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Jenseits vom Klischee : Sinn des Lebens

21.02.2012 13:31 Uhrvon
Klischees will das Magazin „365 One World“ widerlegen. Langstreckenläufer Haile Gebrselassie ist nicht etwa Putzmann, sondern er betreibt in Äthiopien eine Fitnessstudio.Bild vergrößern
Klischees will das Magazin „365 One World“ widerlegen. Langstreckenläufer Haile Gebrselassie ist nicht etwa Putzmann, sondern er betreibt in Äthiopien eine Fitnessstudio. - Foto: Promo

Afrika statt A-Promis: Beate Wedekind startet das Magazin „365 oneworld“. Die Publikation soll zeigen, dass Äthiopien sehr viel mehr ist als hungernde Kinder, vertrocknete Landschaften und politische Konflikte.

Als Beate Wedekind Mitte Januar im Hotel in Addis Abeba sitzt und in den Nachrichten sieht, dass zwei deutsche Touristen im Nordosten des Landes getötet wurden, denkt die Journalistin, dass sie jetzt wohl aufgeben muss.

Ein Magazin über Äthiopien will die frühere Chefredakteurin von Zeitschriften wie „Bunte“, „Elle“ und Produzentin von TV-Shows wie „Bambi“ und „Goldene Kamera“ machen. Zeigen, dass das Land mehr ist als hungernde Kinder, vertrocknete Landschaften und politische Konflikte. Ein Land, in dem sich Unternehmen wie Ara Shoes und Tchibo ansiedeln, junge Menschen erfolgreich eigene Firmen gründen wie Schuhdesignerin Bethlehem Tilahun Alemu und kaum ein Foto in Addis Abeba gemacht werden kann, ohne dass irgendwo ein Kran zu sehen ist, weil so viel gebaut wird.

Und dann passiert der Überfall und bestätigt das Klischee, das Wedekind doch widerlegen will.

Jahrelang hat sie selbst ein Klischee gelebt. Das Klischee der Chefredakteurin, die People- und Modehefte macht. Es war eine Welt, in der wichtig ist, welcher Promi sich von wem getrennt hat und wer welches Kleid trägt. Wedekind ist First Class um die Welt gejettet. Wer über Stars berichtet, soll reisen wie jene, hieß es damals. Es waren die goldenen 80er. Heute ist Wedekind 60 und lebt in Berlin-Kreuzberg. „Ich will auf meine alten Tage journalistisch noch mal etwas Sinnvolles tun", sagt Wedekind, aber nicht allein das treibt sie an. „Mich nervt es wahnsinnig, dass ich nicht mehr Chefredakteurin bin. Ich liebe nun mal Blatt machen über alles. Und das kann ich jetzt mit meiner eigenen Zeitschrift wieder tun.“

Seit zwei Jahren arbeitet sie an der Idee zu „365 oneworld“. Ein Magazin, das 365 Tage im Jahr aktuell sein soll und sich mit einem einzigen Thema beschäftigt. Nicht leicht in einer Zeit, in der neue Nachrichten fast im Sekundentakt über die Ticker laufen. Also müssen Themen her, die Leser auch dann interessieren, wenn der Bundespräsident abtritt oder ein neuer US-Präsident gewählt wird. Altern ist so ein Thema, meint Wedekind, das Heft dazu ist bereits in Planung. Und Afrika.

Dass sie ausgerechnet Äthiopien die erste Ausgabe von „365 oneworld“ widmet, hat mit ihrer engen Verbundenheit zu dem Land zu tun. Mitte der 70er arbeitete Wedekind, die gelernte Bankkauffrau ist und erst mit 30 Jahren bei der Berliner Zeitung „Der Abend“ volontierte, in der äthiopischen Hauptstadt als Logistikerin im Büro des Deutschen Entwicklungsdienstes. 1998 kam sie als Journalistin mit Karlheinz Böhms Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“ dorthin zurück und war überrascht, wie sehr sich Äthiopien in diesen knapp 20 Jahren entwickelt hat. Seither reist sie fast jedes Jahr für einige Monate nach Äthiopien, gibt an der Uni Workshops über Startups und Zukunftsplanung und erlebt, wie vor allem junge Menschen danach streben, ihr Land nach vorne zu bringen.

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