Journalistenpreis in Berlin : Irène Bluche gewinnt den "Langen Atem"

Seit acht Jahren begleitet Irène Bluche für das RBB Kulturradio eine Teeniemutter aus Hellersdorf, nun wurde sie für ihre Langzeitrecherche ausgezeichnet.

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Preisträgerin Irène Bluche
Preisträgerin Irène Blucherbb/Gregor Baron

Bei der zweiten Nominierung hat es geklappt: Irène Bluche ist am Dienstagabend mit dem Journalistenpreis „Der lange Atem“ ausgezeichnet worden. Sie erhielt den ersten Preis für eine Reihe von jährlichen RBB-Kulturradio-Features über die damalige Teenager-Mutter Mandy aus Hellersdorf und ihrem inzwischen achtjährigen Sohn Jonny. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert und wird vom Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) vergeben.

„Was mit dem klassischen Setting einer Sozialreportage beginnt, wird durch die Autorin zu so viel mehr als einem Report über ein ungewollt schwangeres Mädchen aus einem sozialen Brennpunkt", sagte Jurorin Dagmar Rosenfeld in ihrer Laudatio.

Bluche, die bereits in den vergangenen Jahren für den Preis nominiert worden war, hatte ursprünglich einen Beitrag über Jugendsexualität machen wollen. Bei ihrer Recherche in einem Hellersdorfer Jugendclub stieß sie auf gerahmte Kinderfotos an den Wänden: Babys der Teenagerinnen, die hierher kamen. Mandy war eine dieser Mütter – und bereit für ein Interview. „Ich wollte zeigen, dass die Realität nicht so einfach ist. Es geht um mehr als Klischees", sagte sie dem Tagesspiegel vor der Preisverleihung, die in der Berliner Akademie der Künste stattfand.

Zweiter Platz für Kai Biermann, Klaus Hillenbrand Dritter

Der zweite Preis ging an Kai Biermann von ZEIT Online für das Thema „NSA Untersuchungsausschuss“. "taz"-Chefredakteur Georg Löwisch würdigte ihn: „Kai Biermann hat außergewöhnlich akribisch über den NSA-Untersuchungsausschuss berichtet: Ein Chronist, der aufklärt und der erklärt. Er dringt ins Dickicht der Geheimdienste vor und macht hochkomplizierte Strukturen anschaulich.“

Mit dem dritten Preis wurde Klaus Hillenbrand von der "taz" ausgezeichnet, der seit langem späte Ermittlungen und Prozesse gegen NS-Verbrecher begleitet. Sein Laudator, Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff, lobte dessen Ausdauer: "Die Fülle seiner Berichte über die letzten Prozesse gegen NS-Täter, ihre Tiefe und Qualität sowie seine Haltung zeichnen ihn aus und machen ihn des ‚Langen Atems‘ würdig.“

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