Interview mit "Monopol"-Chefin Elke Buhr : „Wer zieht welche Fäden?“

Welche wirtschaftlichen Interessen stecken dahinter? „Monopol“-Chefredakteurin Elke Buhr über die Kunstszene, Lifestyle und Anlagetipps.

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Coverboy des aktuellen Heftes ist der Schriftsteller Michel Houellebecq, der sich als Künstler versucht. Die verkaufte Auflage von „Monopol“ beträgt rund 45 000 Exemplare. Foto: Promo
Coverboy des aktuellen Heftes ist der Schriftsteller Michel Houellebecq, der sich als Künstler versucht. Die verkaufte Auflage...Foto: Promo

Frau Buhr, „Monopol“ ist innerhalb von Berlin schon mehrfach umgezogen, kurz danach gab es auch einen Wechsel in der Chefredaktion. Ist das noch Zufall?

Die Wechsel und die Umzüge waren nicht immer in zeitlicher Nähe, da könnte auch Sherlock Holmes keinen Zusammenhang finden. Wichtig ist: Wir haben im letzten Herbst sehr schöne Räume am Gleisdreieck gefunden. Und: Ich freue mich, das Heft nun zu leiten, gemeinsam mit Sebastian Frenzel als Stellvertreter.

Welche inhaltlichen Akzente werden Sie in den nächsten Monaten setzen?
Im Kern bleibt „Monopol“, was es ist: ein Magazin über zeitgenössische Kunst, das nebenbei Architektur, Mode, Design und Popkultur in den Blick nimmt. Anders als andere Kunstmagazine, haben wir eine dezidiert journalistische Herangehensweise an die Kunst. Wir sind nicht nur ein Heft für Insider, sondern wollen vermitteln, das bleibt. Aber es werden wohl ein paar neue Gesichter im Heft auftauchen. Ich möchte, dass „Monopol“ diverser wird, so wie ja auch die Kunstszene immer diverser und internationaler wird. Das erste Titelbild, das ich verantwortet habe, zeigte den afroamerikanischen Künstler Theaster Gates.

„Monopol“ nennt sich im Untertitel „das Magazin für Kunst und Leben“. Wird es mehr Lifestyle geben?
Wir interessieren uns immer schon für Crossover. Coverboy des aktuellen Heftes ist zum Beispiel der Schriftsteller Michel Houellebecq, der sich in diesem Sommer als Künstler versucht. Der ist allerdings das Gegenteil von glossy. Wenn wir Mode und Design ins Heft holen, was wir weiterhin tun werden, dann eher als Lebensstil denn als Lifestyle. Den Untertitel hat der Magazingründer Florian Illies ja damals von der Illustrierten „Jugend“ ausgeliehen, die zum Ende des 19. Jahrhunderts dem Jugendstil ihren Namen gab. Das finde ich gerade heute wieder sehr passend, denn in der zeitgenössischen Kunst gibt es eine starke Bewegung, die die Grenzen zwischen Gestaltung des Alltags, Design und Kunst, also eigentlich zwischen Kunst und Leben, niederreißt.

"Monopol"-Chefredakteurin Elke Buhr Foto: Promo
"Monopol"-Chefredakteurin Elke BuhrFoto: Promo

Bleibt es bei der Konzentration auf aktuelle Kunst? Ihre Leser besuchen doch sicher auch mal Ausstellungen mit Werken früherer Jahrhunderte.
Die Konzentration auf zeitgenössische Kunst zeichnet uns vor anderen Kunstmagazinen aus, dafür werden wir gelesen, wir bleiben dabei.

„Monopol" und das Politikmagazin „Cicero“ sind vor wenigen Monaten vom Ringier-Verlag an die Chefredakteure von „Cicero“ verkauft worden. Mit welchen Konsequenzen für Ihre Redaktion?
Wir sind jetzt Teil eines kleinen, wendigen Unternehmens mit flachen Hierarchien, das von Journalisten geführt wird, das sehe ich als große Chance. Inhaltlich nehmen die neuen Herausgeber Christoph Schwennicke und Alexander Marguier keinen Einfluss.

Weiß ich nach der Lektüre Ihres Magazins, in welche Künstler ich investieren sollte?
Wir wollen keine Anlagetipps geben, sondern über das Kunstgeschehen informieren und vermitteln, wie die Kunstwelt tickt. Aber natürlich sind wir auch ein Magazin, das Sammler gern lesen. Wir haben unsere Kunstmarktberichterstattung kontinuierlich ausgebaut. Auch weil das journalistisch gesehen ein äußerst spannender Bereich ist. Wer zieht im Kunstbetrieb welche Fäden? Welche wirtschaftlichen Interessen stecken dahinter? Was ist die Rolle der Galerien, des Auktionsmarktes? Hier kann man manchmal geradezu Krimis schreiben.

Wie kann ein Nischenprodukt wie eine monatliche Zeitschrift über Kunst finanziell erfolgreich und auch für Leser jenseits des Fachpublikums interessant sein?
Die Nische ist unsere Chance. Befragungen ergeben, dass Bildung und Einkommen der „Monopol“-Leser weit über dem Durchschnitt liegen. Als Kunstfreunde sind sie auch sehr stilbewusst. Das macht unser Magazin attraktiv für Anzeigenkunden. Und wenn man bedenkt, dass die letzte Documenta in Kassel von 860 000 Menschen besucht wurde, scheint unsere Nische gar nicht so klein.

Elke Buhr. Seit 1. Mai neue Chefredakteurin des monatlich erscheinenden „Monopol - Magazin für Kunst und Leben“. Sie gehört der Redaktion seit 2008 als stellvertretende Chefredakteurin an.

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