Interview mit Sportkommentator Béla Réthy : "Ich möchte einfach drauflospöbeln"

ZDF-Mann Béla Réthy über die Fußball-EM, seine Gefühle während der Partien und einen großen Wunsch.

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Wissen, was läuft. Béla Réthy ist der führende Fußball-Kommentator des ZDF. Diese Aufgabe übernimmt der 55-jährige Sportjournalist auch am Mittwoch beim Spiel Niederlande–Deutschland und beim EM-Finale am 1. Juli.
Wissen, was läuft. Béla Réthy ist der führende Fußball-Kommentator des ZDF. Diese Aufgabe übernimmt der 55-jährige Sportjournalist...Foto: dapd

Herr Réthy, was ist spannender: Champions League oder die EM?
Eine gemeine Frage. Aber: wir haben beim ZDF jetzt so viele Jahre auf die Champions League gewartet, dass es ein Gefühl ist fast wie Weihnachten, jetzt, da wir von der nächsten Saison an dabei sind. Der beste Fußball der Welt, diese tollen Stadien: Darauf freue ich mich immens. Die EM ist auch eine tolle Sache. Aber das Neue, das Unbekannte, bietet einen zusätzlichen Reiz.

Keine Angst vor der großen Aufgabe?

Nicht, wenn man wie ich seit 20 Jahren auf höchster Ebene Fußball kommentiert. Ich habe Adrenalin im Blut, wenn ich an die Champions League denke. Das ist so, als wenn Sie Schauspieler wären und nach langen Jahren eines Ihrer Lieblingstücke auf der großen Bühne aufführen dürften.

Die Faszination des Fußballs scheint ungebrochen, ja sogar immer noch zuzunehmen. Macht Ihnen das manchmal Sorge?

Ich genieße das eher. Das Niveau der Bundesliga und unserer Nationalmannschaft ist so gut, dass es große Freude bereitet. Und das Interesse ist da. Dass da Summen im Spiel sind, die einen schwindeln lassen, das ist eine andere Sache. Der Fußball von heute ist ein perfektes a: Produkt, b: Fernsehprodukt.

Was wird uns diese EM Neues bringen?

Das kann ich noch nicht sagen. Ich kann nur diese ständigen Unkenrufer nicht leiden. Vor der WM in Südafrika hat es diese Rufer auch gegeben, und was war? Eines der besten Turniere, die ich erlebt habe. Das soll nicht heißen, dass ich irgendetwas schönreden will. Aber was den Fußball und die EM angeht, empfehle ich: abwarten. Die politische Situation würde ich von der organisatorischen trennen.

Sie sind kein politischer, sondern ein Sportkommentator. Wie sehr lassen Sie sich von den politischen Umständen, Stichwort Menschenrechte in der Ukraine, beeinflussen? Erwarten wir zu viel von Ihnen?

Natürlich beschäftige ich mich intensiv mit der politischen Situation weltweit. Nicht nur in der Ukraine. Doch was soll man tun? Jeder hat in einem Team seine Funktion. Und ich bin Sportkommentator. Soll ich, wenn es in der 89. Minute zwischen Deutschland und den Niederlanden 1:0 steht und Holland einen Elfmeter zugesprochen bekommen hat, einen Diskurs über die Menschenrechte anfangen? Oder die orangene Revolution versinnbildlichen?

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