Julia Jäkel : Frau am Steuer

Der Verlag Gruner + Jahr setzt sich für mehr Frauen in Führungspositionen ein - und geht mit gutem Beispiel voran: Julia Jäkel wird Mitglied im Vorstand. Ein wichtiges Signal hat sie bereits jetzt gesetzt.

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Geballte Medienprominenz. Julia Jäkel und ihr Mann, der frühere „Tagesthemen“-Moderator Ulrich Wickert.
Geballte Medienprominenz. Julia Jäkel und ihr Mann, der frühere „Tagesthemen“-Moderator Ulrich Wickert.Foto: dapd

„Female Factor“ heißt ein Programm im Hamburger Verlag Gruner + Jahr, mit dem Frauen in Führungspositionen gefördert werden sollen. Nun hat es eine Frau gar an die Spitze des Unternehmens geschafft: Julia Jäkel ist in den Vorstand berufen worden, wo sie ab sofort das Zeitschriften- und Digitalgeschäft des Verlags in Deutschland verantwortet. Die 40-jährige Managerin löst den bisherigen Vorstandschef Bernd Buchholz ab, der aus dem Unternehmen ausscheidet. Mit Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein, 48, und Finanzvorstand Achim Twardy, 52, bildet sie das neue Spitzentrio.

Die Quotenfrage dürfte bei Jäkels Ernennung allerdings kaum eine, eher gar keine Rolle gespielt haben. Jäkel ist aufgestiegen, weil sie als sich in dem Verlag bewährt hat. Zuletzt war sie Chefin der Verlagsgruppe G+J Life und verhalf dort unter anderem dem Titel „Schöner Wohnen“ zu neuem Glanz und einem deutlichen Auflagen- und Anzeigenplus. Ein Erfolg, den sie bei der „Brigitte“ wiederholen will. Kaum kehrte sie Anfang August zurück aus der Elternzeit – Jäkel hat im März zusammen mit ihrem Mann Ulrich Wickert, 69, Zwillinge bekommen – tauschte sie einen Chefredakteur des Frauenmagazins aus und stellte den noch jungen Titel „Season“ ein. Da fackelt sie nicht lange – als Mutter und Managerin muss sie auf Effizienz fokussiert sein.

Zielstrebig war sie schon immer. Die Arzt-Tochter machte ein Einser-Abitur, studierte Politik, Geschichte, Recht, Politikwissenschaften und Volkswirtschaft in Heidelberg, Harvard und Cambridge. 1997 durchlief sie das Nachwuchsprogramm beim Medienriesen Bertelsmann, der mit 74,9 Prozent an G+J beteiligt ist. Sie wurde Geschäftsführende Redakteurin bei der „Gala“, dann Verlagsleiterin der Tageszeitung „Financial Times Deutschland“ (FTD), der „Brigitte“Gruppe und schließlich Verlagsgeschäftsführerin der Gruppe Exclusive&Living, der heutigen Verlagsgruppe Life. Die Senkrechtstarterin profitiert dabei stets davon, dass sie sowohl die Redaktions- als auch die Verlagsseite kennt. Nur logisch, dass sie als eine Favoritin in der Nachfolge für Buchholz galt.

Der G+J-Vorstandschef hatte nach Querelen mit Bertelsmann-Vorstand Thomas Rabe vergangene Woche als Bertelsmann-Vorstandsmitglied hingeworfen, sein Abschied von Gruner galt spätestens nach der Vorlage der Halbjahresbilanz am Freitag als besiegelt, bei der ein deutlicher Gewinnrückgang für G+J verkündet wurde. Um den Verlag besser unter Kontrolle zu haben, will Bertelsmann den Anteil der Familie Jahr in Höhe von 25,1 Prozent gegen eine Beteiligung an Bertelsmann eintauschen. Dass sie den Gütersloher Konzern dank ihrer Ausbildung gut kennt, wird gut für Jäkels Zusammenarbeit mit Rabe sein.

Die Spekulationen über die Übernahme und die schlechten Zahlen verunsichern die Mitarbeiter in Hamburg. In einem Offenen Brief sorgte sich der Betriebsrat am Donnerstag über einen Abbau von 400 Stellen. Umso mehr setzen die Redaktionen nun darauf, dass die neue Vorstandsfrau Jäkel unverändert an die Zukunft des Printgeschäfts glaubt und den Verlag wieder auf Wachstumskurs bringt.

G + J stehe „für Marken von großer publizistischer Tradition und für eine Vielzahl junger, erfolgreicher Medienprodukte. All diese Marken sind verankert in unserer Gesellschaft“, sagte Jäkel am Donnerstag. Sie freue sich darauf, den Verlag „in eine gute Zukunft – Print und digital - zu führen.“ Ob dazu ein Stellenabbau gehört, möglicherweise ein Wandlung der schwächelnden „FTD“ von einer Tages- zu einer Wochenzeitung, wird sie in den nächsten Wochen erklären. Ein wichtiges Signal ist mit ihrer Berufung aber schon jetzt gesetzt: Dass eine zweifache Mutter sehr wohl Chefin eines Unternehmens mit weltweit rund 12 000 Mitarbeitern sein kann. Und will. Sonja Pohlmann

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