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James Foley : Wie ZDF und ARD auf das Propaganda-Video von der Enthauptung des US-Reporters reagierten

Das "heute-journal" brachte ein Foto des Fotografen James Foley kurz vor dessen Hinrichtung durch Terroristen der IS-Milizen. Die gefasste Haltung Foleys angesichts seines Todes strahle eine besondere Würde aus.

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Gefasste Haltung. Das ZDF-„heute-journal“ brachte als einziges Medium ein ungepixeltes Foto des Fotografen James Foley kurz vor seiner Hinrichtung durch IS-Milizen. Screenshot: Tsp
Gefasste Haltung. Das ZDF-„heute-journal“ brachte als einziges Medium ein ungepixeltes Foto des Fotografen James Foley kurz vor...

Es war ein schwieriger Tag für die Nachrichten-Redaktionen. Wie geht man mit den Bildern, dem Video um, dass die Enthauptung des US-Reporters James Foley durch IS-Milizen zeigt, von den Mördern in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch auf Youtube gestellt? Die ARD brachte in der „Tagesschau“ am Mittwochabend ein gepixeltes Foto von Foley kurz vor der Hinrichtung, gefesselt kniend neben seinem Henker. Das ZDF-„heute journal“ wählte einen anderen Weg. Es gehöre zu den perversen Praktiken dieser Milizen, Videos von solchen Gräueltaten als Propaganda zu benutzen, deshalb zeige das ZDF davon allenfalls unbewegte Bilder, bei denen die Opfer verdeckt bleiben, um die Menschenwürde zu schützen, erklärte Moderator Claus Kleber vorab. Jedoch: „Dieses eine Mal haben wir anders entschieden, weil die gefasste Haltung von James Foley angesichts seines Todes eine Würde ausstrahlt, die den fanatischen Killern neben ihm unbegreiflich geblieben sein muss.“ Zu sehen war dann der kniende James Foley, in die Ferne blickend, etwas größer im Bild, ungepixelt, ohne Balken vorm Gesicht.

Blick auf die Todesangst

Es dauert ein bisschen, bis sich, bei aller Betroffenheit des Betrachters, ein Urteil über die Würde des Opfers einstellt. Das gezeigte Foto macht die Entscheidung des ZDF nachvollziehbar. Die Mehrheit der großen deutschen Nachrichtenmedien, wie die „Süddeutsche“ oder auch der Tagesspiegel, hat für die Ausgaben am Donnerstag allerdings auf Bilder von der Enthauptung des US-Journalisten James Foley durch die Terrormiliz Islamischer Staat verzichtet, vom Link auf das Schockvideo ganz zu schweigen. „Der unmittelbare Blick auf die Todesangst eines Menschen gehört nicht in das Angebot der dpa“, sagte Chefredakteur Sven Gösmann. „Dass wir das Bild unseren Kunden überhaupt zur Nutzung angeboten haben, halten wir allerdings für journalistisch geboten, es ist ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument.“

ZDF und ARD sind im Unterschied dazu etwas weitergegangen. Die Redaktion von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ haben intensiv über die Verwendung der Aufnahmen diskutiert, sagte der Zweite Chefredakteur von ARD aktuell, Christian Nitsche. Auf die konkrete Situation bezogen habe sich die gleiche Linie herausgebildet, wie sie auch der Deutsche Presserat favorisierte. „Wenn man einen Ausschnitt aus dem Video zeigt, dann lediglich ein kurzes Standbild, zudem wird das Gesicht des Entführten unkenntlich gemacht.“

Das Exekutions-Video ist weiter im Netz zu sehen

Und die Bilder? Stehen weiter im Netz. Laut Medienberichten soll Scotland Yard angedroht haben, dass die Weiterverbreitung des Exekutions-Videos auf Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter unter Strafe stehe. Das fünfminütige Video war am Donnerstag immer noch im Internet zu finden, sogar weiter auf dem beliebten Youtube-Portal. Der Kurznachrichtendienst Twitter hat die Konten von Benutzern, die das Video verbreiten, gesperrt. Das Video wird aber immer wieder aufs Neue hochgeladen.

Bleibt der etwas eigenwillige, durchaus mutige Umgang des ZDF-„heute-journal“ mit dem Video, der direkte Blick auf den gefesselten James Foley. Es gab zwei Zuschauer-Anrufe in der Redaktion, die sagten, solche Bilder sollte man gar nicht zeigen, sagte Claus Kleber. „Mir war am wichtigsten ein Anruf von einer Kollegin, die mit James Foley befreundet und natürlich erschüttert war.“ Sie habe die Lösung des ZDF als sehr im Sinne des Opfers empfunden. Das Gesicht zu verpixeln hätte das konterkariert. Und es nicht zu zeigen, hätte es unterdrückt.

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