Interviewrunde : Brender is back

US-Format „Meet the Press“ als Vorbild: Der Ex-ZDF-Chefredakteur kehrt beim Nachrichtensender n-tv auf den Bildschirm zurück.

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Nikolaus Brender.
Nikolaus Brender.Foto: dpad

Die in den Medien beliebte Rubrik „Was macht eigentlich…?“ ist, nun ja, für den Befragten mitunter ein zweifelhaftes Vergnügen. Lange hatte man schon von der oder dem Prominenten nichts mehr gehört. Gerade noch rechtzeitig, bevor dem im März 2010 mehr oder weniger aus dem Amt gedrängten Ex- ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender diese heikle Frage gestellt werden könnte, kehrt einer der profiliertesten Journalisten auf den Bildschirm zurück: mit einem eigenen Polit-Format auf n-tv.

Wie schlugen bei diesem Abgang die Wogen hoch. Als der ZDF-Verwaltungsrat im November 2009 entschied, den Vertrag von Nikolaus Brender nach neun Jahren im Amt nicht zu verlängern, nutzte aller Protest nichts. Der selbstbewusste, parteilose ZDF-Chefredakteur war der Mehrheit der Unionsparteien im 14-köpfigen Verwaltungsrat, insbesondere dessen stellvertretendem Vorsitzenden Roland Koch, offenbar seit längerem ein Dorn im Auge. Brender wurde die vermeintlich schwache Quote in der Infosparte des ZDF in die Schuhe geschoben. Der ZDF-Chef musste sich Monate später verabschieden, sein Vertrag wurde nicht verlängert. Der Mann mit dem Schnauzbart verschwand von der Mattscheibe – bis zu diesem Donnerstag.

„Bei Brender!“ – der Vergleich des von Friedrich Küppersbuschs Firma probono produzierten Formats mit dem ARD-„Presseclub“ liegt nicht ganz fern. Der Journalist will nach dem Vorbild des amerikanischen TV-Klassikers „Meet the Press“ einmal im Monat mit drei Kollegen von anderen Medien – diesmal unter anderem: Marc Beise von der „Süddeutschen Zeitung“ – „einen Entscheider aus Politik oder Wirtschaft zum aktuellen Geschehen“ befragen. Es sei eine Interviewrunde und kein „Talk“, betonte Brender im dpa-Gespräch. Was Brender nach seinem Job beim ZDF gemacht habe: Ein Blick zurück im Zorn? „Ich wäre mit meiner Zeit schändlich umgegangen, hätte ich deswegen zu Hause gesessen und mich in die Tischkante verbissen.“ Seine Zwangspause vom Fernsehen hat er vor allem dazu genutzt, sich um seine Familie und sich selber zu kümmern. Außerdem schreibt er für die „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“. Zurzeit arbeitet er an einem Buch über die Pressefreiheit in Europa.

Das Thema, das auch Brenders Demission beim ZDF einfärbte, ließ den Journalisten nicht los. In Deutschland sei der Einfluss der Politiker auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen viel zu groß. „Die parteipolitisch gesteuerte Einmischung der Politik ist für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk heute nicht weniger bedrohlich.“ Nichts dazu gelernt hätten die Staatskanzleien, wie am Beispiel der Besetzung des MDR-Intendantenpostens deutlich geworden sei. Deswegen hofft er auf das Bundesverfassungsgericht. Die Klage der Landesregierung von Rheinland-Pfalz soll prüfen, ob in ZDF-Gremien die Parteien eine zu starke Rolle spielen.

Auch mit den Medien geht Brender ins Gericht. „Zu viele schielen auf die Schlagzeile der anderen. Ein Meutereflex, der nicht nur bei den Medien festzustellen ist. Auch Politiker, siehe Wulff in seiner Aufstiegsphase, hecheln und jagen der Presse nach einer positiven Schlagzeile hinterher. Sie sind nicht nur Gejagte.“ Ein interessantes Thema, dem sich heute auch Finanzminister Wolfgang Schäuble als erster Gast bei Brender, abseits der Hauptthemen Euro-Rettung und Steuerpläne, stellen dürfte.

„Bei Brender!“, n-tv, 17 Uhr 10

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