Jubiläum für Satire-Magazin : Deutsches "Mad" wird 50: Zappadoing!

Seit 50 Jahren gibt es die Satirezeitschrift „Mad“ in Deutschland. Aber wie lustig ist das eigentlich noch?

Marc Vetter
Deutsches "Mad"
Deutsches "Mad"Foto: Promo

Wozu braucht es eigentlich noch ein Magazin für Blödsinn? Ist die Welt nicht schon infantil genug? Das fragt man sich auch zum aktuellen Jubiläum der Satirezeitschrift „Mad“. Als 1952 in den USA ein Magazin mit dem Titel „Tales Calculated To Drive You Mad“ gegründet wurde, war klar, dass es genügend Menschen gab, die dem Ernst der Welt entfliehen wollten.

Die Leser labten sich an den bald unter dem Label „Mad“ erscheinenden Parodien auf Pop- und Hochkultur und riefen das zum Maskottchen des Blatts gewordene White-Trash-Abziehbild Alfred E. Neumann zum nationalen Kulturgut aus. Nichts deutete darauf hin, dass ein solches Konzept auch in Deutschland, im Land der sich vornehmlich intellektuell gebenden Satire, funktionieren könnte. Als 1967 das deutsche „Mad“ auf den Markt kam, angetrieben von Verleger Klaus Recht, entwickelte es sich in wenigen Jahren zu einer Erfolgsgeschichte, verkaufte in den 1980ern sogar mehr als 300 000 Exemplare.

Einen großen Anteil daran hatte ein gewisser Herbert Feuerstein, zuvor Verlagsleiter für „Pardon“. Feuerstein war jahrelang US-Korrespondent dieses Satiremagazins, liebte aber das amerikanische „Mad“ und wechselte schließlich die Seite. Ab Heft 32 im Januar 1972 leitete er die Geschicke des Heftes, verdiente sich nach ausgehandelter Gewinnbeteiligung eine goldene Nase und machte später, als das deutsche „Mad“ schon längst Schiffbruch zu erleiden drohte, seine Faxen lieber im Fernsehen weiter.

Ohne Zweifel prägte Feuerstein das typisch Deutsche am deutschen „Mad“: Mit Heft 53 gab es die erste deftige Persiflage einer deutschen Serie („Der Kommissar“) – auf dem Cover grüßte dazu Alfred als Alexander DeLarge mit der Clockwork-Orange-Hommage „Machwerk Zitrone“. Natürlich wurden auch zahlreiche „Mad“-Klassiker aus dem Original nach Deutschland importiert, wie die legendären Zeichnungen von Don Martin und Antonio Prohías („Spy vs. Spy“) oder die erhellenden Faltblätter von Al Jaffee.

Zahlreiche gelungene Märchenparodien

Doch ein Schwerpunkt lag darauf, die amerikanischen Comicstrips einzudeutschen, also für Leser schwer verständliche Zusammenhänge mit Anspielungen auf hierzulande Bekanntes zu ersetzen. Mit fiktiven Werbeanzeigen, derben Fotocollagen und dem Alfred des Monats setzte das Blatt eigene Standards. Und fand dafür eine Sprache, die bis heute im kollektiven Gedächtnis deutscher Comicleser verankert bleibt. Onomatopoetische Kleinkunstwerke wie „ächz“, „hust“, „keuch“ oder „zappadoing“ zierten die zahlreichen Comic-Einschübe des Magazins.

Für solche Sprachspielereien waren unter anderem Gunter Baars und Ully Arndt zuständig, die später die Ottifanten erschufen. Auch deutsche Zeichner prägten „Mad“. Wohl am meisten zum grafischen Erscheinungsbild trug dabei Ivica Astalos bei, der eine Idee nach der nächsten einbrachte, darunter die „Sternstunden der Menschheit“ (verulkte Neuerzählungen der Historie) und zahlreiche gelungene Märchenparodien. Sein soziologisch geschultes Auge sorgte dafür, dass „Mad“ eben nicht nur als witziges Schundblatt durchging, sondern als selbstironische Satirezeitschrift.

Ein durchaus schwieriges Unterfangen, das nach und nach an Schärfe verlor. Seit 1998 erscheint das Blatt in Farbe (die US-Kollegen legten erst später ihr Schwarz-Weiß-Korsett ab), zunächst bei Dino und inzwischen bei Panini. Zuvor war es für einige Jahre vom Markt verschwunden. Und die „Red.“ – wie sich die Redaktion um Jo Löffler und Mathias Ulinski nach einem unter Stammlesern bekannten Kürzel nennt – sorgt vor allem mit Blick auf die doch eher jüngere Leserschaft für einen Schwerpunkt auf pubertäre Zoten und Hollywoodparodien.

Das deutsche „Mad“ hat sich in Zeiten überall verfügbarer und im Fernsehen („heute-show“) und Internet („Postillon“) auftretender Satire etwas überlebt. Die verkaufte Auflage liege bei rund 12 000, so ein Panini-Sprecher. Das Heft erscheint nur noch vierteljährlich. Ausgerechnet zum 50. Geburtstag unterlief den Blattmachern ein folgenschwerer Lizenz-Fauxpas, was zur Folge hatte, dass eine ganze Auflage im August eingestampft werden musste und später erscheint. Und das ausgerechnet im humorbedürftigen Bundestagswahlkampf. Das mag man ächzend Zufall nennen – oder es ist eben ein echter „Mad“-Kalauer.

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