Die muslimische Welt ist in Aufruhr wegen eines Films und einiger Karikaturen. Wie weit darf Meinungsfreiheit gehen? Der Journalist Günter Wallraff spricht darüber im Tagesspiegel-Interview und nimmt Stellung zu Salman Rushdie und Blasphemie.

An vielen Orten auf dem muslimisch geprägten Teil des Globus gehen Hunderte oder Tausende auf die Straße, weil sie von einem Amateurfilm im Internet gehört haben, der den Propheten Mohammed verunglimpft. Wie viel Rücksicht müssen Demokratien auf solche Emotionen nehmen?

Jeder Mensch hat das Recht, seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen, das gehört auch zur Meinungsfreiheit. Sie endet aber ganz klar da, wo Leute zu Schaden kommen, bedroht oder getötet werden. Meist steckt dahinter eindeutig organisierter Terror, wie im Fall Salman Rushdie.

Gegen Rushdie erging 1989 eine Fatwa wegen seines Romans „Satanische Verse“. Sie haben ihm damals privates Asyl bei sich zu Hause gegeben und Solidaritätsinitiativen für ihn gestartet. Was hören Sie inzwischen von ihm?

In den vergangenen Jahren habe ich ihn zwei Mal wieder getroffen, und ich freue mich, dass seine Autobiografie gerade jetzt erscheint, genau zum richtigen Zeitpunkt. Für den Titel – „Josef Anton“ – verwendet er den Decknamen, den er sich zum Schutz zulegen musste. Rückblickend meint er heute, er hätte sich über seine Verfolger schon damals sogar noch deutlicher äußern sollen, als er es ohnehin tat.

Günter WallraffBild vergrößern
Günter Wallraff - Foto: dpa

Im Mai dieses Jahres haben Sie den iranischen Musiker Shahin Najafi bei sich aufgenommen, gegen den es ebenfalls eine Fatwa gab.

Sogar vier Fatwas gibt es gegen ihn! In zweien haben ihn Ayatollahs namentlich genannt. Shahin Najafi war schon 2005 für einen Song, den er geschrieben hatte, zu 100 Peitschenhieben und drei Jahren Haft verurteilt worden. Das war der Grund für ihn, ins Exil nach Deutschland zu gehen. Jetzt sind 100 000 Dollar Kopfgeld auf ihn ausgesetzt, er muss sich verstecken. In iranischen Internetforen werden Killerspiele verbreitet, in denen man virtuell auf ihn Jagd machen kann.

Bildergalerie: Deutschland debattiert über Aufführungsverbot des Anti-Islam-Films

Wie helfen Sie Najafi?

Er hat sich an mich gewandt, und ich unterstütze ihn, wir sind inzwischen Freunde geworden. Bis vor einer Woche hat er auch bei mir gewohnt, jetzt ist er an einem Ort, der noch sicherer für ihn ist. Es wäre aber gefährlich für ihn, zu sagen, wo er jetzt ist. Für ihn, für jeden in seiner Lage, ist es furchtbar, vor derartigen Drohungen auf der Flucht sein zu müssen – sogar noch in einem freien Land. Der psychische Stress, die Einschränkungen, sind enorm. Aber es stärkt, dass auf den Aufruf, den Klaus Staeck und ich gestartet haben, so viele Solidaritätsadressen – auch von bekannten Künstlerkollegen – eingegangen sind.

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