IOC macht eigenes Fernsehen : Im Bild sein ist alles

Der olympischer Sportkanal kommt. Damit kommen weniger wahrgenommene Sportarten wie Bogenschießen und Tanzen ins Bild. Wie reagiert die Konkurrenz von ARD und ZDF?

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Bogenschießen ist olympisch und damit ein klarer Kandidat für den olympischen Sportkanal
Bogenschießen ist olympisch und damit ein klarer Kandidat für den olympischen SportkanalFoto: dpa

Es mag ein wenig überraschen, aber das Internationale Olympische Komitee (IOC) sorgt sich um Gerechtigkeit. Um jene Gerechtigkeit, dass die sogenannten kleinen Sportarten in der öffentlichen Wahrnehmung nicht untergehen. Sport ist mehr denn Fernsehprogramm, und wenn eine Sportart da nicht „quotentelegen“ ist, werden sich weniger und weniger Fernsehkameras auf sie richten. Auch deshalb will das IOC im April 2016 einen eigenen Fernsehsender starten – und damit pünktlich zu den nächsten Sommerspielen, die im kommenden Jahr in Rio de Janeiro ausgetragen werden. Der eigene TV-Kanal ist einer der Schlüsselpunkte in der olympischen Agenda 2020 von IOC-Präsident Thomas Bach.

Auch wenn der olympische Sportkanal nur als digitale Plattform im Internet etabliert werden soll, ist klar, dass das Programm mit dem schon bestehenden Sportangebot konkurrieren wird. In Deutschland insbesondere vielleicht mit dem ZDF und der ARD und ihren Dritten Programmen, die neben den Quotenbringern Fußball und Biathlon eine Vielzahl von Sportarten abbilden. Die Vertreter der öffentlich-rechtlichen Sender warten jetzt gespannt auf das, was der olympische Sportkanal bringen will, wie Dieter Gruschwitz (ZDF) und Axel Balkausky (ARD) dem Tagesspiegel sagten. Gruschwitz sagte, „es gibt momentan noch zu wenige Anhaltspunkte, was die inhaltliche Ausgestaltung des IOC-Kanals betrifft. Insofern kann man mögliche Berührungspunkte, zum Beispiel Fernsehrechte, derzeit noch nicht absehen.“ ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky meinte, „so weit meine derzeitigen Kenntnisse reichen, wird der IOC-Sender die Sportberichterstattung des Ersten nicht beeinflussen, da es sich hierbei nicht um Rechte handelt, die sich im Portfolio der ARD befinden“. Aber der Senderverbund warte selbstverständlich ab, was das IOC seinen derzeitigen Rechtepartnern zum geeigneten Zeitpunkt präsentieren werde, erst dann sei eine klare Auskunft zu diesem Thema möglich.

Rugby und Tanzen bekommen ihre TV-Chance

Zeigen will der olympische IOC-Kanal vor allem Wettkämpfe wenig wahrgenommener olympischer Sportarten, um auf diese Disziplinen auch fernab der eigentlichen Spiele aufmerksam zu machen. Auch Sportarten, die Aspiranten fürs Programm sind, werden ihre TV-Chance bekommen. Was das IOC auf globaler Ebene anstrebt, hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schon umgesetzt, mit sportdeutschland.tv. Das internetbasierte, mit Werbung versehene Programm zeigt mehr als 40 Sportarten, darunter Volleyball und Tennis, aber auch Rugby und Tanzen.

Die Sportverbände, der DOSB wie das IOC, müssen aufpassen, sich mit eigenen TV-Plattformen die teuren Rechtedeals kaputtzumachen. Klar ist: Die Sommer- beziehungsweise Winterspiele werden auf dem IOC-Kanal zu sehen sein, immerhin wurden die Übertragungsrechte an den Sport-Events bereits an verschiedene Sender verkauft. In Deutschland wird Olympia 2016 von ARD und ZDF übertragen. Was die Sender für die Rechte bezahlt haben, verraten sie nicht. Bekannt dagegen ist, dass das IOC durch den weltweiten Verkauf der Fernsehrechte für die Olympischen Spiele 2014 (Sotschi) und 2016 (Rio de Janeiro) mehr als vier Milliarden Dollar (fast vier Milliarden Euro) erlöst hat. Das ist bisheriger Rekord.

Der olympische Sportkanal wird seinen Sitz in Spaniens Hauptstadt Madrid haben. Hier soll bis 2016 eine 100-köpfige Redaktion aufgebaut werden, sagte Yiannis Exarchos, Chef der Produktionsfirma Olympic Broadcasting Services. Er erwartet Einnahmen in Höhe von rund 600 Millionen Dollar (rund 580 Millionen Euro), die in den nächsten zehn Jahren durch den Sender eingespielt werden. Damit könnte das IOC seine Ausgaben decken, bis 2021 will der Verband 490 Millionen Euro in das Projekt stecken. Joachim Huber

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