Interview über die Experten bei ARD & ZDF : „Honorare offenlegen!“

Geheimnisvoller ARD-Vertrag mit Mehmet Scholl: SWR-Justiziar Herman Eicher will Transparenz. Damit könnte auch die Diskussion um den Rundfunkbeitrag entspannter werden.

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Top-secret. Was Mehmet Scholl (rechts) für seine Expertisen im Gespräch mit Matthias Opdenhövel verdient, unterliegt der Verschwiegenheitsklausel in seinem Vertrag.
Top-secret. Was Mehmet Scholl (rechts) für seine Expertisen im Gespräch mit Matthias Opdenhövel verdient, unterliegt der...Foto: WDR/Sachs

Herr Eicher, ich hatte Sie jüngst aus einem Sitzungsprotokoll vom Oktober 2015 zitiert: „Bei den Fußballkommentatoren gebe es auch ein rechtliches Problem. Man könne nicht einfach das Honorar von Herrn Scholl veröffentlichen. Ohne seine Zustimmung gehe das nicht.“ Heißt: Die ARD wollte die Summe immer schon nennen, aber Mehmet Scholl wollte das nie?

Nein, die Verträge enthalten eine Verschwiegenheitsklausel, die früher nicht groß in dieser Form diskutiert wurde. Das hat sich entscheidend geändert, dennoch sind diese Vertragsklauseln natürlich einzuhalten. Übrigens: Ich bin nicht der ARD-Pressesprecher und beantworte ihre Fragen als SWR-Justiziar, der sich – mit Themen rund um den Rundfunkbeitrag vertraut – so seine Gedanken macht.

Der Artikel vermittelte den Eindruck, Sie würden heute noch das Honorar lieber verschweigen. Tatsächlich haben Sie Ihre Meinung geändert. Was bringt Sie dazu?

Ich stehe jeden Tag auf unterschiedlichste Weise in Verbindung mit überzeugten Kritikern des Rundfunkbeitrags. Denen zu sagen: „Es gibt keinen Weg am Rundfunkbeitrag vorbei, wir sagen euch aber nicht, was wir zum Beispiel bei den Expertenverträgen mit dem Geld der Beitragszahler machen“, passt einfach nicht mehr in die Zeit. Wir müssen daher alles daransetzen, das zu ändern.

Sind Sie der einsame Rufer in der ARD-Wüste?

Nein – ich bin mit vielen Kolleginnen und Kollegen dazu im Austausch und es dämmert neben mir auch vielen anderen Verantwortlichen in der ARD, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Aber es braucht halt seine Zeit, bis ein föderaler Verbund wie die ARD das auf einen Nenner gebracht hat.

Wann wird die ARD die viel beschworene Transparenz auch für die Honorare für Experten, Moderatoren und andere Vertragspartner anwenden?

Das wird aus meiner Sicht ein längerer Prozess werden und sich nicht ab einem bestimmten Stichtag ändern. Wichtig ist für mich, dass wir uns auf diesen Weg begeben, und klar ist auch: Es wird kein leichter sein …

Ist das nicht ulkig? Ich weiß, was jeder Intendant einer ARD-Anstalt verdient, aber das Honorar für Mehmet Scholl oder Anne Will bleibt ein Sendergeheimnis.

Ulkig finde ich das nicht. Aber es ist zu hinterfragen. Der Unterschied besteht darin, dass die Intendantinnen und Intendanten in einem öffentlich-rechtlichen Anstellungsverhältnis stehen, während Honorarverträge ausschließlich dem Privatrecht unterliegen.

Was muss die öffentlich-rechtliche ARD bei Veröffentlichung wirklich befürchten?

Aus meiner Sicht nichts. Das ist auch nicht das Problem. Aber zu einem Vertrag gehören immer zwei, und wir sollten in einem ersten Schritt zum Beispiel unseren „Sportexperten“ verdeutlichen, dass sie bei einem Senderverbund arbeiten, der von allen finanziert wird und dass nur Transparenz bei der Verwendung der Beitragsgelder die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stärkt.

Hermann Eicher, SWR-Justiziar
Hermann Eicher, SWR-JustiziarFoto: SWR/Monika Werneke

Haben Mitarbeiter wie Scholl eine pekuniäre Alternative zur ARD-Kasse?

Aber natürlich! Soweit zu lesen war, hat Herr Scholl für den Vertrag bei der ARD einen lukrativen Trainerjob beim FC Bayern aufgegeben. Und: Herr Scholl bietet Sport-Entertainment auf höchstem Niveau, das hat seinen Preis!

Herr Eicher, als SWR-Justiziar fungieren Sie quasi auch als „Beitragskommissar“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie scheuen die Auseinandersetzung mit den Beitragsgegnern nicht. Welches Honorar lässt sich da überhaupt verteidigen?

91 Prozent der Bürgerinnen und Bürger wollen, dass ARD und ZDF auch die nächste Fußball-EM übertragen. Das gerade zu Ende gegangene Turnier war ein höchst professionell gestaltetes, mediales „Gesamtkunstwerk“, und das hat seinen Preis. Eine – typisch deutsche – Neiddebatte wäre da wirklich fehl am Platz. Aber noch mal: Aus den Honoraren ein „Top-Secret“ zu machen, das lässt sich argumentativ nicht mehr durchhalten.

Weil dieses Interview viel um Ehrlichkeit und Transparenz geht: Was verdient Scholl durch seinen ARD-Vertrag? Ich habe von 800 000 Euro für zwei Jahre gehört.

Ich weiß es tatsächlich auch nicht. Allein die Summe sagt übrigens wenig, wenn man nicht die Laufzeit, die Zahl der Moderations- und Vorbereitungstage und andere Faktoren kennt. Ihre Frage verdeutlicht aber nochmals: Die Spekulationen um das Thema werden nur mit einem einzigen Zauberwort zu beenden sein: Transparenz.

Hermann Eicher, Justiziar des Südwestrundfunks, ist in Sachen Rundfunkbeitrag federführend in der ARD.

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